06.09.2018 
Neusortierung beschlossen

Fintech verdrängt Dax-Gründungsmitglied

Zahlungsabwickler Wirecard: Mehr als doppelt so viel wert wie die Commerzbank
Wirecard
Zahlungsabwickler Wirecard: Mehr als doppelt so viel wert wie die Commerzbank

Es ist besiegelt: Die Commerzbank steigt aus der ersten Börsenliga ab. Das Dax-Gründungsmitglied muss den deutschen Leitindex am 24. September verlassen und wird dann durch den Zahlungsabwickler Wirecard ersetzt, wie die Deutsche Börse am Mittwoch mitteilte.

Die Entscheidung hatte sich schon seit Wochen abgezeichnet: An der Börse ist Wirecard mit über 24 Milliarden Euro mehr als doppelt so viel wert wie die Commerzbank , die künftig im Nebenwerte-Index MDax gelistet wird. Auch die Deutsche Bank hat das vor 19 Jahren gegründete Unternehmen Wirecard bereits überholt.

Aufsteiger gibt nach, Absteiger legt zu

Anleger reagierten mit Gewinnmitnahmen: Die Aktie von Wirecard setzte am Donnerstag mit einem Minus von 2 Prozent ihren Kursrutsch fort. In den vergangenen drei Handelstagen hat die Aktie knapp 8 Prozent an Wert verloren. Dax-Absteiger Commerzbank hat im gleichen Zeitraum dagegen zugelegt.

Die bislang im Technologie-Index TecDax notierte Wirecard aus Aschheim bei München profitiert davon, dass immer mehr Menschen online einkaufen oder an der Supermarktkasse mit ihrem Smartphone bezahlen. Das Geschäft brummt, die Aktie eilt von einem Rekordhoch zum nächsten. Allein seit Jahresbeginn hat sich der Aktienkurs mehr als verdoppelt.

Der Commerzbank werfen Experten dagegen vor, sie habe den Digitalisierungs-Trend verschlafen, die Erträge sind wegen des harten Konkurrenzkampfs und der niedrigen Zinsen unter Druck, tausende Jobs werden gestrichen. Seit Jahresbeginn hat die Aktie ein Drittel verloren, an der Börse ist die Commerzbank nur noch gut zehn Milliarden Euro wert.

Commerzbank-Chef zeigt sich betont gelassen

Durch den Abstieg aus dem Leitindex verliert die Commerzbank insbesondere bei internationalen Investoren an Aufmerksamkeit. Investmentfonds, die den Dax abbilden, müssen die Commerzbank-Aktien verkaufen und gleichzeitig Wirecard-Papiere erwerben.

Commerzbank-Chef Martin Zielke zeigte sich dennoch betont gelassen. "Natürlich ist es nicht schön, dass wir als Gründungsmitglied den Leitindex verlassen müssen. Für unsere Kunden und unser Geschäft aber ändert sich nichts", erklärte Zielke. "Es ist momentan einfach so, dass der Markt Fintechs höher bewertet als traditionelle Banken." Diese Entwicklung sporne die Commerzbank an, den Wandel zum digitalen Technologieunternehmen voranzutreiben.

Im Dax sind künftig aus der Finanzbranche die Deutsche Bank als klassisches Geldhaus, die Allianz als Versicherungskonzern, die Deutsche Börse als Börsen-Betreiber, die Münchener Rück als Rückversicherer und Wirecard als Zahlungsdienstleister dabei.

Ceconomy steigt in SDax ab

Parallel zur Entscheidung über die künftige Aufstellung des Dax veröffentlichte die Deutsche Börse die endgültige Zusammensetzung der neu geordneten Indizes unterhalb des Dax. Durch die größte Reform der deutschen Aktienmarkt-Landschaft seit Jahren wird der Nebenwerte-Index MDax um zehn auf 60 und der Kleinwerte-Index SDax um 20 auf 70 Mitglieder erweitert. Der Technologie-Index TecDax wird zu einem Zweitnotierungsindex für die Technologiewerte aus Dax, MDax und SDax heruntergestuft.

Aus dem MDax steigen die Elektronikhandelskette Ceconomy , der Autozulieferer Leoni , der Gabelstaplerbauer Jungheinrich , das Werbe- und Medienunternehmen Ströer sowie der Versicherer Talanx ab. Sie gehören künftig dem SDax an.


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Auch diese Veränderungen werden zum 24. September wirksam. Zu diesem Termin muss außerdem die Deutsche Bank aus dem EuroStoxx 50 50, dem Index für die wichtigsten Börsenwerte der Euro-Zone, absteigen.

mg/rtr

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