16.04.2018 
Börsenprofi Carsten Mumm erklärt

Darum ist der Euro weiter auf dem Vormarsch

Von Carsten Mumm
Dollar-Bündel auf Euro-Scheinen
REUTERS
Dollar-Bündel auf Euro-Scheinen

2. Teil: Trumps Säbelrasseln schadet der US-Währung

Auch der Europäischen Zentralbank bleibt diese Entwicklung nicht verborgen. Sollte die positive realwirtschaftliche Entwicklung anhalten und dadurch sogar die Inflation in den kommenden Monaten sukzessive anziehen, gehen der Notenbank die Argumente für eine anhaltend ultra-expansive Geldpolitik aus. Das laufende Wertpapierkaufprogramm dürfte vor diesem Hintergrund wie angekündigt im September 2018 auslaufen. Im ersten Halbjahr 2019 steht dann die erste Leitzinsanhebung auf der Agenda. Der negative Einlagenzins der Banken bei der EZB könnte schon vorher angehoben werden. Damit ist die Perspektive der Zinsdifferenz im Vergleich zum US-Dollar-Raum zumindest bei kurzen Laufzeiten klar: sie wird eher abnehmen als noch weiter steigen.

Politisch haben die letzten 12 Monate in der Eurozone mehr Stabilität gebracht. Anders in den USA: Präsident Donald Trump sorgt durch seine unberechenbaren Twitter-Äußerungen fast täglich für Instabilität. Interne Diskussionen, Russlandaffäre, Handelskrieg und zuletzt die Drohung in Richtung Russland im Zuge des Syrien-Konflikts sorgen für andauernde Unruhe im Weißen Haus und wirken sich auch auf internationale Partner und nicht zuletzt auf die eigene Volkswirtschaft negativ aus. Unternehmen brauchen Planungssicherheit, die derzeit nur teilweise gegeben ist. Vor allem das protektionistische Säbelrasseln sorgte jüngst für Verunsicherung. Eine Abschottung vom internationalen Handel würde langfristig auch der US-Ökonomie massiv Schaden zufügen und die US-Währung schwächen.

Zudem steigt durch die Steuerreform die US-Staatsverschuldung noch einmal deutlich an. Diese hat schon zwischen 2007 und 2017 von 9,365 Billionen auf 20,938 Billionen US-Dollar zugenommen. Gemessen an der Wirtschaftsleistung ist die Verschuldung der USA in dieser Zeit von 64,69 Prozent auf 108,14 Prozent gestiegen. Im Vergleich dazu liegt die Staatsverschuldung der gesamten Eurozone im 3. Quartal 2017 bei gerade einmal 88 Prozent. Solange es wirtschaftlich läuft, sind diese Werte nicht problematisch. Im Falle eines schwächeren Wachstums steigt die Staatsverschuldung jedoch weiter. Ein Teil der aktuellen Schwäche des US-Dollar ist sicher auch diesem Aspekt geschuldet.

Aus charttechnischer Sicht bewegt sich der Euro derzeit in einer Spanne zwischen 1,20 und 1,25 EUR/USD. In diesem Korridor konsolidiert die Währung nach dem schnellen Anstieg der letzten 15 Monate. Einige technische Indikatoren lassen vorerst eine Fortsetzung der seitwärts gerichteten Tendenz erwarten. In diesem Zuge können kurzfristig auch einmal Kurse von unter 1,20 EUR/USD erreicht werden. Aufgrund des starken Widerstands bei 1,25 EUR/USD sind höhere Notierungen indes vorerst unwahrscheinlich. Mit Blick auf die kommenden zwei bis drei Jahre ist die Richtung jedoch klar: der Euro wird weiter an Wert gewinnen - vielleicht mehr als sich Experten heute vorstellen können.

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