16.04.2018 
Börsenprofi Carsten Mumm erklärt

Darum ist der Euro weiter auf dem Vormarsch

Von Carsten Mumm
Dollar-Bündel auf Euro-Scheinen
REUTERS
Dollar-Bündel auf Euro-Scheinen

Anfang 2017 musste an den internationalen Finanzmärkten nur noch 1,05 US-Dollar für einen Euro gezahlt werden. Viele Experten hielten das baldige Erreichen der Parität, also eines Wechselkurses von 1,00 EUR/USD, für sehr wahrscheinlich. Begründet wurde die Erwartung einer anhaltenden Euroschwäche vor allem mit den absehbaren politischen Turbulenzen im Zuge des Brexit-Vollzugs und der damals anstehenden Parlaments- bzw. Präsidentschaftswahlen in den Niederlanden und Frankreich. Ein erneutes Aufflammen der Euro-Krise wurde befürchtet.

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    Carsten Mumm, Chefvolkswirt und Leiter der Kapital-marktanalyse bei der Privatbank Donner & Reuschel.

Tatsächlich handelte es sich damals jedoch um die vorläufig tiefste Notierung der Gemeinschaftswährung im Vergleich zum Greenback. Allein in 2017 konnte der Euro 14,15 Prozent gegenüber dem US-Dollar zulegen. Der Anstieg fiel so rasant aus, dass die Sorge vor negativen Auswirkungen auf den Export zu einer leichten Eintrübung am europäischen Aktienmarkt führte. Auch im bisherigen Verlauf des Jahres 2018 setzte sich der Anstieg des Euro fort, der im ersten Quartal sogar die Marke von 1,25 EUR/USD erreichte - erneut entgegen der Erwartung vieler Experten.

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Aus Sicht der Analysten sprachen vor allem das vergleichsweise hohe Wirtschaftswachstum in den USA und die aktuelle Zinsdifferenz gegenüber der Eurozone für die US-Währung. Die Rendite einer einjährigen US-Staatsanleihe liegt derzeit bei 2,05 Prozent p.a. Eine einjährige Bundesanleihe rentiert demgegenüber deutlich negativ mit -0,63 Prozent p.a. Gerade für institutionelle Investoren besteht damit ein Anreiz den deutschen - und teilweise auch europäischen - Negativzinsen durch den Transfer von Kapital über den Atlantik zu entgehen. Das würde die Nachfrage nach US-Dollar ankurbeln und die Währung so aufwerten lassen.

Bei Anlagen in Fremdwährungen ist es jedoch für risikosensitive Anleger üblich, das Risiko eines Wertverlustes durch Wechselkursschwankungen abzusichern. Das ist aus Sicht eines europäischen Anlegers derzeit jedoch nicht rentabel. Die Absicherungskosten betragen ca. 3 Prozent p.a., wodurch der Zinsvorteil mehr als kompensiert wird.

Das Argument der soliden US-Wirtschaftsdynamik war zwar in den vergangenen Jahren gerechtfertigt, im Vergleich zur europäischen Konjunktur zuletzt allerdings nicht mehr. Sowohl die Eurozone als auch die USA erreichten in 2017 eine Wachstumsrate von 2,3 Prozent. Dabei konnten vor allem die Sorgenkinder der vergangenen Jahre wie Portugal oder Griechenland mit 2,5 Prozent und 1,8 Prozent positiv zum Wachstum beigetragen. Auch Spanien hat die Rezession mit einem Zuwachs des BIP von 3,1 Prozent längst überwunden. Das Schlusslicht innerhalb der Eurozonen-Kernländer ist die italienische Ökonomie mit einem Zuwachs von lediglich 1,5 Prozent. Angesichts der schleppenden Strukturreformen und der andauernden politischen Unruhe ist jedoch auch diese Entwicklung positiv zu werten.

Die konjunkturelle Dynamik sorgte zuletzt auch für ein deutliches Absinken der Arbeitslosenrate in der Eurozone auf aktuell nur noch 8,5 Prozent. Der Wert liegt zwar im Vergleich mit Deutschland noch relativ hoch, entscheidend für die positiven konjunkturellen Effekte einer sinkenden Arbeitslosigkeit ist jedoch die Veränderungsrate. Damit ist der Aspekt der konjunkturellen Entwicklung von einem Argument pro US-Dollar zu einem Plus für die Eurozone umgesprungen.

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