27.02.2018 
Dax steigt, Euro fällt

Fed-Chef Powell will "behutsamen" Zinskurs beibehalten

Fed-Chef Jerome Powell: Weg der "behutsamen" Zinsschritte beibehalten
AP
Fed-Chef Jerome Powell: Weg der "behutsamen" Zinsschritte beibehalten

Der Dax dreht ins Minus. Das Diesel-Urteil des Oberverwaltungsgerichts belastet Autowerte. Auch in den USA starten Dow Jones und Nasdaq mit leichten Verlusten. Anleger warten auf die Anhörung des neuen Fed-Chefs Jerome Powell.

Der neue US-Notenbankchef Jerome Powell hat eine Fortführung der Politik behutsamer Zinsanhebungen in Aussicht gestellt. Die Federal Reserve werde weiterhin einen Mittelweg finden zwischen der Vermeidung einer überhitzten Wirtschaft und dem nachhaltigen Erreichen einer Inflationsrate von zwei Prozent, sagte Powell am Dienstag laut Redetext in einer Rede zu seiner Anhörung im Finanzdienstleistungs-Ausschuss des US-Repräsentantenhauses.

Derzeit rechnen die meisten Volkswirte damit, dass die Fed den Leitzins 2018 angesichts des anhaltenden Aufschwungs drei mal anhebt. Derzeit liegt er zwischen 1,25 und 1,50 Prozent.

Nach Veröffentlichung der Rede rutschte der Euro in Dollar auf ein Tagestief von 1,2281 Dollar. Der Dollar-Index legte im Gegenzug um 0,3 Prozent zu.

"Weitere graduelle Erhöhungen der Leitzinsen werden am besten das Erreichen unserer beiden Ziele befördern", sagte Powell, der seit Anfang Februar im Amt ist. Unter seiner Vorgängerin Janet Yellen hatte die Fed einen Kurs der vorsichtigen Normalisierung ihrer Geldpolitik eingeleitet. Seit Dezember 2015 hob sie in mehreren Schritten den Leitzins an. Ab Oktober 2017 verringert die US-Notenbank zudem ihre im Zuge der jahrelangen Krisenpolitik aufgeblähte Bilanz.

Dow und Dax nach Powell-Aussagen knapp im Plus

Der Dax drehte nach der Rede Powells wieder ins Plus und kletterte auf 12.525 Punkte. Zuvor war der deutsche Leitindex bis auf 12.450 Zähler zurückgefallen. Auch der europäische Leitindex EuroStoxx 50 setzte zur Erholung an.

An der Wall Street reagierten Anleger erleichtert auf die Aussagen Powells. Der Dow Jones drehte nach verhaltenem Start zuletzt um 0,2 Prozent ins Plus und notierte nur knapp unter der Marke von 25.800 Punkten. Der Nasdaq Composite notierte zuletzt 0,3 Prozent im Plus.

Die Technologiebörse Nasdaq Stock Market notiert nach ihrer jüngsten Erholung nur noch 1,2 Prozent unter ihrem im Januar erreichten Rekordniveau. Dem Dow Jones fehlen nur noch rund 3 Prozent bis zu seinem Rekordhoch. Damit haben die Indizes in den USA den Großteil ihrer Verluste in Höhe von 10 Prozent bereits wieder aufgeholt.

Der Dax, der Ende Januar noch ein Rekordhoch von 13.596 Zählern verbucht hatte, schwankt aktuell um die Marke von 12.500 Punkten und damit 1100 Zähler unter Rekordhoch, während die Erholung in den USA schon viel weiter fortgeschritten ist.

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Fresenius gefragt: Übernahme von Akorn wackelt

Auf der Unternehmensseite machte am Dienstag Fresenius von sich Reden. Das mögliche Aus für die 4,4 Milliarden schwere Übernahme des amerikanischen Generika-Herstellers Akorn beflügelte die Aktien des deutschen Gesundheitskonzerns. Die Titel schossen zeitweise um knapp vier Prozent auf 67,60 Euro und waren damit Spitzenreiter im Dax.

Akorn-Aktien rauschten im nachbörslichen US-Handel vom Montag gut 40 Prozent in die Tiefe. Fresenius hatte in der Nacht zum Dienstag mitgeteilt, unter Einbeziehung externer Sachverständiger zu prüfen, ob Akorn gegen Vorgaben der US-Gesundheitsbehörde verstoßen habe. Dabei gehe es um Angaben bei der Produktentwicklung.

Der Deal stehe nun auf wackeligeren Beinen als zuvor, sagte Analyst Tom Jones von der Berenberg Bank. "Einige Investoren wären sicher froh, wenn Fresenius davonlaufen würde. Aber das würde auch nicht ohne Kosten passieren und könnte einen langwierigen Rechtsstreit nach sich ziehen." Ein Händler fügte hinzu, Investoren dürften nicht traurig sein über eine mögliche Absage des Deals, da sich das Geschäft von Akorn im vergangenen Jahr verschlechtert habe.

Urteil des OVG: Diesel-Fahrverbote generell zulässig

Das Urteil des OVG belastete zudem die Autowerte. Das Bundesverwaltungsgericht hält Diesel-Fahrverbote in Städten nach geltendem Recht für grundsätzlich zulässig. Die beklagten Städte Düsseldorf und Stuttgart müssten aber ihre Luftreinhaltepläne auf Verhältnismäßigkeit prüfen, urteilte das Gericht in Leipzig am Dienstag.

Sky klettert auf 18-Jahres-Hoch

An der Londoner Börse bescherte die 31 Milliarden Dollar schwere Gegenofferte des US-Kabelnetzbetreibers Comcast für Sky den Aktien des britischen Pay-TV-Senders einen deutlichen Kurssprung. Sie stiegen um 20,7 Prozent auf 1334 Pence, den höchsten Stand seit fast 18 Jahren. Damit fordert Comcast den Medien-Mogul Rupert Murdoch heraus, dessen Konzern Fox die Komplett-Übernahme von Sky bereits beschlossen hatte.

Fresenius Medical Care und BASF nach Zahlen unter Druck

Auf den Verkaufszetteln hatten die Anleger die Aktien der Fresenius-Tochter FMC, die trotz eines optimistischen Ausblicks um gut vier Prozent abrutschten.

Auch BASF konnte mit seiner Bilanz nicht punkten - die Aktien verloren 1,2 Prozent. Händlern zufolge fiel die Dividende etwas enttäuschend aus. Die Aktionäre sollen für das vergangene Geschäftsjahr eine zehn Cent höhere Ausschüttung von 3,10 Euro je Aktie erhalten. Zudem hätten sich die Investoren eine besseren Ausblick für das Basischemiegeschäft erhofft, sagte ein Börsianer. Hier rechnet der Konzern nach dem Ergebnissprung im vorigen Jahr mit einem deutlichen Rückgang.

Die Wall Street hat am Montag an ihre kräftige Erholung von Ende letzter Woche angeknüpft. Der Dow Jones und der Technologieindex Nasdaq bauten im späten Handel ihre Gewinne deutlich aus.

Für Erleichterung hatte am Freitag der fortgesetzte Rückgang der Rendite zehnjähriger US-Anleihen gesorgt. Die Furcht vor einem überraschend schnellen Renditeanstieg hatte zu Monatsbeginn für einen Ausverkauf am Aktienmarkt gesorgt.

Eurokurs kaum verändert

Kursgewinne an der Wall Street haben auch die Anleger in Japan bei Laune gehalten. Sie deckten sich am Dienstag mit Aktien ein und bescherten dem 225 Werte umfassenden Nikkei ein Plus von 1,1 Prozent auf 22.389 Punkte. Der breiter gefasste Topix schloss 0,9 Prozent höher bei 1790 Zählern.

In China nahmen Anleger dagegen lieber Gewinne mit, der CSI300 und der Leitindex der Börse in Shanghai fielen je um gut ein Prozent. Auch die Anleger in Asien warteten mit Spannung auf den ersten öffentlichen Auftritt des neuen Chefs der US-Notenbank Fed, Jerome Powell. Er spricht im Tagesverlauf vor einem Kongressausschuss. Investoren erhoffen sich Börsianern zufolge Hinweise auf die künftige Geldpolitik der USA und dürften jedes seiner Worte auf die Goldwaage legen. Zahlreiche Anleger spekulieren darauf, dass die Fed die Zinsen in diesem Jahr schneller anhebt als erwartet.

Der Euro in Dollar hat am Dienstag nach den Äußerungen Powells deutlich nachgegeben. Die Gemeinschaftswährung rutschte klar unter die Marke von 1,23 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montag auf 1,2320 (Freitag: 1,2299) Dollar festgesetzt.

Mehrheitlich gehen Anleger davon aus, dass Powell die Linie seiner Vorgängerin Janet Yellen fortsetzen wird und die Zinsen schrittweise erhöht. Die nächste Leitzinsanhebung wird Mitte März erwartet.

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