23.08.2018  Historischer Tag an US-Börse

3453 Tage aufwärts - längster Bullenmarkt der Geschichte

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Aktienhändler in New York: Die Kurse steigen seit 2009 - so lange wie noch nie.
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Aktienhändler in New York: Die Kurse steigen seit 2009 - so lange wie noch nie.

Am heutigen Mittwoch steigen die Aktienkurse an der Wall Street seit exakt 3453 Tagen, womit es die längste Hausse ist, die der US-Aktienmarkt bislang erlebt hat. Hier die Gründe dafür.

Es ist soweit: Der heutige Mittwoch ist laut "Wall Street Journal" der 3453. Tag, an dem sich die US-Börse - gemessen an der Entwicklung des breiten Blue-Chip-Index S&P 500 - in einer Aufschwungphase, einem sogenannten Bullenmarkt ohne einen zwischenzeitlichen Rücksetzer von 20 Prozent oder mehr also, befindet. Damit ist die aktuelle Hausse die längste, die der S&P 500 bislang erlebt hat.

Begonnen hat der derzeitige Bullenmarkt laut "WSJ" am 9. März 2009, als der S&P 500 in der großen Wirtschafts- und Finanzkrise seinen bei 666 Punkten seinen Tiefpunkt erreichte. Seither ist das Kursbarometer auf mehr als 2860 Punkte gestiegen - ein Plus von mehr als 300 Prozent. Nur in der zuvor längsten Aktienrallye an der Wall Street, die nach 3452 Tagen mit dem Platzen der Dot-Com-Blase im März 2000 endete, gab es laut "WSJ" mit plus 417 Prozent einen höheren Zugewinn für den S&P 500.

Zwei Fragen drängen sich auf. Erstens: Was sind die Gründe dafür, dass die Aktienkurse an der amerikanischen Börse, die weltweit nach wie vor eine wichtige Leitfunktion hat, seit Jahren steigen und immer weiter steigen, insbesondere trotz der zuletzt zunehmenden internationalen Spannungen beim Thema Freihandel? Und zweitens: Wie lange wird es mit diesem historischen Börsenaufschwung noch weitergehen?

Zu Frage eins gibt es eine Reihe von Faktoren, die genannt werden müssen:

- Die robuste Konjunktur in den USA, die für gute Beschäftigungszahlen sorgt und den Unternehmen ordentliche Gewinne beschert. Insbesondere die Tatsache, dass trotz des anhaltenden Wirtschaftsaufschwungs die Inflation auch in den Vereinigten Staaten bislang nicht weit über die neuralgische Marke von 2 Prozent hinausgeschossen ist, kommt auch dem Aktienmarkt zu Gute. Denn das führt dazu, dass sich die US-Notenbank Fed bei ihren Zinssteigerungen Zeit lassen kann.

- Ein Auslöser des bis heute anhaltenden Kursaufschwungs an der Börse war, dass Notenbanken angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2008 reihenweise die Zinsen gesenkt und die Geldhähne weit geöffnet haben, auch die Fed in den USA. Inzwischen befindet sich die US-Notenbank zwar seit einigen Jahren wieder in einem Zyklus der Zinssteigerungen. Dabei gehen die Geldhüter jedoch - auch angesichts der ausbleibenden signifikanten Inflationszahlen - sehr behutsam vor, so dass die US-Zinsen weiterhin auf vergleichsweise niedrigem Niveau verharren.

- Mit seiner Steuerreform hat US-Präsident Donald Trump den US-Unternehmen mitten im Aufschwung zusätzliche Spielräume verschafft, eine eigentlich kaum erforderliche prozyklische Konjunkturunterstützung. Die Unternehmen nutzen die Gelder zum Teil um Jobs zu schaffen, zu investieren und auf diese Weise ihre Gewinnaussichten zu verbessern. Vor allem aber verwenden viele US-Konzerne die Millioneneinsparungen aus der Steuerreform für Aktienrückkäufe. Auch dadurch werden die Kurse an der US-Börse und anderswo auf hohem Niveau gehalten.

- Einer der wichtigsten Treiber der US-Börse sind zudem die Erfolge der führenden Tech-Konzerne, allen voran Unternehmen wie Apple , Amazon oder die Google-Mutter Alphabet . Diese Firmen krempeln seit Jahren die Wirtschaft um und erzielen zum Großteil inzwischen regelmäßig auch Milliardengewinne. Die Folge: Die Aktien der Tech-Firmen haussieren noch stärker als der Rest des Marktes. Laut "WSJ" gehen 22 Prozent der aktuellen Kurshausse des S&P 500 auf das Konto des Technologiesektors. Allein der iPhone-Bauer Apple zeichne für 4,1 Prozent der Kursgewinne verantwortlich, heißt es. Gemeinsam mit Amazon, Microsoft und Netflix habe Apple zudem 40 Prozent zum 7-Prozent-Anstieg des S&P 500 in diesem Jahr beigesteuert, so die Zeitung.

Das sind die wichtigsten Gründe für die historische Aktienhausse an der Wall Street. doch wie lange wird dieser Kursaufschwung noch weitergehen?

Christoph Rottwilm auf Twitter

Dazu gibt es unter Investmentexperten zweifellos zahlreiche Einschätzungen. Je nachdem, welche Faktoren stärker und welche weniger stark gewichtet werden, und vor allem, welche künftigen Entwicklungen etwa bei der Fed-Zinspolitik, beim internationalen Handelskonflikt oder in den Schwellenländern erwartet werden, kommen die Auguren zu den unterschiedlichsten Prognosen.

Tatsache ist jedoch: Die historische Kurshausse an der US-Börse könnte morgen enden oder noch über Jahre weitergehen. Die wirkliche Antwort auf die Frage nach ihrer künftigen Dauer kennt niemand.

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