14.06.2018  Kursrally an der Börse

Draghi drückt Euro - und schiebt Dax über 13.000 Punkte

EZB-Chef Mario Draghi: Zinserhöhung noch kein Thema
DPA
EZB-Chef Mario Draghi: Zinserhöhung noch kein Thema

Kursrally: Der Dax steigt wieder über 13.000 Punkte. Nach der Zinserhöhung der US-Notenbank verkündet EZB Chef Mario Draghi, dass die Zinsen in der Eurozone mindestens bis Sommer 2019 bei null Prozent bleiben. Der Euro knickt daraufhin ein.

Kursrally an den europäischen Börsen. Die Aussicht auf weiterhin niedrige Leitzinsen hat Anleger am Donnerstag in Aktien getrieben und den Dax erstmals seit Ende Mai wieder über die psychologisch wichtige Marke von 13.000 Punkten springen lassen. Der Leitindex der Frankfurter Börse kletterte während einer Pressekonferenz mit dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, um ein Prozent auf 13.016 Zähler.

Die EZB will an den rekordniedrigen Zinsen bis über den Sommer 2019 hinaus nicht rütteln, wie sie am Donnerstag ankündigte. Aktien sind für Anleger generell interessant, wenn die Zinsen auf festverzinsliche Wertpapiere und Geldanlagen niedrig sind.

Rückenwind für die Aktienmärkte kam zusätzlich vom Euro, der sich in der Folge der EZB-Verkündung deutlich um ein Prozent auf 1,1684 Dollar verbilligte. Ein schwächerer Euro macht Waren aus der Euro-Zone im Welthandel günstiger und Anleger setzen darauf, dass die Wettbewerbschancen der hiesigen Firmen dadurch steigen. Zudem werden deutsche Aktien durch einen schwachen Euro für internationale Investoren, zum Beispiel aus den USA, günstiger.

Zinsen bleiben unten, doch Anleihekäufe laufen zum Jahresende aus

Mit der geplanten Reduzierung der monatlichen Anleihekäufe ab Oktober auf 15 Milliarden Euro und dem Ende der Käufe ab Januar steigt die Europäische Zentralbank dennoch schrittweise aus ihrer extrem lockeren Geldpolitik aus. Dabei wollen die Währungshüter aber auch weiterhin auf die Inflationsperspektiven achten. Am Markt war zuvor auch über ein abruptes Ende des Kaufprogramms spekuliert worden.

Zugleich versprach die EZB, ihre Leitzinsen auf dem aktuellen Niveau bis mindestens Sommer 2019 zu belassen. Die EZB lässt den Billiggeldhahn also noch eine ganze Weile aufgedreht.

US-Notenbank beschleunigt Zinswende

Die US-Notenbank Federal Reserve hatte den Leitzins am Mittwoch erwartungsgemäß angehoben. Für den weiteren Jahresverlauf stellt sie nun aber zwei statt nur noch einen Zinsschritt in Aussicht.

Im Dax gehörten Adidas , Linde und Volkswagen Vz. mit Kursgewinnen von jeweils 2 Prozent zu den größten Gewinnern. Am Dax-Ende verbuchten Commerzbank und die Lufthansa dagegen Verluste von jeweils rund 1 Prozent.


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Volkswagen im Plus - VW kommt mit Milliarden-Bußgeld glimpflich davon

Unter den Einzelwerten rücken die Vorzugsaktien von Volkswagen in den Blick, denn die Staatsanwaltschaft Braunschweig brummte dem Autobauer in der Dieselaffäre ein Bußgeld über insgesamt eine Milliarde Euro auf. In den USA hatte VW wegen der Dieselaffäre schon bereits Milliardensummen an Strafen zahlen müssen.

"Mit einer Milliarde Euro ist der Autobauer noch recht glimpflich davon gekommen", sagte ein Händler. "Da hatte man mit mehr gerechnet." Laut der Staatsanwaltschaft Braunschweig handelt es sich bei der Strafe in der Diesel-Affäre um eine der höchsten Geldbußen, die jemals in Deutschland einem Unternehmen auferlegt worden ist.

Von der Entscheidung unberührt bleiben der Staatsanwaltschaft zufolge sowohl die bei den Gerichten anhängigen zivilrechtlichen Verfahren, etwa die Klagen der Autokäufer, als auch die in Braunschweig weiter geführten strafrechtlichen Ermittlungsverfahren gegen derzeit insgesamt 49 Personen.

Ansonsten standen vor allem kleinere Werte im Blick. Die Aktien von Gerry Weber brachen um 7,2 Prozent ein und sackten zeitweise auf den tiefsten Stand seit September 2005. Der im März aus dem SDax geflogene Modekonzern hat seine Jahresziele gekappt.

Die Papiere des IT-Vermieters Grenke büßten nach einer Kapitalerhöhung im Volumen von rund 200 Millionen Euro im SDax 5,5 Prozent ein. Die Titel von Bertrandt , eines Entwicklungsdienstleisters für die Autoindustrie, verloren nach vorgelegten Quartalszahlen 2 Prozent an Wert.

Euro knickt nach EZB-Entscheidung ein - Zinsen bleiben unten

Der Euro hat am Donnerstag nach der Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) deutlich nachgegeben. Die Aussicht auf vorerst anhaltend niedrige Zinsen in der Euro-Zone hat den Euro am Donnerstag abstürzen lassen. Die Gemeinschaftswährung fiel in der Spitze um fast einen US-Cent auf 1,1720 Dollar.

Die Währungshüter gehen davon aus, dass die Leitzinsen noch bis über den Sommer 2019 hinaus auf dem aktuellen Niveau bleiben werden. Der Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld liegt bereits seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. "Die EZB hat es mit der Zinswende offenbar nicht eilig", sagte Ulrich Wortberg von der Helaba.

mit dpa und reuters

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