28.07.2017 
Digitale Herrscher

Diese digitalen Champions liebt die Börse

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Apple-Chef Cook, Google-Chef Pichai, Amazon-Chef Bezos: Drei der fünf bekanntesten - und wertvollsten - Unternehmen der Welt
REUTERS, AP, REUTERS
Apple-Chef Cook, Google-Chef Pichai, Amazon-Chef Bezos: Drei der fünf bekanntesten - und wertvollsten - Unternehmen der Welt

Diese Aktien sind das Gegenteil von Geheimtipps. Amazon, Apple, Google, Facebook und Microsoft kennt jedes Kind. Warum die bekanntesten und vermeintlich langweiligsten Aktien oft die erfolgreichsten sind.

Würde man einem Zehnjährigen eine Liste mit 50 börsennotierten Konzernen vorlegen und ihn fragen, welche Konzerne er aus dieser Liste kennt - Amazon, Apple, Google, Facebook und Microsoft wären mit Sicherheit dabei. Würde man einen Vermögensverwalter oder den Manager eines Pensionsfonds fragen, welche Titel er in seinem Depot hat und welchen Konzernen er damit das Geld seiner Kunden anvertraut - Amazon , Apple , Google , Facebook oder Microsoft wären mit hoher Wahrscheinlichkeit dabei.

Erfolg an der Börse hat offenbar nichts mit Geheimtipps zu tun. Wer diesen nachjagt, macht nur seine Bank reich - oder im schlimmsten Fall einen windigen Tippgeber, der per Mail für irgendeine "versteckte Börsenperle" wirbt, die angeblich kurz vor der Kursexplosion steht. Für Privatanleger, die sich vor solchen bösen Überraschungen schützen will, gilt stattdessen: Je breiter das Investment, zum Beispiel in einen weltweiten Indexfonds, desto besser. Je bekannter das Unternehmen und je größer seine Marktmacht, desto besser. Anders gesagt: Je langweiliger das Aktien-Investment, desto besser.

Je langweiliger, desto besser

Für Vertreter der Geheimtipp-Theorie ist es ein herber Schlag, dass ausgerechnet die bekanntesten Unternehmen der Welt auch die Konzerne mit dem höchsten Börsenwert sind. Aktien, von denen jeder schon mal gehört hat und über die jeden Tag in jeder Wirtschaftszeitung berichtet wird. Die fünf nach Börsenwert wertvollsten Konzerne der Welt sind die "Tech Five" aus den USA: Apple (knapp 800 Milliarden Dollar), der Google-Mutterkonzern Alphabet (rund 680 Milliarden Dollar), Microsoft (rund 570 Milliarden Dollar) sowie Amazon und Facebook (jeweils rund 500 Milliarden Dollar).

Seit Wochen laufen an der Wall Street Wetten darüber, welcher dieser Konzerne als erster die Billionen-Dollar-Marke knacken und in englischer Diktion damit zum "Trillion Dollar Baby" wird. Das mag noch eine Weile dauern, doch kaum jemand zweifelt daran, dass es einer dieser Konzerne sein wird - und niemand sonst.

Facebook und Amazon sind gemeinsam bereits eine Billion Euro wert

In dieser Woche haben Facebook und Amazon bereits kurzzeitig eine Bewertung von einer Billion Dollar erreicht - wenn auch zusammengenommen. Amazon-Gründer stieg für einige Stunden zum reichsten Mann der Welt auf, er schob sich vor Microsoft-Gründer Bill Gates. Einzelne Kursrückschläge wie am Freitag nach Bekanntgabe der Amazon-Quartalszahlen sind kein Thema, das Bezos interessiert: Ihm geht es um Marktbeherrschung, nicht um Quartalsbilanzen. Und welcher Amazon-Anleger, der binnen zwei Jahren 140 Prozent Kursgewinn mit Amazon eingefahren hat, sollte sich über einen Rücksetzer von 5 Prozent ernsthaft aufregen?

Die bekanntesten und langweiligsten Aktien der Welt seien längst viel zu teuer, warnen Skeptiker schon seit Jahren. Die Kurssteigerungen, welche die in der Tat hoch bewerteten "Tech Five" allein seit Beginn dieses Jahres präsentieren, sind dennoch enorm und lassen Dax-Anleger schwach werden: Microsoft und Alphabet haben seit Januar jeweils rund 20 Prozent zugelegt, Apple 30 Prozent, Amazon 36 Prozent und Facebook gar 48 Prozent. Teuer sind die Tech Five schon lange. Doch es geht offenbar immer noch teurer.

Warum die digitalen Kraken so attraktiv und unangreifbar erscheinen

Doch woran liegt es, dass bei den bekanntesten und teuersten Unternehmen der Welt Kriterien wie ein Kurs-Gewinn-Verhältnis anscheinend kaum eine Rolle spielen? Dass der Rekordlauf im Tech-Sektor kaum zu bremsen ist? Einige Gründe dafür sind im digitalen Geschäftsmodell dieser Konzerne zu finden.

- In der digitalen Welt zählt Größe. Die Tech Five haben sich zu Daten-Kraken entwickelt, die auf Grund ihrer enormen Größe uneinholbar und damit auch unangreifbar erscheinen. Wie hoch ein Quartalsgewinn für diese längst profitablen Unternehmen ausfällt, ist zweitrangig. Entscheidend ist ihr Marktanteil in aktuellen und künftigen Märkten.

- Digitale Herrscher sind gleichzeitig digitale Killer. Es gehört zu ihrem Erfolgsprinzip, Märkte und Branchen aufzumischen und die dort etablierte Konkurrenz mit Hilfe ihrer Marktmacht und ihres Datenschatzes an die Wand zu drücken. Amazon hat den stationären Einzelhandel an die Wand gedrückt und ist nun dabei, durch die Übernahme von Whole Foods auch den Lebensmittelhandel aufzumischen. Im Cloud-Geschäft spielt Amazon mit der Tochter AWS ohnehin vorne mit.

- Keine Branche ist vor dem Angriff der "Tech Five" sicher. Die globale Autoindustrie blickt nervös auf Apple und Google, weil sie wissen, dass es bei der Mobilität der Zukunft um Vernetzung und um Datensätze, um autonomes Fahren und nicht um PS-Stärke geht. Die Medienindustrie muss zugleich seit Jahren zusehen, wie Facebook immer mehr Werbe-Anteile auf sich zieht - und dabei nicht einmal eigene Inhalte anbieten muss.

- Herdentrieb der Investoren: Die erdrückende Marktmacht und die Größe der digitalen Herrscher zieht auch solche Investoren an, die sonst eigentlich nicht jeden Preis für eine Aktie zahlen. Selbst Value-Investor Warren Buffett hat sich als Apple-Fan geoutet und seinen Anteil am teuersten Unternehmen der Welt deutlich vergrößert: Buffett schätzt vor allem den "breiten Burggraben" des iPhone-Herstellers: Also die Fähigkeit des Unternehmens, ein eigenes, teures Apple-Ökosystem herzustellen, Kunden trotz hoher Preise langfristig an sich zu binden und sich damit vor Konkurrenten und Preiskämpfen zu schützen. Die Folge: Fast jeder Anleger hat die Tech Five im Depot, sei es als Fonds, Tech-ETF oder Einzeltitel.

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