04.04.2018  Warum Spotifys Börsengang gefährlich für die Banken ist

Spotify wird zum Bankenschreck

Von
Schweiz statt Schweden: Beim Spotify-Börsengang hisste die New Yorker Börse zeitweise die falsche Flagge
REUTERS
Schweiz statt Schweden: Beim Spotify-Börsengang hisste die New Yorker Börse zeitweise die falsche Flagge

Es war eine der unspektakuläreren Erstnotierungen, die die New Yorker Börse zuletzt gesehen hatte. Kein Champagner auf dem Parkett, Spotify-Chef Daniel Ek ließ sich nicht zum ersten Listing seines Streaming-Dienstes an der Börse blicken. Und statt der Schwedischen Flagge hissten die Börsenverantwortlichen fälschlicherweise erst einmal die Schweizer Fahne vor dem Gebäude.

Mit dem Ergebnis dürften Ek und seine Mitstreiter aber wohl zufrieden gewesen sein. Schließlich wurden die Aktien der Streamingdienst zum Handelsstart mit 169,90 Dollar gehandelt - mehr als 25 Prozent des Referenzpreises von 132 Dollar. Später gab der Kurs zwar nach, schloss aber mit knapp über 149 Dollar deutlich über dem avisierten Preis. Ein Tagesschlusswert, der das noch immer defizitäre Spotify zu einer mit 27 Milliarden Dollar bewerteten Tech-Firma macht.

Ob der Kurs sich auf Dauer halten kann, bleibt abzuwarten. In der Bankenwelt dürfte der von als Erfolg und "fulminantes" Debüt gefeierte Börsengang allerdings mit Sorge betrachtet werden. Denn der Erfolg könnte die Investmentbanken teuer zu stehen kommen. Denn er gefährdet ein Geschäftsmodell, dass über Jahre mehrstellige Millionenbeträge in ihre Kassen spülte und Schätzungen zufolge in Hochzeiten bis zu 25 Prozent der Einnahmen von Investmentbanken ausmachte.

Kommt jetzt der Spotify-Effekt?

Anders als Größen wie Facebook oder Google ging Spotify für die Börsennotierung nämlich nicht den Weg eines klassischen IPOs, sondern wählte den Weg einer Direktplatzierung, bei der lediglich bereits existierende Anteile an die Börse gebracht wurden - und der das Unternehmen deutlich günstiger kam.

Rund 36 Millionen Dollar dürfte Spotify laut "Wall Street Journal" seinen Beratern wie Goldman Sachs , Morgan Stanley und Allen & Co. an Gebühren für den Börsengang gezahlt haben. Das ist nur etwas mehr als ein Drittel dessen, was Snapchat bei seinem IPO vor etwa einem Jahr zahlen musste. Damals flossen rund

100 Millionen Dollar.

Und das weckt offenbar Begehrlichkeiten. Galten Direktplatzierungen früher vor allem als Option für eher kleinere Unternehmen, könnten künftig auch große Tech-Unternehmen wie AirBnB, die sich mit ihren Angeboten an ähnliche Investorengruppen wenden, auf klassische IPOs mit hohen Gebühren und aufwändige Roadshows verzichten.

Und dies könnte eine der Haupteinnahmequellen der Investmentgrößen deutlich schrumpfen lassen. Erste Anfragen einer ganzen Reihe von Unternehmen wegen möglicher Direktlistings seien bereits eingegangen, zitierte das "Wall Street Journal" NYSE Group President Tom Farley.

Und gerade der Tech-Sektor war es - nicht zuletzt wegen des lukrativen Börsengangs Snapchats - , der im vergangenen Jahr die weltweiten IPO-Einnahmen der Banken nach einem deutlichen Rückgang in den vergangenen Jahren endlich wieder hatte steigen lassen.

Mehr zum Thema