08.10.2018 
"Zinsangst hält Märkte in Atem"

Dax schließt unter 12.000 Punkten, Wirecard bricht ein

Nervöses Auf und Ab: Seit Anfang September pendelt der Leitindex Dax in einem engen Korridor zwischen 11.900 und etwa 12.460 Zählern.
AFP
Nervöses Auf und Ab: Seit Anfang September pendelt der Leitindex Dax in einem engen Korridor zwischen 11.900 und etwa 12.460 Zählern.

Steigende Zinsen am US-Anleihemarkt und die Ungewissheit um den Staatshaushalt Italiens haben am Montag den deutschen Aktienmarkt belastet. Deutsche Technologiewerte fielen bei Investoren in Ungnade - besonders hart erwischte es Wirecard.

Gestiegene Zinsen am US-Anleihemarkt sowie Sorgen um Italien haben den deutschen Aktienmarkt am Montag unter Druck gebracht. Der Dax sackte unter die Marke von 12.000 Zählern. Belastend wirkten auch enttäuschende Zahlen aus der deutschen Industrie im Monat August. Zum dritten Mal in Folge war die Produktion rückläufig gewesen.

Mit einem deutlichen Abschlag von 1,36 Prozent auf 11 947,16 Punkte ging der deutsche Leitindex aus dem Handel. Damit schloss er knapp über seinem kurz zuvor erreichten Tagestief auf dem niedrigsten Stand seit Mitte September. Der MDax büßte 1,64 Prozent auf 24 862,36 Punkte ein, europaweit war das Bild ähnlich.

Am US-Anleihemarkt war am Freitag die Rendite zehnjähriger Staatspapiere auf den höchsten Stand seit sieben Jahren geklettert. Steigende Anleiherenditen machen festverzinsliche Wertpapiere tendenziell attraktiver im Vergleich zu den risikoreicheren Aktien. Zudem drohen Unternehmen höhere Kreditkosten.

Italiens Innenminister Matteo Salvini verschärfte mit heftigen Worten gegen EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Haushaltskommissar Pierre Moscovici den Haushaltskonflikt mit der EU weiter. Seine Aussage, die beiden seien "wahre Feinde" Europas, brachte den Euro unter Druck. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1478 (Freitag: 1,1506) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8712 (0,8691) Euro.

Unternehmensseitig gab es ebenfalls kräftige Bewegungen. Weit abgeschlagen fanden sich am Dax-Ende die Aktien von Wirecard Sie brachen um 12 Prozent ein. Ein Händler sprach allerdings von allgemeinem Druck auf Technologiewerte, die in den vergangenen Monaten stark gelaufen seien.


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Die RWE-Papiere weiteten mit minus 3 Prozent ihre herben Verluste vom Freitag aus. Der gerichtlich angeordnete Rodungsstopp im Hambacher Forst lastete erneut auf dem Aktienkurs, etliche Analysten senkten die Kursziele.

Die vom italienischen Staatshaushalt ausgehenden Risiken drückten auf die Kurse von Finanzaktien. Deutsche Bank verloren 1,6 Prozent und Commerzbank 4,6 Prozent.

Immobilienwerte hielten sich dagegen gut und schlossen überwiegend mit Kursgewinnen. Sie profitierten als defensive Aktien von schwachen Gesamtmarkt und einer positiven Branchenstudie der US-Investmentbank Goldman Sachs.

In Europa ging es für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 um 1,07 Prozent auf 3309,72 Punkte abwärts. Ähnlich schwach zeigten sich die Leitbörsen in Paris und London. In den USA sank der Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsschluss um 0,6 Prozent. Die technologielastige Nasdaq-Börse zeigte sich mit 1,2 Prozent im Minus.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von 0,38 Prozent am Freitag auf 0,36 Prozent. Der Rentenindex Rex legte um 0,09 Prozent auf 140,07 Punkte zu. Der Bund-Future stieg um 0,37 Prozent auf 158,15 Punkte.

wed/Reuters/dpa-afx

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