04.07.2018 
Börse

Showdown im Handelsstreit - China lässt US-Tech-Anleger zittern

Auf und Ab: Die Nervosität an den Börsen ist deutlich gestiegen
REUTERS
Auf und Ab: Die Nervosität an den Börsen ist deutlich gestiegen

Die Angst vor einem Handelskrieg belastet den Dax. An der Wall Street wird heute nicht gehandelt. Derweil sorgt China für Nervosität unter US-Tech-Investoren. Aktien der Versorger RWE und Eon setzen ihre Kursrally fort.

Angesichts des eskalierendne chinesisch-amerikanische Handelsstreits hat sich die Stimmung an den europäischen Aktienmärkten zur Wochenmitte eingetrübt. Der Dax lag am Nachmittag mit 12.290 Zählern leicht im Minus. Auch der EuroStoxx gab zuletzt nach.

Von der Wall Street kamen keine Impulse, die US-Börsen bleiben wegen des Unabhängigkeitstages geschlossen. Bei der verkürzten Sitzung am Dienstag hatte die Sorge vor einem Handelskrieg vor allem Technologiewerte unter Druck gesetzt.

"Das könnte sich heute als die Ruhe vor dem Sturm erweisen, wenn es am Freitag zum Showdown zwischen den USA und China im Zollstreit kommt", sagte ein Händler. Viele Anleger hielten sich zurück und versuchten möglichst wenig zu handeln. "In so einer Lage mag sich niemand langfristig positionieren." Entsprechend mau waren die Umsätze im Dax.

Zölle greifen ab Freitag - China setzt Nadelstich gegen US-Chipkonzern Micron

Am Freitag sollen die von US-Präsident Donald Trump angedrohten US-Zölle auf chinesische Waren im Wert von 34 Milliarden Dollar in Kraft treten. China will vom selben Tag an ebenfalls Zölle auf US-Güter im selben Volumen erheben, sagte ein Insider der Nachrichtenagentur Reuters.

Während die Börsen in Shanghai und Shenzhen erneut nachgaben, stabilisierte sich der Yuan etwas. Insider in Peking sehen derweil keine Parallelen zwischen der aktuellen Abwertung der Landeswährung und dem Börsenkrach von 2015, als die Zentralbank mit Milliarden von Dollar dem Yuan unter die Arme greifen musste.

Importverbot für Micron in China - Techwerte sind keineswegs immun

Ein Importverbot für den US-Chiphersteller Micron in China lastete auch in Europa auf dem Technologiesektor. Aktien von Infineon, ASML und STMicroelectronics gaben bis zu drei Prozent nach. Ein chinesisches Gericht untersagte Micron den Verkauf von 26 Chip-Produkten in China, wie das konkurrierende taiwanische Unternehmen United Microelectronics (UMC) und dessen chinesischer Partner mitteilten. Micron-Aktien hatten am Dienstag in einem schwachen Umfeld mehr als fünf Prozent verloren. Der US-Konzern erwirtschaftet rund die Hälfte seiner Umsätze in der Volksrepublik.

"Jene Anleger, die sich von einem Investment in US-Technologiewerte Immunität gegenüber dem Handelskonflikt versprochen hatten, erleben jetzt ein böses Erwachen", sagte Analyst Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets.

Versorger im Dax gefragt: RWE und Eon legen zu

Erneut fester notierten hingegen Versorger. Im Dax zählten RWE und E.ON mit einem Plus von bis zu drei Prozent zu den größten Gewinnern.

Aktien von ThyssenKrupp gewannen bis zu 2,8 Prozent auf 21,43 Euro. Die UBS empfahl die Titel zum Kauf und hoben das Kursziel von 24 auf 30 Euro an. Zudem bekräftigte Konzernchef Heinrich Hiesinger, nach der Abspaltung des Stahlgeschäfts den Mischkonzern weiter umzubauen.

Vermarkter CTS Eventim sehr schwach

Die im MDax gelisteten CTS Eventim verloren über acht Prozent. Analysten hatten sich kritisch zu dem Ticket-Vermarkter geäußert.

Autobauer verkaufen mehr in USA

Aktien von Thyssenkrupp gewannen dagegen 2,5 Prozent. Konzernchef Heinrich Hiesinger bekräftigte, nach der Abspaltung des Stahlgeschäfts den Mischkonzern weiter umzubauen. Zudem empfahl die UBS die Titel Händlern zufolge zum Kauf. Die Analysten stuften die Titel auf "Buy" von "Neutral" und hoben das Kursziel auf 30 von zuvor 24 Euro an.

Die Aktien der deutschen Autobauer zeigten sich am Mittwoch vorbörslich zunächst kaum bewegt von mäßigen US-Absatzzahlen für den Juni.

Aktie von Deutz bricht ein

Für starke Kursschwankungen sorgte ein Rückzug von Deutz aus seinem chinesischen Joint-Venture. Der Motorenbauer steigt aus dem Gemeinschaftsunternehmen "Deutz Dalian" vollständig aus und veräußert seine 50-prozentige Beteiligung an den Partner FAW. Die Aktien legten zunächst um rund 2,5 Prozent zu, brachen dann aber um mehr als 6 Prozent ein.

Ölpreise ziehen wieder an, Euro über 1,16 Dollar

Die Ölpreise haben sich am Mittwoch von ihrem Preisrutsch am Dienstagnachmittag erholt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im August kostete am Morgen 78,11 US-Dollar. Das waren 35 Cent mehr als am Dienstag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 40 Cent auf 74,54 Dollar.

Am Dienstag hatten die Ölpreise zunächst zugelegt, waren aber im Nachmittagshandel stark unter Druck geraten. Vor dem Preisrutsch war amerikanisches Rohöl erstmals seit Ende 2014 über die Marke von 75 Dollar gestiegen. Dann folgte jedoch ein rascher Einbruch um bis zu zweieinhalb Dollar. Später stabilisierten sich die Preise wieder.

Der Euro in Dollar hat sich am Mittwoch deutlich über der Marke von 1,16 US-Dollar gehalten. Die über Nacht erzielten Gewinne konnte die Gemeinschaftswährung aber nicht vollständig halten. Am Mittwochmorgen kostete ein Euro 1,1664 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstagnachmittag auf 1,1665 Dollar festgesetzt.

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