21.11.2018 
Hedgefondsmanager erklärt Scheitern

Sorry, alles Geld ist weg

Von
James Cordier
youtube/MDCCXXXVIII
James Cordier

Glänzende Uhr und Manschettenknöpfe, blaue Krawatte, schwarzer Anzug, brauner Ledersessel - die Insignien des Erfolgs sind noch alle da. Der Erfolg selbst aber nicht mehr.

Der Hedgefondsmanager James Cordier aus Florida hat sich verspekuliert. So weit nicht ungewöhnlich, doch Cordier hat sein Scheitern nicht nur eingestanden, sondern dieses Geständnis auch noch als zehnminütiges Youtube-Video in die Welt gesendet (die ursprüngliche Version wurde gelöscht, eine Kopie ist jedoch noch zu sehen):

Nach vorn gebeugt, die Hände zeitweise auf dem Tisch gefaltet, den Blick starr in die Kamera gerichtet und die Stimme immer wieder brechend, entschuldigt sich Cordier wortreich bei den Kunden seiner Fondsgesellschaft optionsellers.com. Der dunkle Hintergrund des Videos verstärkt noch den ernsten Eindruck.

Dass Cordier seine Kunden - laut "Bloomberg" vor allem Superreiche, die mindestens 150 Millionen Dollar an Cordiers Firma verloren - als "Familie" sieht, zeigt er mit mehreren persönlichen Ansprachen. Ein "Doctor Steve" aus Los Angeles könne sich wenigstens über die Gesundung seiner kranken Ehefrau freuen. Mit einem "Troy" aus Florida werde er leider nicht dessen Bootshobby teilen können, und auch nicht die Kunden aus Marseille an der Riviera besuchen. Einem "Rex" schulde er nun ein kubanisches Sandwich.

"Es tut mir so Leid, dass ich es nicht geschafft habe, unser Schiff zu steuern und es über Wasser zu halten." Die Turbulenzen am Rohstoffmarkt in der vergangenen Woche hätten ihn "wohl meinen Hedgefonds gekostet".

Cordier selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen, aber "Bloomberg" erfuhr aus verschiedenen Quellen, dass die Konten von Optionsellers.com alle aufgelöst würden, und die Kunden über den Totalverlust ihrer Anlagen hinaus auch noch Schulden beim Broker des Fonds für Stabilisierungsversuche mit geliehenem Geld verkraften müssen.

Optionsellers.com hatte sich auf Optionsgeschäfte am Markt für Energierohstoffe spezialisiert. Die vergangene Woche begann mit einem historischen Einbruch des Ölpreises. Tags darauf sprangen die Preise für Terminkontrakte auf Erdgas in den USA, die sich normalerweise in einem engeren Band bewegen, um mehr als 20 Prozent hoch - die größte Bewegung in acht Jahren.

Immerhin hatte James Cordier, Co-Autor eines Fachbuchs über den Handel mit Optionsscheinen, öffentlich vor den Gefahren seiner Art der Geldanlage gewarnt. Noch im Mai schrieb er im "Futures Magazine", die kurzfristigen Entwicklungen am Gasmarkt seien kaum vorherzusagen und reine Trades auf Erdgas-Futures daher hoch riskant.

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