26.05.2017  Abkühlung befürchtet

Wer im Dax Jobs schafft - und wer Jobs streicht

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Produktion bei VW in Dresden: Volkswagen hat seine Mitarbeiterzahl um 3 Prozent auf 609.000 Beschäftigte gesteigert - doch viele Dax-Unternehmen bauen bereits wieder Stellen ab
DPA
Produktion bei VW in Dresden: Volkswagen hat seine Mitarbeiterzahl um 3 Prozent auf 609.000 Beschäftigte gesteigert - doch viele Dax-Unternehmen bauen bereits wieder Stellen ab

Die 30 Dax-Konzerne haben im ersten Quartal mehr als 100.000 neue Jobs geschaffen. Doch die Jobmaschine läuft nicht mehr rund: Jeder dritte Konzern bereitet sich mit Jobabbau auf raue Zeiten vor.

Deutschlands 30 wichtigste Unternehmen könnten derzeit eigentlich recht entspannt sein - wäre da nicht dieser permanent pöbelnde Präsident. Gerade haben die im Dax 30 notierten Konzerne zum Abschluss des ersten Quartals einen Umsatz- und Gewinnrekord gemeldet, da begibt sich Donald Trump auf Auslandstour und fährt praktisch vor ihrer Haustür mit seinen Attacken fort. Deutschland sei "böse, sehr böse", polterte Trump in Brüssel mit Blick auf den deutschen Exportüberschuss. Der globale Klimaschutz sei ein "Wachstumshemmnis", und die europäischen Nato-Partner schuldeten der USA "enorm viel Geld".

Aktien von BMW , Daimler und Volkswagen gerieten daraufhin in dieser Woche wieder unter Druck - groß ist die Angst vor US-Strafzöllen oder einer "Border Adjustment Tax", die sämtliche deutschen Exporteure treffen würde. Immerhin erzielen die 30 Dax-Konzerne 25 Prozent ihres Umsatzes in Nordamerika (USA und Kanada), deutlich mehr als in der Region Asien-Pazifik (17 Prozent).

Zugleich hat das von Trump veranstaltete Politchaos in Washington den Dollar auf Talfahrt und den Euro mit 1,125 US-Dollar auf das höchste Niveau seit mehr als 6 Monaten geschickt. Auch das ist eine Bremse für den Dax, während die US-Börsen von der jüngsten Dollar-Abwertung profitieren und ihre Rekordjagd fortsetzten. Die US-Notenbank ließ in ihrem jüngsten Sitzungsprotokoll durchblicken, dass sie sich mit ihrer nächsten Zinserhöhung vielleicht doch noch Zeit lassen könnte. Dieses Zögern schwächt den Dollar und ist ganz im Sinne Trumps, der sich über angebliches Währungsdumping der Europäer beschwert hatte.

Würde Trump Veranstaltungen wie den G7-Gipfel in Sizilien oder das G20-Treffen in Hamburg nur noch virtuell besuchen und sich per Videokonferenz zuschalten lassen, die Europäer würden Millionen Euro Steuergeld sparen und ihre Nerven schonen. Sie könnten Trump auch einfach leiser oder ausstellen, wenn er mal wieder zu laut wird. Doch abseits solcher Gedankenspiele bleibt Europas Konzernchefs und Politikern die Hoffnung, dass Trumps Theaterdonner bald verklingen wird und man sich wieder dem normalen Geschäft zuwenden kann.

Gewinne und Umsätze der Dax 30 auf Rekordniveau

Und die jüngsten Geschäftszahlen sehen nicht schlecht aus für Europa, dessen Wirtschaft derzeit dynamischer wächst als die US-Wirtschaft, wenn auch von geringerem Niveau aus. Die Zahlen der Dax-Konzerne zum Jahresauftakt (Januar bis Ende März) sprechen eine deutliche Sprache: Der Umsatz der 30 Dax-Konzerne ist um 9 Prozent auf das Rekordniveau von 346 Milliarden Euro gestiegen. Der operative Gewinn erreichte mit einem Plus von 11 Prozent auf 37,4 Milliarden Euro ebenfalls Rekordniveau. Die höchsten Gewinne fuhren im ersten Quartal mit Volkswagen und Daimler ausgerechnet zwei Autohersteller ein, die nun wieder Trumps Rache fürchten müssen. "Die Dax-Konzerne sind überwiegend gut in From", sagt Mathieu Meyer, Partner bei der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young. "Für den weiteren Jahresverlauf haben die meisten Unternehmen positive Prognosen gegeben - 2017 verspricht ein gutes Jahr zu werden." Auch für Europa ist Meyer optimistisch: "Die europäische Wirtschaft kommt wieder in Schwung."

Anlass also, wieder verstärkt in deutsche und europäische Aktien einzusteigen? Vor einer solchen Entscheidung lohnt ein Blick auf die härteste Währung in Sachen Konjunkturoptimismus - den Aufbau von Jobs. Nur Unternehmen, die über viele Monate weiter steigende Aufträge und Umsätze erwarten, stellen neue Mitarbeiter ein. Wer dagegen mit einer Abkühlung noch in diesem Jahr rechnet, baut eher Stellen ab.

Jobwachstum vor allem durch Übernahmen

Die vier Dax-Unternehmen mit den meisten Mitarbeitern - Volkswagen, Deutsche Post, Siemens und Daimler - haben das Tempo ihres Jobaufbaus inzwischen wieder gedrosselt. Bei VW wuchs die Mitarbeiterzahl noch um 3 Prozent auf 609.000 Beschäftigte. Siemens brachte es im ersten Quartal ebenfalls auf ein Plus von 3 Prozent auf 358.000 Mitarbeiter, verkündete im Mai aber bereits einen Stellenabbau in der konzerneigenen IT. Die Beschäftigtenzahl der Post wuchs um 2 Prozent auf 460.000 Postler, während die Beschäftigtenzahl bei Daimler bereits minimal (0,1 Prozent) auf rund 286.000 Mitarbeiter zurückging.

Einen Beschäftigtenzuwachs von 10 Prozent oder mehr meldeten zum Jahresbeginn die Dax-Konzerne SAP (10 Prozent), der Gesundheitskonzern Fresenius (inklusiv der Dialysetochter Fresenius Medical Care, 18 Prozent), der Medienkonzern ProSiebenSat.1 (15 Prozent), der Wohnungkonzern Vonovia (21 Prozent) und der Baustoffkonzern HeidelbergCement (32 Prozent). Bei HeidelbergCement, Fresenius und Vonovia sind Übernahmen von Konkurrenten für das deutliche Plus verantwortlich.

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