14.03.2018  DWS-Chef kann mehr verdienen als John Cryan

Gehaltsdeckel bei Deutscher Bank? Nicht für diesen Vorstand

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Über Gehälter und Vergütungen bei der Deutschen Bank gab es in letzter Zeit einiges zu berichten. Erst vor wenigen Tagen gab Deutsche-Bank-Chef John Cryan zu verstehen, dass der Vorstand der Bank für 2017 auf seine Bonuszahlungen verzichten werde. Hintergrund sind erneut horrende Verluste, die das Geldhaus 2017 eingefahren hat, sowie anstehende Stellenstreichungen im Zuge der Integration der Postbank.

Ein Vorstandsmitglied allerdings muss sich über die Höhe seiner Einkünfte offenbar keine Sorgen machen. Es ist Nicolas Moreau, der im Führungsgremium der Deutschen Bank für die Vermögensverwaltungstochter DWS zuständig ist. Als Chef der DWS, so berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", kann Moreau künftig mehr Geld verdienen als John Cryan, der Chef seiner Muttergesellschaft Deutsche Bank.

Während die Bank vor einigen Jahren einen Gehaltsdeckel bei 9,5 Millionen Euro gezogen hat, stehen dem Geschäftsführer ihrer Vermögensverwaltung, die am 23. März an die Börse gehen will, im besten Fall inklusive Bonuszahlungen und Aktienzuweisungen 10,5 Millionen Euro im Jahr zu, so die "FAZ".

Das macht auch jüngste Interviewäußerungen Moreaus besser nachvollziehbar: Gegenüber der gleichen Zeitung hatte der Banker kürzlich gesagt, es sei ein Vorteil des anstehenden Börsengangs, dass für die Vermögensverwaltung danach nicht mehr die strengen Gehaltsregeln für Banken gelten.

Was das für Moreau konkret heißt, rechnet ebenfalls die "FAZ" vor: Schon sein Grundgehalt liege mit 2,66 Millionen Euro 10 Prozent über den 2,4 Millionen Euro, welche die Deutsche Bank ihren Vorständen für 2016 überwiesen habe. Während für die Bankangestellten aber gelte, dass die variable Vergütung, also der Bonus, höchstens das Doppelte der Fixvergütung betragen darf, so werde für Moreau eine maximale variable Vergütung von 7,8 Millionen Euro ausgewiesen. Folge: Im Maximalfall stünde Moreau eine Gesamtvergütung von bis zu 10,5 Millionen Euro zu.

Die Vorstände der Deutschen Bank dagegen müssen angesichts des jüngsten Bonusverzichts deutlich kürzer treten. Sie bekommen für 2017 lediglich ihr Grundgehalt. Das lag für den Vorstandsvorsitzenden Cryan für das Jahr 2016 bei knapp vier Millionen Euro. Die Zahlen für 2017 will die Bank Ende dieser Woche veröffentlichen.

Mit seinen möglicherweise mehr als zehn Millionen Euro spielt DWS-Chef Moreau auch außerhalb des Deutsche-Bank-Konzerns in der absoluten Spitzenliga. Von den knapp 20 Dax-Konzernen, die bislang ihre Geschäftsberichte nebst Infos zur Vorstandsvergütung für 2017 publiziert haben, zahlen lediglich fünf ihren Unternehmenschefs mehr als zehn Millionen Euro im Jahr. Spitzenverdiener ist wie im vergangenen Jahr SAP-Chef Bill McDermott mit einem Jahressalär von insgesamt mehr als 21 Millionen Euro, wie aus einer Übersicht der Unternehmensberatung HKP hervorgeht. Volkswagen-Chef Matthias Müller beispielsweise, der in dieser Woche in Berlin vor die Presse trat, erhält ebenfalls gut zehn Millionen Euro für das vergangene Jahr.

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