12.03.2018  Börsenprofi Carsten Mumm erklärt

So wirken sich US-Strafzölle auf deutsche Aktien aus

Von Carsten Mumm
Stahlarbeiter bei der Salzgitter AG: Strafzölle auf Stahl und Aluminium sollen US-Firmen vor der Konkurrenz aus dem Ausland schützen, so US-Präsident Trump.
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Stahlarbeiter bei der Salzgitter AG: Strafzölle auf Stahl und Aluminium sollen US-Firmen vor der Konkurrenz aus dem Ausland schützen, so US-Präsident Trump.

2. Teil: Wie sich die USA auch selbst schaden

Die Drohung in Richtung ausländischer Autobauer ist gerade für die deutsche Wirtschaft von hoher Brisanz. Den drei Dax-Unternehmen Volkswagen , BMW und Daimler mit insgesamt 550.000 in die USA exportierten Autos im Jahr 2016 drohten empfindliche Gewinneinbußen. Alle drei zusammen stehen immerhin für über 12 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung des Dax.

Hinzu kämen die Folgewirkungen durch Umsatzausfälle bei diversen Zulieferunternehmen. Der deutsche Außenhandelsüberschuss fußt zu einem Großteil auf dem Export von Fahrzeugen und Maschinen. Sollte der Handelsstreit tatsächlich eskalieren, wären Schäden für weitere Industriesektoren wahrscheinlich. Deutschland stünde - mit in die USA exportierten Waren im Gegenwert von insgesamt 112 Milliarden Euro im Jahr 2017 - als Verlierer da.

Letztendlich schaden sich aber die USA durch protektionistische Maßnahmen auch selbst - unabhängig davon, ob Waschmaschinen aus Asien, Stahl aus China oder Autos aus Europa sanktioniert werden. Aufgrund der fehlenden Wettbewerber aus dem Ausland wird es in den betroffenen Bereichen unweigerlich zu Preiserhöhungen kommen, die vor allem die Endverbraucher und Unternehmen zu tragen haben. Hinzu kommt ein fehlender Innovationsdruck, wodurch technische Fortschritte verzögert werden - ebenfalls zulasten der Verbraucher oder Einkäufer von Vorprodukten.

Ein Handelskrieg wäre der worst cast - für alle Seiten

Bereits 2002 versuchte Präsident Bush mit Zöllen die Stahlindustrie zu schützen. Er hob diese jedoch ein Jahr später wieder auf, um einen Handelskrieg letztlich doch noch zu verhindern. Ein konstruktives Mittel, das Außenhandelsbilanzdefizit zu verringern, sind Einfuhrabgaben in einer globalisierten Welt auf jeden Fall nicht. Selbst republikanische Abgeordnete wie der Sprecher des US-Repräsentantenhauses, Paul Ryan, versuchen, US-Präsident Trump von seinem Vorhaben abzubringen. Schließlich gehört der globale Freihandel zu den Grundüberzeugungen der Republikaner.

Die Welt wäre extrem schlecht beraten, wenn sie sich tatsächlich in einen Handelskrieg hineinziehen ließe. Alle wären Verlierer, weshalb grundsätzlich davon auszugehen ist, dass Europäer und Asiaten gelassen auf die Drohungen aus den USA reagieren werden. Sie sollten es nicht auf eine offene Eskalation mit den USA ankommen lassen, sondern den Verhandlungsweg wählen.

Unser Basisszenario ist daher, dass sich die Befürchtung eines globalen Handelskrieges lediglich als Schreckgespenst herausstellt, das die Börsen nur kurzfristig ordentlich durchgeschüttelt hat. Gut möglich ist aber, dass das Thema die Kursentwicklungen in den kommenden Wochen noch belasten wird. US-Präsident Trump scheint fest entschlossen, die Drohkulisse zwecks Durchsetzung US-amerikanischer Interessen aufrecht zu erhalten.

Rationalen Argumenten seiner Berater wird er in diesem Zuge nur bedingt zugänglich sein. Aus diesem Grund dürfte letztlich auch der oberste Wirtschaftsberater Trumps Gary Cohn in dieser Woche seinen Rücktritt eingereicht haben. Obwohl die Aussichten für die globale konjunkturelle Entwicklung und damit auch die mittelfristige Aktienkursperspektive weiter positiv sind, ist vorerst eine vorsichtigere Positionierung sinnvoll.

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