01.02.2018  Sonderermittler Mueller will Trump befragen

Was Aktionäre aus der Lewinsky-Affäre lernen können

Ein Gastbeitrag von Georg Thilenius
Bill Clinton, Monika Lewinsky: "Inappropriate relationship"
REUTERS
Bill Clinton, Monika Lewinsky: "Inappropriate relationship"

In diesen Tagen ist es ziemlich genau 20 Jahre her, dass ein großer Skandal losbrach, der den amerikanischen Präsidenten Clinton beinahe aus dem Sattel gehoben hätte. Was die Lewinsky-Affäre heute für uns bedeutet.

Bill Clinton war damals 49 Jahre alt und Monica Lewinsky eine 22jährige Praktikantin im Weißen Haus. Was Bill mit Monica, oder Monica mit Bill miteinander angestellt haben oder nicht, war Gegenstand ausführlicher Untersuchungen, die zur Verwandlung von sehr vielen Hektar Wald in Pressemitteilungen, Zeitungen und Untersuchungsberichte geführt haben. Die Aufregung der Öffentlichkeit weltweit war groß. Wie immer in solchen Fällen, kamen auch jede Menge Verschwörungstheorien zum Vorschein, die Monica entweder als Abgesandte des FSB, Nachfolger des KGB oder des Mossad zur Destabilisierung der Clinton-Regierung oder der ganzen USA sahen.

Zur Person

Als die Sache ruchbar wurde, fiel der Dow Jones innerhalb von 2 Tagen von 7965 Punkten auf 7600 Punkte. Ein solcher Verlust von 4,5 Prozent binnen dieser Zeit ist sehr selten. Bill stritt alles ab, seine Frau Hillary sprach von einer rechten Konspiration, die ihrem Mann schaden wolle. Monica wurde versetzt und es begann Gras über die Geschichte zu wachsen. Der Dow Jones kletterte bis in den Sommer hinein auf 9300 Punkte.

Am 17. August 1998 war Bill dann durch den Druck der Untersuchungen gezwungen, im Fernsehen zuzugeben, dass er eine "inappropriate relationship" mit Monica hatte. Vom Höhepunkt bei 9300 Punkten fiel der Dow Jones in dieser Zeit wieder zurück auf 7600 Punkte, den Tiefpunkt vom Januar.

Dies dürfte allerdings nicht allein mit Bills Eingeständnis zu tun gehabt haben, sondern auch mit dem Fall des Ölpreises auf 10 Dollar pro Barrel, was wiederum die Staatspleite Russlands nach sich zog, sie sogenannte Russlandkrise.

Bis Anfang Oktober oszillierte der Dow Jones Index zwischen 7600 und 8100 Punkten hin und her. Von Oktober bis Jahresende erholte er sich dann wieder auf 9200 Punkte, einen Gewinn von 15 Prozent für das Gesamtjahr 1998. Also hatte sich die Lage beruhigt, Bill konnte im Amt bleiben und die Märkte erholten sich.

Droht Trump ein Amtsverlust, droht dem Dow Jones eine scharfe Korrektur

In diesen Tagen wird ebenso wie vor 20 Jahren kräftig am Stuhl eines Präsidenten gesägt, diesmal am Stuhl von Präsident Trump. Mancher möchte gern wissen was passiert, falls Trump gezwungen würde, sein Amt aufzugeben. Einmal geht es um unzulässige und möglicherweise illegale Kontakte nach Russland, die sogenannte Russland-Connection. Sonderermittler Robert Mueller will schon bald Trump persönlich in der Sache befragen. Im Gespräch ist, dass Trump sowohl direkt von Mueller interviewt wird als auch schriftliche Fragen beantworten soll. Das könnte für Trump gefährlich werden.

Zudem wird Trump auch psychische Instabilität unterstellt. Er selbst bezeichnet sich selbstverständlich als "stabiles Genie". Berichte über eine außereheliche Beziehung haben sogar schon Zeitungen in Deutschland erreicht.

Wie die Sache ausgeht, ist unmöglich zu sagen. Falls Trump gezwungen werden sollte, sein Amt aufzugeben, stünde mit Vizepräsident Mike Pence ein Nachfolger bereit, der die von Trump angefangenen Wirtschaftsreformen wahrscheinlich weiterführen würde.

Natürlich wiederholt sich die Geschichte nicht; falls aber ein Amtsverlust von Trump in Sicht käme, wäre ähnlich wie damals mit einer anfänglichen Korrektur der amerikanischen Aktienmärkte um 5 Prozent zu rechnen. Sollte Trump tatsächlich seines Amtes enthoben werden, ist aus unserer Sicht analog zu 1998 auch eine größere Korrektur denkbar

Sobald sich jedoch die Wolken verziehen und eine Nachfolgelösung in Sicht kommt, dürften sich die Märkte wieder normalisieren und dabei steht einer weiteren Kurssteigerung der Gesamtmärkte im Jahr 2018 von ungefähr 10 - 15 Prozent, proportional zum Wachstum im Gewinn pro Aktie, der amerikanischen Unternehmen nach unserer Meinung nichts entgegen.

Der Autor ist geschäftsführender Gesellschafter der bankunabhängigen Vermögensverwaltung Dr. Thilenius GmbH in Stuttgart. Das Unternehmen unterliegt der BaFin.

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