07.12.2018 
Börse

Dax stürzt erneut ab - "Verkaufswelle jederzeit möglich"

Kurssturz im Dax:: Der Leitindex ist schwer angeschlagen
REUTERS
Kurssturz im Dax:: Der Leitindex ist schwer angeschlagen

Neuer Kursrutsch: Der Dax bricht seinen Erholungsversuch ab und fällt erneut unter die Marke von 10.800 Punkten. Die US-Börsen gaben am Nachmittag ihre frühen Gewinne wieder ab.

Erholungsversuch abgebrochen: . Der Dax hatte am Freitag Mittag zeitweise 1,1 Prozent höher bei 10.924 Punkten notiert, brach im späten Handel aber seinen Stabilisierungsversuch ab und fiel bis zum Handelsschluss auf Xetra wieder unter die Marke von 10.800 Zählern zurück. Damit notiert er auf dem tiefsten Niveau seit zwei Jahren. Gegenwind kommt erneut von der Wall Street. Da in den USA der Dow Jones und der Nasdaq Stock Market nach anfänglichen Gewinnen wieder klar in die Verlustzone drehten, baute auch der Dax zuletzt seine Verluste aus.

Für den Dax bedeutet dies ein Wochenminus von knapp 4 Prozent. Nach Entspannungssignalen im US-Handelsstreit mit China war der Dax am Montag zwar bis auf 11 566 Punkte angesprungen. Anschließend rutschte der Leitindex jedoch unerwartet um 7 Prozent ab.

"Unter 11.150 Punkten jederzeit eine weitere massive Verkaufswelle möglich"

Entsprechend verhalten gaben sich Marktexperten. So fürchtet Milan Cutkovic, Marktanalyst bei AxiTrader, "dass es sich dabei nur um eine kurzzeitige Erholung und eine Gegenreaktion auf die starken Verluste von gestern handelt". Der Dax-Rückgang unter die börsenpsychologisch als wichtig eingeschätzte Marke von 11 000 Punkten habe "deutlichen Schaden angerichtet". Die Nervosität auf dem Börsenparkett bleibe hoch, glaubt Cutkovic. Auch die Chartanalysten der UBS raten zur Vorsicht: "Unterhalb von 11 150 Punkten sollte man sich jederzeit auf eine weitere massive Verkaufswelle einstellen", hieß es in einem Kommentar am Morgen.

Wall Street erneut im Rückwärtsgang

An der Wall Street hat sich die Stimmung zum Wochenschluss weiter eingetrübt. Die wichtigsten Börsenindizes lagen am Freitag nach einem verhaltenen Start zuletzt deutlich im Minus. Der Dow Jones weitete seine Verluste der vergangenen Handelstage aus und stand zuletzt 1,5 Prozent tiefer. Für den marktbreiten S&P 500 ging es um 1,3 nach unten. Der Technologieindex Nasdaq Stock Market fiel um 2,3 Prozent auf 6744 Punkte.

Unter den Einzelwerten stemmten sich die Aktien von Broadcom gegen den negativen Trend und stiegen um 1,6 Prozent. Der Chiphersteller hatte am Vorabend seine Bilanz für das vierte Geschäftsquartal 2017/18 vorgestellt und - anders als andere Apple-Zulieferer zuvor - positiv überrascht. Auch der Ausblick auf 2019 sei solide, hieß es am Markt.

Tesla trotzt Ausverkauf im Sektor - Aktie nahe Rekordhoch

Um gut 2 Prozent nach oben ging es für die Aktien des Marlboro-Herstellers Altria , während die Papiere des kanadischen Unternehmens Cronos in den USA um rund 24 Prozent hochsprangen. Altria steigt in großem Stil bei dem Cannabis-Produzenten ein.

Die Anteilsscheine von Tesla schließlich stiegen um knapp 3 Prozent. Das Analysehaus Jefferies hatte die Papier zum Kauf empfohlen. Der Elektroautobauer habe sich seit dem dritten Quartal gut entwickelt und sein Potenzial hinsichtlich der Gewinne und der Finanzierung unter Beweis gestellt, begründete Analyst Philippe Houchois seinen Schritt. Die Aktie von Tesla notiert trotz allgemeiner Marktschwäche knapp unter Rekordhoch.


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Dax: Fresenius bricht nach Gewinnwarnung ein

Unter den Einzelwerten im Dax standen die Fresenius Aktien mit einem Kurseinbruch von rund 16 Prozent im Anlegerfokus. Damit waren sie so günstig wie seit Oktober 2014 nicht mehr. In den vergangenen zwei Monaten haben die Titel nun schon rund 40 Prozent an Wert eingebüßt. Die Papiere der Tochter FMCgerieten am Freitag in Mitleidenschaft und verloren mehr als 7 Prozent an Wert.

Fresenius hatte wegen einer zuletzt schwächeren Geschäftsentwicklung und hohen Investitionen im kommenden Jahr seine Ziele für 2020 gekappt. Bereits Mitte Oktober hatte sich der Medizinkonzern nach Enttäuschungen bei einigen Töchtern weniger optimistisch für das laufende Jahr gezeigt. Entsprechend enttäuscht reagierten Experten am Morgen: Die Bad Homburger hätten sich mit der zweiten Gewinnwarnung innerhalb weniger Monate selbst entzaubert, sagte ein Händler.

Morphosys gefragt

Aktien von Morphosys verteuerten sich um 3,6 Prozent, nachdem das Biotech-Unternehmen positive Therapieergebnisse für den Schuppenflechte-Wirkstoff Guselkumab in Aussicht gestellt hatte. Analyst James Gordon von der Investmentbank JPMorgan hält das vom Markt geschätzte Umsatzpotenzial für Guselkumab von 2,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 für viel zu konservativ und rechnet mit 4,4 Milliarden Dollar.

Am Rentenmarkt verharrte die Umlaufrendite bei 0,11 Prozent. Der Rentenindex Rex sank um 0,03 Prozent auf 141,80 Punkte. Der Bund-Future verlor 0,09 Prozent auf 163,11 Punkte. Der Euro notierte zuletzt bei 1,1398 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Vortag auf 1,1351 Dollar festgesetzt

Weniger Jobs in USA - lässt sich die Fed mit Zinserhöhungen mehr Zeit?

In der US-Wirtschaft sind im November weit weniger Jobs entstanden als erwartet. Die Regierung in Washington meldete am Freitag 155.000 neue Stellen. Beobachter hatten mit 200.000 gerechnet. Zugleich wurde der Wert für Oktober um 13.000 auf 237.000 nach unten korrigiert. Die getrennt ermittelte Erwerbslosenquote verharrte bei 3,7 Prozent und somit auf dem niedrigsten Niveau seit annähernd 50 Jahren. Laut Fed-Chef Jerome Powell läuft die Wirtschaft "insgesamt sehr gut". Unter seiner Führung wurde der Leitzins bereits drei Mal in diesem Jahr erhöht. Die Fed dürfte nach Ansicht vieler Fachleute am 19. Dezember abermals nachlegen. Der Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld liegt derzeit in einer Spanne von 2,0 bis 2,25 Prozent.

mit Nachrichtenagenturen

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