03.08.2018  Kursschwankungen bei Facebook, Apple und Co

Was Anleger aus den Tech-Turbulenzen lernen können

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Tech-Konzerne im Fokus: Nach ihrem Aufstieg an der Börse müssen einige der Unternehmen zurzeit Kursverluste verbuchen.
AFP
Tech-Konzerne im Fokus: Nach ihrem Aufstieg an der Börse müssen einige der Unternehmen zurzeit Kursverluste verbuchen.

Amazon, Apple, Facebook, Netflix und Google krempeln die Wirtschaft gehörig um und schreiben zugleich (Börsen-)Geschichte. Zuletzt aber bekam die Wachstumstory einzelner Tech-Riesen Risse, die Börsen reagierten geschockt. Daraus sollten Anleger Lehren ziehen.

Die Aufmerksamkeit der Börse richtet sich inzwischen schon seit Jahren vor allem auf die großen Konzerne aus dem Technologie-Sektor: Amazon, Apple, Facebook, Netflix, Google und einige weitere haben die Wirtschaft in Teilen umgekrempelt und den Aktienmarkt im Sturm erobert.

In diesen Tagen wird jedoch mehr denn je deutlich, dass die Wachstumsstorys dieser Konzerne keineswegs so makellos sind, wie manch einer womöglich dachte. Amazon, Google sowie Apple konnten mit ihren jüngsten Quartalszahlen zwar überzeugen. Apples Börsenwert übersprang danach sogar die Billion-Dollar-Grenze. Mit Facebook, Netflix und Twitter blieben jedoch drei andere prominente Häuser weit hinter den Erwartungen zurück.

Die logische Folge waren heftige Kursverluste: Die Facebook-Aktie stürzte binnen Stunden in der Spitze um 25 Prozent ab, wobei vorübergehend ein Börsenwert von 150 Milliarden Dollar vernichtet wurde. Bis heute notiert das Papier weit niedriger als vor der Veröffentlichung der Quartalszahlen. Auch die Aktien von Netflix und Twitter haben sich inzwischen um einen zweistelligen Prozentsatz von ihren zuletzt markierten Höchstkursen entfernt.

Für die Besitzer der Aktien sind solche Kursstürze selbstverständlich schmerzlich. In den Kursturbulenzen der Tech-Aktien steckt aber auch eine Botschaft, die für Anleger hilfreich sein kann: Es gibt bestimmte Grundregeln der Geldanlage, und wer sich daran hält, wird durch Ereignisse wie sie derzeit im Tech-Sektor an der Börse auftreten, kaum auf dem falschen Fuß erwischt.

Vor allem drei Grundprinzipien des Investierens erweisen sich durch die plötzlichen Kursstürze von Facebook, Netflix oder Twitter einmal mehr als richtig:

1. Risikostreuung ist Trumpf

Unter dem 20-Prozent-Kursverlust bei Facebook leiden vor allem diejenigen, die besonders viele Facebook-Aktien im Depot haben. Das klingt nach einer Binse, wird aber im Umkehrschluss zu einer wichtigen Lehre: Wer sein Geld auf möglichst viele Anlagen verteilt, wird durch Schwankungen in einzelnen Titeln oder Segmenten davon nicht so stark getroffen.

Risikostreuung lautet also die Devise, und zwar selbstverständlich über den Tech-Sektor hinaus: Vernünftige Anleger streuen ihre Investments über verschiedene Regionen, Branchen und Unternehmenstypen. Gut geeignet dafür sind in der Regel beispielsweise Indexfonds (ETFs), denn sie sind kostengünstig und können flexibel gehandelt werden.

Wer diesen Hinweis für banal hält, sei auf eine Analyse hingewiesen, die in diesen Tagen die Credit Suisse erstellt hat. Demnach haben aktuell viele Hedgefonds an der Wall Street Probleme, ihre Risiken in den Griff zu bekommen, weil sie ein besonders starkes Engagement im Tech-Sektor eingegangen sind. Selbst Profis halten sich also nicht unbedingt an die einfachsten Regeln der Geldanlage.

2. Timing klappt selten

Eine Quartalssaison, viele verschiedene Kursreaktionen: Facebook, Netflix und Twitter rutschen ab, Amazon, Google (Alphabet) und Apple legen zu. Wer das so vorhersagen konnte, konnte in den vergangenen Tagen an der Börse viel Geld verdienen.

Das konnte aber niemand. Die Turbulenzen bei den Tech-Werten lenken die Aufmerksamkeit vielmehr auf eines der wichtigsten Charaktermerkmale des Aktienmarktes: nämlich sein Überraschungspotenzial. Wie im Leben, so gilt auch an der Börse: Es kommt meistens anders als man denkt.

Die richtige Anlagestrategie basiert daher kaum auf dem Versuch, künftige Ereignisse vorhersehen zu können. Das bedeutet insbesondere, dass es kaum möglich ist, den richtigen Zeitpunkt für den Kauf oder den Verkauf eines Wertpapiers vorab zu bestimmen und zu treffen.

Ratsamer ist es dagegen, sein Portfolio grundlegend den eigenen Anlage- und Risikopräferenzen entsprechend auszurichten und dann möglichst lange unangetastet zu lassen. Auch Kursverluste wie die 20 Prozent, die Facebook in diesen Tagen erlitt, nivellieren sich schließlich auf lange Sicht, wenn sich die grundlegende Annahme bestätigt, dass es sich dabei um ein langfristig erfolgreiches Unternehmen handelt.

Als Alternative zum vermeintlich geschickten Timing von Aktienkäufen und -verkäufen bieten sich zudem Sparpläne an, bei denen regelmäßig in bestimmten Zeitabständen zu fixen Beträgen Anteile zugekauft werden. Auf diese Weise nutzen Investoren den sogenannten Cost-Average-Effekt zu ihrem Vorteil: Bei niedrigen Kursen gelangen viele Stücke ins Depot, und bei hohen Kursen weniger.

3. Überheblichkeit führt zu Verlusten

Punkt drei ist zum Teil eine Quintessenz der Punkte eins und zwei: Immer wieder halten sich Anleger für besonders klug und glauben, sich über solche und andere Grundregeln der Geldanlage hinwegsetzen zu können. Das gängige Argument lässt sich in einer bekannten Phrase zusammenfassen: This time it's different.

Diese Annahme hat sich aber bislang noch so ziemlich jedes Mal als falsch erwiesen - und jene, die daran glaubten, mussten unterm Strich oft doch Verluste einstreichen.

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