05.02.2018 
Börsenprofi Carsten Mumm erklärt

Der Zinsanstieg hat begonnen - was das für Anleger bedeutet

Von Carsten Mumm
EZB-Zentrale in Frankfurt: Die Zinsen dürften demnächst weiter steigen.
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EZB-Zentrale in Frankfurt: Die Zinsen dürften demnächst weiter steigen.

Die erste Pressekonferenz der Europäischen Zentralbank (EZB) in diesem Jahr sorgte überraschend für steigende Renditen am Anleihemarkt. Dabei hat EZB-Chef Mario Draghi nichts Neues kommuniziert. Das Anleihekaufprogramm in Höhe von nun 30 Milliarden Euro monatlich wird im September diesen Jahres planmäßig enden. Die Zinseinnahmen und Fälligkeiten werden jedoch weiterhin investiert, also erfolgt ein marktschonendes Reinvestment - soweit alles beim alten.

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    Carsten Mumm, Chefvolkswirt und Leiter der Kapital-marktanalyse bei der Privatbank Donner & Reuschel.

Dennoch stieg der Euro gegenüber dem US-Dollar zwischenzeitlich auf 1,25 EUR/USD und die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe sprang um gut 25 Basispunkte auf über 0,72 Prozent. Die üblichen Aussagen "wenn nötig sind wir bereit, die Anleihekäufe wieder zu erhöhen und zu verlängern" oder "Zinserhöhungen sind sehr unwahrscheinlich in diesem Jahr" waren in der Rede des EZB-Chefs nach wie vor zu finden. Woher rührt also die große Verstimmung an den Anleihemärkten?

Es waren wohl die schon fast euphorischen Aussagen zur Entwicklung der europäischen Konjunktur, die in einer solch positiven Ausprägung seit 2007 nicht mehr zu hören waren. Dass die Konjunktur in Europa läuft, ist weithin bekannt, aber die starke Dynamik und auffällige Robustheit in der 2. Jahreshälfte waren überraschend, so Draghi. Dieser Abschnitt in seiner Rede scheint nun den letzten Zweiflern klar gemacht zu haben, dass bei anhaltendem Konjunkturaufschwung der Kauf von Anleihen durch die EZB nicht mehr länger als zugesichert notwendig ist.

Da die EZB sukzessive den Kauf von Anleihen einstellt, ist nun die Frage: "Wer ist noch bereit bei den aktuellen Wachstumszahlen und steigenden Inflationserwartungen in Anleihen mit negativer Rendite zu investieren?". Da genau dieser Aspekt jedem längerfristigen Anleihen-Engagement im Wege steht, finden sich jeden Tag weniger Akteure, die noch weiter sinkende Renditen erwarten. Zwangsläufig steigen die Renditen am Markt deutlich an.

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Die geschätzten Inflationszahlen für Januar bleiben vorerst tief, in der Eurozone mit 1,3 Prozent weiterhin am unteren Rand des EZB-Korridors und fallen damit als Grund für den jüngsten Zinsanstieg aus. Somit sind die am Markt gehandelten Renditen der Bundesanleihen nichts anderes als Vorzeichen einer gesunden Normalisierung des durch die EZB-Aktionen überlagerten Anleihemarktes. Das gilt auch für Anleihen der Euroland-Peripheriestaaten, die derzeit täglich kleinere Einengungen ihres Abstands zur AAA-gerateten Vergleichsmarke der Bundesanleihen verbuchen (sogenannte Risiko-Spreads).

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