16.04.2018 
Börse

Dax fällt, Dow steigt, Tesla taucht ab

Die USA und ihre Verbündeten bezeichnen den Militärschlag gegen Syrien als einmalige Aktion. Der Dax rutscht dennoch ins Minus - trotz der leichten Kursgewinne in den USA. Gegen den Trend gibt die Aktie von Tesla deutlich nach.

Der Dax hat sich am Montag nach seiner jüngsten Erholung eher kraftlos gezeigt. Zwar beruhigte das Ausbleiben einer weiteren Eskalation des Syrien-Konflikts die Anleger, für größere Gewinne fehlten allerdings die Impulse. So schwelen geopolitische Risiken weiter im Hintergrund. Nach anfangs etwas deutlicheren Gewinnen notierte der Dax gegen Mittag knapp im Minus bei 12.400 Punkten. Zu den größten Verlierern im Dax gehörten die Aktien von Volkswagen und Deutsche Telekom , die jeweils 1,1 Prozent nachgaben.

An den Finanzmärkten war mit einem militärischen Angriff gegen Syrien als Antwort auf einen vermeintlichen Giftgaseinsatz in dem Land gerechnet worden. Zudem hatte US-Präsident Donald Trump kurz nach den Militärschlägen mitgeteilt, dass die "Mission vollendet" sei. Dennoch bleibt das Risiko, dass sich der Konflikt zwischen den USA und Russland um das Bürgerkriegsland Syrien weiter hochschaukelt. So kündigten die USA neue Sanktionen gegen Russland an.

Gewinne an der Wall Street, Verluste bei Tesla

An der Wall Street starteten die Indizes am Montag mit leichten Gewinnen in die neue Woche. Der Dow Jones legte zuletzt 0,5 Prozent zu, der S&P500 kletterte um 0,4 Prozent. Auch an der Technologiebörse Nasdaq ging es leicht aufwärts - trotz der erneuten Kursverluste bei Nasdaq-Schwergewicht Tesla .

Die Aktien des amerikanischen Elektroauto-Herstellers Tesla haben am Montag im frühen US-Handel um mehr als 3 Prozent nachgegeben. Tesla-Chef Elon Musk hatte am Wochenende eingeräumt, dass die Produktionsprobleme beim neuen Elektroauto Model 3 von einer übertriebenen Automatisierung verschärft worden waren. In einem Interview des TV-Senders CBS hatte Musk bestätigt, dass Roboter die Fertigung in einigen Fällen verlangsamt hätten.

Die US-Bank JPMorgan blieb derweil bei ihrem Anlageurteil "Underweight" für die Tesla-Papiere. Gerade die deutschen Autobauer hätten zuletzt eine zunehmend aggressive Haltung eingenommen mit Blick auf ihre Pläne für den Einsatz von Elektrobatterien, hieß es in einer Analyse. Der Wettbewerb für Tesla könnte sich daher deutlich verschärfen

In Tokio zog der Nikkei-Index am Montag um 0,2 Prozent auf 21.823 Zähler an. Der chinesische Shanghai Composite fiel um 1,4 Prozent auf 3116 Punkte.


Dax Realtime: Hier sehen Sie Dax, Dow Jones und Nasdaq in Echtzeit


Spitzenreiter im Dax waren die Aktien der Lufthansa mit einem Plus von 1,66 Prozent im Zuge sinkender Ölpreise.

Bei den Aktien von Volkswagen nahmen Anleger nach dem jüngsten Anstieg infolge des Wechsels an der Konzernspitze erst einmal Gewinne mit. Die Papiere büßten mehr als 1 Prozent ein.

Die Aktien des Spezialchemiekonzerns Covestro waren indes nur optisch schwach. Sie wurden am Montag um die Dividendenzahlung bereinigt gehandelt.

Im TecDax brachen die Aktien der Software AG nach überraschend schwachen Zahlen für das erste Quartal um rund 4 Prozent ein. Grund war unter anderem ein schwächelndes Geschäft mit Integrationssoftware (DBP). Dass der Konzern an seinen Jahreszielen festhielt und das Geschäft mit der Vernetzung von Maschinen (IoT - Internet of Things) und der Software zur Miete aus dem Internet (Cloud) nach einem rasanten Wachstum sogar schneller wachsen soll, half den Aktien nicht.

Die Papiere des Medizintechnikunternehmens Carl Zeiss Meditec fielen um mehr als 1 Prozent, nachdem die britische Bank HSBC ihre Kaufempfehlung gestrichen hatte.

Puma-Papiere büßten rund 2 Prozent ein. Hier raten die Analysten von Warburg Research nach den jüngsten Kursgewinnen nur noch zum Halten.

Für die Anteilsscheine der Start-up-Schmiede Rocket Internet ging es nach der Ankündigung eines Aktienrückkaufs um 1,77 Prozent nach oben.

Euro legt zu

Der Kurs des Euro hat am Montag zugelegt. Die Gemeinschaftswährung wurde zuletzt bei 1,2365 US-Dollar gehandelt und damit etwas höher als am Morgen. Zwischenzeitlich hatte sie bei 1,2374 Dollar ihr Tageshoch erreicht. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitagnachmittag auf 1,2317 Dollar festgesetzt.

Die Militärschläge der USA, Frankreichs und Großbritanniens vom Wochenende gegen Ziele in Syrien führten am Devisenmarkt nicht zu stärkeren Kursbewegungen. Berichten zufolge hat sich Syriens Schutzmacht Russland militärisch weitgehend zurückgehalten. Zu einer im Vorfeld befürchteten direkten militärischen Konfrontation zwischen den westlichen Mächten und Russland kam es nicht.

Erwartet wird jedoch eine weitere Verschlechterung des Verhältnisses zwischen den USA und Russland. Am Wochenende hatte UN-Botschafterin Nikki Haley neue Wirtschaftssanktionen angekündigt. Sie sollen am Montag bekanntgegeben werden und sich gegen russische Unternehmen richten, die Produkte herstellen, die in Verbindung mit dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad oder dem Einsatz von Chemiewaffen stehen. Der russische Rubel legte am Montag im Tagesverlauf zu und lag über dem Niveau vom Freitag vor dem Militärschlag.

Am Nachmittag dürften sich die Marktteilnehmer amerikanische Konjunkturdaten näher anschauen. Veröffentlicht werden unter anderem Umsatzzahlen aus dem Einzelhandel. Sie geben einen Hinweis auf den Zustand des für die US-Wirtschaft wichtigen privaten Verbrauchs. In den vergangenen Monaten hatte sich der Einzelhandel wenig dynamisch entwickelt.

Ölpreise sinken wieder

Die Ölpreise sind am Montag deutlich gefallen. Die Militärschläge der USA, Frankreichs und Großbritanniens gegen Ziele in Syrien vom Wochenende konnten nicht stützen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im Juni kostete gegen Mittag 71,77 US-Dollar. Das waren 81 Cent weniger als am Freitag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im Mai fiel um 70 Cent auf 66,69 Dollar.

Bereits kurze Zeit nach den Militärschlägen gegen Syrien hatte US-Präsident Donald Trump mitgeteilt, dass die "Mission vollendet" sei. Am Ölmarkt wird daher die Gefahr einer Eskalation der Lage im Nahen Osten als begrenzt eingeschätzt. Auch der britische Außenminister Boris Johnson hatte die Militärschläge als eine einmalige Aktion bezeichnet.

Nach Einschätzung von Rohstoffexperten der Commerzbank spielt auch die Reaktion Russlands eine wichtigen Rolle für den Handel am Ölmarkt. Sie erklärten den Rückgang der Ölpreise damit, dass die angekündigte harte Antwort Russlands auf den Militärschlag ausgeblieben sei. Allerdings seien die geopolitischen Spannungen nicht gänzlich vom Tisch, hieß es in einer Analyse. "Sie könnten in Kürze erneut eine Preisrallye entfachen", schrieben die Commerzbank-Experten.

Nach Einschätzung von Marktbeobachtern überwiegt derzeit wieder etwas die Sorge einer zu starken Ölförderung in den USA gegenüber der Furcht vor einer Eskalation im Nahen Osten.

mg/dpa-afx

Mehr zum Thema