31.07.2018  Investor Steve Eisman attackiert Elon Musk

"Big-Short"-Wall-Street-Legende nimmt Tesla ins Visier

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Kenner fallender Kurse: Investmentlegende Eisman machte schon mit einbrechenden Hypothekenpapieren ein Vermögen - jetzt erwartet er einen sinkenden Kurs der Tesla-Aktie.
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Kenner fallender Kurse: Investmentlegende Eisman machte schon mit einbrechenden Hypothekenpapieren ein Vermögen - jetzt erwartet er einen sinkenden Kurs der Tesla-Aktie.

Die Aktie des Elektro-Auto-Pioniers Tesla kennt derzeit vor allem eine Richtung: abwärts. Zwar konnte das Unternehmen Ende Juni einen Erfolg verkünden: Erstmals war es Tesla gelungen, binnen einer Woche die monatelang angestrebten 5000 Exemplare des neuen Model 3 zu produzieren. Die Umstände, unter denen die Firma von Mitgründer Elon Musk diese Wegmarke passierte, lassen allerdings befürchten, dass es auch künftig nicht einfacher wird mit der von Musk selbst als "Produktionshölle" bezeichneten Massenherstellung. Unter anderem wurde bekannt, dass Tesla die Autos aus Mangel an Kapazitäten in einem eigens errichteten, riesigen Zelt zusammenmontieren muss.

Zudem gibt es immer wieder Meldungen, die zeigen, wie angespannt die wirtschaftliche Lage des E-Autobauers inzwischen offenbar ist. Zuletzt etwa berichtete das "Wall Street Journal", Tesla habe seine Zulieferer gebeten, Geld aus bereits bezahlten Rechnungen zurück zu überweisen. Auch die zahlreichen Umtriebe von Elon Musk abseits seiner Kernaufgabe bei Tesla stoßen Investoren inzwischen verstärkt übel auf. Jüngstes Beispiel: Seit neuestem gibt es auch Surfbretter der Marke Tesla.

Die Folge von alldem: Der Aktienkurs ist seit seinem Jahreshoch im Juni bereits um rund 20 Prozent abgerutscht. Vom Allzeithoch jenseits der 380 Dollar, das im vergangenen Jahr erreicht wurde, ist das Papier inzwischen noch weiter entfernt - zuletzt notierte die Tesla-Aktie bei 297 Dollar.

Der Vorteil der Börse ist indes: Dort lässt sich auch mit fallenden Kursen Geld verdienen. Die Technik, die dazu führt, nennt sich "Shorten" (siehe Erklärvideo von manager magazin und Mynd).

Tesla-Chef Musk hat ich in der Vergangenheit bereits abfällig über jene Investoren geäußert, die auf einen Kursrückgang seiner Aktie wetten. Jetzt hat sich ein besonders prominenter Investmentprofi geoutet: Auch Steve Eisman gehört zu denjenigen, die Tesla "shorten". Das sagte Eisman jüngst in einem Interview mit dem Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg.

Eisman ist nicht irgendjemand an der Wall Street. Er setzte 2007 frühzeitig auf den Absturz der Subprime-Hypotheken-Papiere in den USA, der später die Weltfinanz- und Wirtschaftskrise auslöste. Damit brachte es Eisman schätzungsweise auf einen Milliardengewinn sowie zu einem legendären Ruf in der Branche. Zudem erwarb er sich einen Platz auf der Kinoleinwand: Im Streifen "The Big Short", der auf dem gleichnamigen Buch des Bestsellerautors Michael Lewis beruht, wird Eisman in der Figur des Mark Baum porträtiert, gespielt von Steve Carell.

Inzwischen ist Eisman für das Investmenthaus Neuberger Berman tätig - und nach wie vor ein gefragter Mann in der Finanzwelt. Elon Musk sei "smart", sagte der Investmentprofi gegenüber Bloomberg. Doch es gebe viele smarte Leute auf der Welt.

"Smart zu sein reicht nicht, sie müssen auch liefern", so Eisman. Und Tesla-Chef Musk habe Probleme damit, zu liefern. Eisman verweist auf den negativen Cash-Flow des Konzerns. Er erwähnt ebenfalls die Produktionsprobleme ("Er produziert in einem Zelt!"), und er bemerkt, dass zuletzt bereits eine Reihe von Führungskräften Tesla verlassen haben.

Beim autonomen Fahren, so der Investor, habe Musk ebenfalls noch nichts erreicht. Dort haben laut Eisman General Motors sowie Google klar die Nase vorn.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Man werde sehen, was die Quartalszahlen bringen, sagt der Investor. Tesla wird am Mittwochabend nach 22 Uhr europäischer Zeit in den USA seine Ergebnisse präsentieren. Zwar wurde das 5000er-Produktionsziel beim Model 3 mit Ach und Krach erreicht. Tesla dürfte im abgelaufenen Quartal aber kaum aus der Verlustzone herausgekommen sein. Wahrscheinlich erscheint dagegen, dass es am Mittwoch erneut Gründe für Kursturbulenzen bei der Tesla-Aktie geben wird.

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