09.02.2018 
Kurssturz am Aktienmarkt

Wie Wirtschaftsboom und Maschinen die Börse belasten

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Börse in Frankfurt: Der Dax hat seit seinem Hoch 10 Prozent verloren. Wirtschaftsboom und automatisierte, risikobasierte Handelsmodelle befeuern den Abverkauf
DPA
Börse in Frankfurt: Der Dax hat seit seinem Hoch 10 Prozent verloren. Wirtschaftsboom und automatisierte, risikobasierte Handelsmodelle befeuern den Abverkauf

Jahrelang trieben gute Nachrichten aus der Wirtschaft die Aktienkurse nach oben - jetzt schlagen sie Anleger in die Flucht. Auch der automatisierte Handel, der im Aufschwung für Käufe sorgte, bewirkt jetzt das Gegenteil.

Wer hätte gedacht, dass "Heute Journal"-Moderator Claus Kleber auch ein Börsenkenner ist? Am Dienstag dieser Woche kam der Mann vom ZDF bei einer Diskussionsrunde im SPIEGEL-Gebäude in Hamburg auf die jüngsten Turbulenzen am Aktienmarkt zu sprechen. Die Kursstürze, so Kleber, seien durch eine einzige Zahl ausgelöst worden, und dass sei der überraschend starke Anstieg der Einkommen von Arbeitern in Amerika.

Wirtschaftsboom und steigende Löhne als Auslöser für einen Kursrutsch an der Börse - an dieser These ist etwas dran: Anfang Februar hatte das US-Arbeitsministerium mitgeteilt, dass die Löhne und Gehälter in den Vereinigten Staaten im Januar so stark gestiegen sind, wie seit 2009 nicht mehr.

Dow und Dax brechen weiter ein

Die Kurse an der Börse gingen daraufhin auf eine steile Talfahrt, Dow Jones , Nasdaq und der deutsche Leitindex Dax haben seit ihren Rekordniveaus bereits jeweils mehr als 10 Prozent verloren. Der Dow verzeichnete in dieser Woche den größten Wochenverlust seit zehn Jahren.

Das Schlaglicht macht deutlich, wie sich das Denken an der Börse um 180 Grad gedreht hat: Positive Nachrichten aus der Wirtschaft hatten zuvor über Monate und Jahre hinweg für stetig steigende Kurse gesorgt. Doch das ist nun anders: Jede Meldung über starkes Wachstum, steigende Beschäftigung oder gute Auftragszahlen löst bei Investoren inzwischen einen Fluchtreflex aus.

Gute Konjunkturnachrichten wirken als Dämpfer für die Börse

Der Grund: Mit dem Konjunkturboom steigt nach Ansicht der Börsianer die Wahrscheinlichkeit einer anziehenden Inflation, die wiederum die Notenbanken - allen voran die Fed in den USA - zu raschen und deutlichen Zinssteigerungen veranlassen könnte.

Eine Welt ohne billiges Geld - diese Vorstellung schlägt Börsianer in die Flucht. Der Aktienboom der vergangenen Jahre war vor allem auf viel Liquidität aufgebaut: In einer Nullzins-Welt kauften Anleger notgedrungen Aktien und Immobilien, statt ihr Erspartes bei den Banken versauern zu lassen. So trieben sie die Bewertungen an der Börse immer weiter in die Höhe.

Inflations- und Zinsangst: Hohe Bewertungen sorgen für hohe Fallhöhe

Nun bringen viele Anleger ihre in den vergangenen Jahren erzielten Gewinne in Sicherheit - weil sie fürchten, dass weiterhin gute Konjunkturnachrichten die Kurse eher belasten als stützen. Einen Mangel an guten Nachrichten gibt es dabei nicht. "Der Rückenwind von der Konjunktur ist weiterhin stark", sagt Sameer Samana, Marktstratege vom Wells Fargo Anlageinstitut. Die Euro-Zone wuchs 2017 mit 2,5 Prozent so stark wie seit dem Ausbruch der Finanzkrise vor zehn Jahren nicht mehr. Die US-Wirtschaft legte 2,3 Prozent zu. Fachleute rechnen damit, dass die globale Wirtschaft 2018 noch schneller wächst.

Was lange Zeit nur als drohendes Szenario über dem Markt schwebte, ist also Wirklichkeit geworden: Die Inflations- und Zinsangst hat die Oberhand gewonnen. Zu Beginn dieses Jahres gingen die meisten Börsianer noch davon aus, dass die Fed die Zinsen 2018 dreimal erhöhen würde. Nach den jüngsten Meldungen von der Lohn- und Preisfront werden nun bereits vier Zinsschritte erwartet. "Das größte Schreckgespenst der Anleger sind schnell steigende Zinsen", sagt Robert Phipps, Direktor beim Vermögensverwalter Per Stirling Capital.

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