14.02.2018  Kursgewinne an den Börsen

Dax und Dow mit Kursrally - "starkes Signal für Erholung"

Die US-Verbraucherpreise steigen im Januar um 2,1 Prozent und damit stärker als erwartet. Der Dax stürzt kurzzeitig um 200 Punkte, setzt dann aber zu einer Kursrally an: Die Gewinne an der Wall Street stützen. Zudem geht der Volatilitäts-Index VIX zurück. Ist das die Erholung an den Börsen?

Achterbahnfahrt an den deutschen Börsen: Stärker als erwartet gestiegene US-Verbraucherpreise haben den Dax am Mittwoch zeitweise erheblich unter Druck gesetzt und bis auf 12.087 Punkte gedrückt. Anschließend setzte der deutsche Leitindex Dax 30 jedoch zu einem Comeback an: Der Dax kletterte von seinem Tagestief um mehr als 250 Punkte und beendete den Xetra-Handel (17.30 Uhr) 1,2 Prozent im Plus bei 12.339 Zählern. Im späten Handel (bis 22 Uhr) baute der Dax seine Gewinne weiter aus und notierte zeitweise bei 12.420 Zählern.

Motor für die Erholung war einmal mehr die Wall Street: Auch in New York drehten die wichtigsten Indizes trotz der gestiegenen Inflation zuletzt ins Plus, sowohl Dow Jones als auch Nasdaq setzten damit ihre Erholung fort. Bis zum Handelsschluss in den USA stürmte der Nasdaq 100 um 1,9 Prozent auf 6677 Punkte vor, der Dow Jones kletterte um 1,1 Prozent auf 24.900 Punkte.

"Anleger schütteln die jüngsten Inflations- und Zinssorgen ab und wagen sich zurück in den Markt", sagte ein Händler in New York.

Obwohl wegen der steigenden Inflation nunmehr mit vier Zinserhöhungen in den USA in diesem Jahr gerechnet wird, steigen Anleger wieder ein, weil sie nach dem scharfen Rücksetzer der vergangenen Woche auf ein Ende der Korrektur und eine weitere Erholung an den Börsen hoffen. Selbst auf dem aktuell erholten Niveau notiert der Dow Jones immer noch knapp 2000 Punkte (8 Prozent) unter seinem Rekordniveau von Ende Januar. Im Dax sind es aktuell rund 9 Prozent.

Anlass für die Achterbahnfahrt: Im Januar waren die US-Verbraucherpreise zum Vorjahr um 2,1 (Prognose: 1,9) Prozent und damit stärker als erwartet gestiegen. In der Kernrate - ohne die stark schwankenden Preise für Energie und Nahrungsmittel - kletterten sie um 1,8 (Prognose: 1,7) Prozent.

"Starkes Signal für eine Bodenbildung - Erholung im Dax möglich"

"Viele sind einfach erleichtert darüber, dass es nicht noch schlimmer kam", sagte ein Händler mit Blick auf die nur kurze Kursschwäche. "Die Zahlen sind als schlecht für die Börse zu interpretieren, das lässt sich nicht wegdiskutieren. Dass die Wall Street aber trotz dessen ins Plus drehen konnte, ist ein starkes Signal für die Bereitschaft, einen Boden auszubilden", ergänzte Jochen Stanzl von CMC Markets. "Steigende Kurse bis zum Handelsschluss wären ein Hinweis dafür, dass die Verluste der vergangenen Woche zu schnell zu weit gegangen sind und dass der Markt nun reif ist für eine Erholung."


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Wall Street: Dow Jones und Nasdaq legen weiter zu

Bis 20.30 Uhr notierte der US-Leitindex Dow Jones 0,6 Prozent im Plus bei 24.800 Punkten, der Technologieindex Nasdaq Composite baute seine Gewinne sogar auf 1,7 Prozent aus.

Der deutliche Anstieg der US-Verbraucherpreise im Januar konnte Anleger damit nicht mehr erschüttern. Höhere Renditen lassen Aktien in den Augen der Anleger weniger interessant erscheinen. "Eine restriktivere Geldpolitik der Notenbank Fed wird damit noch wahrscheinlicher", sagte Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners. Die Fed werde ihre Geldpolitik weiter straffen, um die Inflation nicht weiter ansteigen zu lassen.

Vier Zinserhöhungen in USA in diesem Jahr wahrscheinlich

Dennoch rechnen Beobachter inzwischen mit vier Zinserhöhungen in den USA in diesem Jahr. "Die Fed wird ihre Geldpolitik weiter straffen, um die Inflation nicht weiter ansteigen zu lassen", sagte Stratege Thomas Altmann vom Handelshaus QC Partners.

Die Angst vor rasch steigenden Zinsen hatte in der vergangenen Woche zu einer teils panikhaften Flucht aus Aktien geführt. Doch nun bleiben Anleger gelassen, die Indizes setzen trotz einer anziehenden Inflation ihre Erholung fort.

Euro schwankt um mehr als einen US-Cent

Der Euro in Dollar gab nach Bekanntgabe der Inflationsdaten deutlich nach und fiel unter die Marke von 1,23 US-Dollar. Anschließend legte der Euro aber wieder zu. Am Morgen war die Gemeinschaftswährung noch bis auf 1,2392 US-Dollar gestiegen.

Seit Wochenbeginn stand der amerikanische Dollar unter Druck, was zu Kursgewinnen vieler anderer Währungen führt. Besonders deutlich steigt derzeit der japanische Yen, der am Mittwoch gegenüber dem Dollar den höchsten Stand seit November 2016 erreichte. Der japanischen Regierung kann die Entwicklung angesichts der starken Exportorientierung ihrer Wirtschaft nicht recht sei. Bislang hat sie sich aber noch nicht größer zu der Yen-Stärke geäußert.

Asien setzt Erholung fort, starker Yen bremst Nikkei in Japan

Asiens Börsen haben sich am Mittwoch wegen der guten Vorgaben aus den USA überwiegend positiv entwickelt und damit etwas von ihrem jüngsten Kursrutsch erholt. Auch die Wall Street hatte am Vortag mit positiven Vorzeichen geschlossen. Nach anfänglichen Verlusten hatten die Aktien dort am Ende leichte Gewinne verbucht.

Der japanische Markt musste am Mittwoch jedoch angesichts eines steigenden Yen, der die exportierenden Unternehmen belastet, Verluste hinnehmen. Der japanische Index Nikkei verlor 0,43 Prozent auf 21 154 Punkte.

Hang Seng in China legt vor Neujahrsfest deutlich zu

Weiter aufwärts ging es vor allem in China samt Hongkong. Der CSI 300 mit den 300 wichtigsten Werten aus Festland-China gewann bis zum Börsenschluss 0,80 Prozent auf 3966,96 Punkte. Der Hang Seng in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong stieg im späteren Handel um rund 1,8 Prozent auf 30 376,08 Punkte.

Zum Ende der Woche sind viele Börsen in Asien geschlossen: China, Hongkong, Taiwan, Singapur, Malaysia und Indonesien begehen ihre Neujahrsfeiern für das Jahr des Hundes. Auf dem chinesischen Festland sind die Märkte von Donnerstag bis Mittwoch kommender Woche geschlossen.

mit Nachrichtenagenturen

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