22.08.2018 
Kursziel um 35 Prozent gesenkt - binnen 2 Wochen

Großbank JP Morgan ändert Tesla-Meinung radikal

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Tesla-Verkaufsraum in Berlin: Der Elektroauto-Bauer ist unter Druck geraten. Analysten beeilen sich, ihre Kursziele nachzujustieren
REUTERS
Tesla-Verkaufsraum in Berlin: Der Elektroauto-Bauer ist unter Druck geraten. Analysten beeilen sich, ihre Kursziele nachzujustieren

Eine Berg- und Talfahrt wie diese erlebt die Börse nicht alle Tage: Anfang August schoss die Aktie von Tesla in die Höhe, nachdem Unternehmenschef Elon Musk einmal mehr über den Kurznachrichtendienst Twitter auf Sendung gegangen war: Er plane, das Unternehmen von der Börse zu nehmen, und zwar zu einem Preis von 420 Dollar je Aktie, tweetete Musk am 7. August. Die Finanzierung für eine solche Transaktion sei gesichert.

Das Papier des Elektro-Autobauers stieg daraufhin auf beinahe 390 Dollar - und brach unmittelbar danach wieder heftig ein. Der Grund: Zweifel machten sich breit darüber, ob das von Musk angekündigte Delisting Teslas tatsächlich Realität werden kann. Insbesondere die Finanzierung, für die ein möglicher Einstieg des Staatsfonds von Saudi-Arabien bei Tesla ins Spiel gebracht worden war, erschien plötzlich mehr und mehr ungewiss.

Vom 8. August bis heute ist die Aktie Teslas um beinahe 20 Prozent gefallen. Beschleunigt wurde der Kursrutsch durch verschiedene Ereignisse, die in der Zwischenzeit öffentlich wurden: Erst wurde bekannt, dass die US-Börsenaufsicht Musks Ankündigung eines Börsenrückzugs genauer unter die Lupe nimmt. Dann gab der Konzernchef der "New York Times" ein Interview, in dem er unter anderem von seiner immensen Arbeitsbelastung berichtete und dabei auch enthüllte, dass er ohne das bei vielen US-Promis beliebte Schlafmittel Ambien oft kaum zur Ruhe kommen könne.

Zudem wachsen einem Bericht des "Wall Street Journals" aus dieser Woche zufolge bei Teslas Zulieferern die Sorgen, das Unternehmen könnte bald in ernsthafte Zahlungsschwierigkeiten geraten.

Gut möglich also, dass die Talfahrt der Tesla-Aktie auch nach den Verlusten der vergangenen Tage noch nicht beendet ist. Das glauben jedenfalls die Analysten der US-Bank JP Morgan, deren Einschätzung zum E-Autobauer in dieser Woche ebenfalls für Unruhe unter den Investoren sorgte.

JP Morgan hatte unmittelbar nach Musks Ankündigung, Tesla von der Börse zu nehmen, das Kursziel für die Aktie auf 308 Dollar gesetzt. Keine zwei Wochen später folgt nun die radikale Kehrtwende der angesehenen Großbank: Musks eigene Statements nähren inzwischen Zweifel daran, dass ein Delisting, finanziert vom Staatsfonds der Saudis, in naher Zukunft bevorstehe, so JP Morgan. Ohne diese Aussicht und basierend auf rein fundamentalen Daten sei die Aktie jedoch deutlich weniger wert.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Auf lediglich 195 Dollar beziffert die Bank das Kursziel der Tesla-Aktie mit dieser Begründung. Das bedeutet: Gegenüber dem aktuellen Stand kann das Papier nach Ansicht von JP Morgan noch um weitere mehr als 35 Prozent abrutschen.

Am Montag schickte JP Morgan die Tesla-Aktie mit ihrer Einschätzung bereits vorübergehend um mehr als 2 Prozent ins Minus.

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