16.05.2018  Börse

Dax steigt, Euro fällt, Deutsche Bank stürzt ab

Der Euro ist zum Dollar auf ein Fünfmonatstief gefallen
REUTERS
Der Euro ist zum Dollar auf ein Fünfmonatstief gefallen

Der Dax pendelt um die Marke von 13.000 Punkten. Der Euro fällt zum Dollar auf ein Fünfmonatstief und stützt damit den deutschen Leitindex. Adidas und Bayer sind gefragt, Commerzbank und Deutsche Bank brechen dagegen ein.

Aufwärts an der Börse: Der Dax ist am Mittwoch zeitweise wieder über die Marke von 13.000 Punkten gestiegen. Die erneute kräftige Abwertung des Euro hat den deutschen Aktienmarkt gestützt. Wegen der drohenden Absage des Gipfels zwischen den USA und Nordkorea scheuten Anleger allerdings größere Käufe.

Der Dax baute bis zum Nachmittag seine Gewinne zeitweise auf 0,4 Prozent aus, schloss auf Xetra dann aber nur noch 0,2 Prozent im Plus bei 12.996 Punkten. Zu den größten Gewinnern zählten die Aktien von Adidas, Siemens und Bayer mit Gewinnen zwischen 1,5 und 3 Prozent.

Der Euro in Dollar fiel unterdessen auf ein Fünf-Monats-Tief von 1,1794 Dollar und damit auf den tiefsten Stand in diesem Jahr. Ein schwacher Euro verbessert die Wettbewerbfähigkeit heimischer Firmen auf dem Weltmarkt, was in der Regel die Kurse stützt. Zudem werden europäische Aktien durch die Euro-Abwertung für US-Investoren günstiger.

Debatte über Schulden: Rendite von Italiens Anleihen steigen stark

Kopfschütteln löste bei Börsianern ein Medienbericht aus, demzufolge die populistische 5-Sterne-Bewegung und die rechtsextreme Lega, die über die Bildung einer neuen italienischen Regierung verhandeln, die Europäische Zentralbank (EZB) um den Erlass von Schulden in Höhe von 250 Milliarden Euro bitten wollen. Das ist mehr als die Hälfte der von der EZB im Rahmen ihres Ankaufsprogramms erworbenen italienischen Titel. "Das ist lächerlich", sagte Anlagestratege Lyn Graham-Taylor von der Rabobank. "Damit kommen sie nicht durch." Der wirtschaftspolitische Sprecher der Lega betonte, das Thema Schuldenerlass sei nicht in einem offiziellen Entwurf für das Regierungsprogramm enthalten. Einige Anleger gingen dennoch auf Nummer sicher und trennten sich von italienischen Staatsanleihen. Dies trieb die Rendite der zehnjährigen Titel zeitweise auf ein Zwei-Monats-Hoch von 2,015 Prozent.

Deutsche Bank Aktie fällt unter 11 Euro Marke

Die Verkaufswelle am Bondmarkt riss auch die italienischen Banken mit, die zahlreiche Staatspapiere halten. Der dortige Branchenindex gab deutlich nach, ebenso sein Pendant für die Euro-Zone. Die Aktien der Deutschen Bank und der Commerzbank rutschten inmitten der Branchenschwäche ebenfalls ab. Die Aktie der Deutschen Bank fiel am Mittwoch zeitweise erneut unter die Marke von 11 Euro und damit auf den tiefsten Stand seit 18 Monaten. Im Herbst 2016, als Investoren den Kollaps des Instituts fürchteten, war die Aktie zeitweise bis auf 9,90 Euro gefallen.

Treffen mit Trump: Nordkorea droht mit Absage

Wegen eines gemeinsamen Manövers der USA mit Südkorea sagte Nordkorea ein geplantes Treffen mit Vertretern der Regierung in Seoul ab. Außerdem stellte das Land das für den 12. Juni geplante Treffen zwischen dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump infrage.

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Wall Street: Dow Jones und Nasdaq leicht im Plus

An der Wall Street haben die Anleger am Mittwoch Aktien nur mit Vorsicht angefasst. Der Dow Jones notierte im Anfangsgeschäft bei 24.708 Punkten leicht im Plus. Auch der S&P500 und der Nasdaq-Composite kamen kaum vom Fleck.

Alle Augen richteten sich auf den Anleihenmarkt, sagten Börsianer. Dort verharrte die Verzinsung der zehnjährigen US-Staatsanleihen über drei Prozent, nachdem sie am Dienstag bis auf 3,09 Prozent - so hoch wie seit Juli 2011 nicht mehr - geklettert war. Auch die Unsicherheit über die Politik Nordkoreas drückte auf die Stimmung.

Die Geldpolitik habe die Aktienmärkte wieder voll im Griff, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets. Nur sei es nicht wie in den vergangenen Jahren die Hoffnung auf noch mehr billiges Geld oder weitere Zinssenkungen. "Die große Frage, die zurzeit auf dem Parkett diskutiert wird, ist jene danach, was noch ein gesunder Zinsanstieg ist und ab wann sich steigende Zinsen negativ auf das Wirtschaftswachstum auswirken."

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Euro fällt unter 1,18 US-Dollar

Der Euro hat am Mittwoch an die deutlichen Vortagesverluste angeknüpft. Zuletzt erreichte der Kurs der Gemeinschaftswährung bei 1,1796 US-Dollar einen neuen tiefsten Stand in diesem Jahr. Allerdings hielten sich die weiteren Verluste seit dem Vorabend in Grenzen.

Am Vortag hatte eine Dollar-Stärke den Euro in Dollar stark unter Druck gesetzt. Die US-Währung konnte zu allen wichtigen Devisen der Welt zulegen, nachdem es zu einem starken Anziehen der Marktzinsen bei amerikanischen Staatsanleihen gekommen war. Wesentliche Gründe für den Zinsanstieg in den USA sind der starke Wirtschaftsaufschwung und steigende Inflationserwartungen im Zuge des jüngsten Ölpreisanstiegs. Beides lässt weitere Zinsanhebungen durch die US-Notenbank Fed erwarten.

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