13.02.2018 
Börse

Anleger in Zinsangst, Dax schließt im Minus

Der Dax hat am Dienstag nachgegeben und auf Tagestief geschlossen. Die Anleger erwarten mit Spannung Inflationsdaten aus den USA. Eine höhere Inflation könnte die Zinsen schneller steigen lassen als erwartet und die Aktienkurse wieder drücken. Also gehen die Investoren vorsorglich schon mal in Deckung.

Der jüngste Stabilisierungsversuch des Dax hat sich am Dienstag sprichwörtlich als Eintagsfliege erwiesen. Anleger wagten sich nicht mehr weiter aus der Deckung, nachdem sich der deutsche Leitindex am Vortag vom tiefsten Stand seit etwa fünf Monaten hatte erholen können. Der Dax bewegte sich den Tag über meist leicht im Minus, weitete seine Verluste dann aber in den Schlussminuten auf 0,70 Prozent aus. Mit 12196,50 Punkten ging er beim tiefsten Stand des Tages aus dem Handel.

Damit entsprach die Tendenz einmal mehr der Entwicklung in New York, wo der Dow Jones am Dienstag ebenfalls wieder schwächer tendierte. Anleger zeigten sich auf beiden Seiten des Atlantiks unsicher, ob der Markt das Schlimmste hinter sich hat oder nicht. Bremsend wirkte sich auch der wieder anziehende Kurs des Euro aus, der tendenziell die deutschen Exporte verteuert. Der Eurokurs stieg am Dienstag deutlich über die Marke von 1,23 US-Dollar. Zuletzt wurden 1,2364 Dollar für die Gemeinschaftswährung gezahlt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,2333 (Montag: 1,2263) US-Dollar festgesetzt.


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Der MDax der mittelgroßen deutschen Börsenunternehmen fiel am Dienstag um 0,52 Prozent auf 25.079 Punkte, während der Technologiewerte-Index TecDax um 0,62 Prozent auf 2462 Zähler nachgab.

Zu den wenigen Gewinnern im Dax zählten die Lufthansa , die den Leitindex mit mit plus 1,44 Prozent anführten. Aktien der Lufthansa waren 2017 mit Abstand der größte Dax-Gewinner gewesen, seit dem Jahreswechsel aber hinken sie dem Marktumfeld am deutlichsten hinterher. Die Papiere von RWE , Commerzbank und ProSiebenSat.1 konnten jeweils ein kleines Plus von rund 0,5 Prozent verbuchen.

Adidas hingegen gehörten mit 1,32 Prozent zu den deutlichsten Verlierern. Hier wirkte es sich offenbar negativ aus, dass der strauchelnde Konkurrent Under Armour im vierten Quartal auf dem umkämpften nordamerikanischen Sportartikelmarkt Fortschritte gemacht hatte.

US-Inflationsdaten am Mittwoch: Anstieg um 0,3 Prozent erwartet

Angesichts der jüngsten Diskussionen über die Zinsen achten Investoren ganz genau auf Signale zur Inflationsentwicklung. "Ein bisschen ist es wie beim Pokern: Der Markt will sehen, was die Fed tatsächlich auf der Hand hat", sagte ein Händler mit Blick auf die am Mittwoch anstehende Veröffentlichung der US-Inflationsdaten für Januar. Schon eine kleine Abweichung nach oben könnte die Märkte erschüttern, warnte Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. "Denn dies würde bestätigen, dass die Zinsängste doch nicht unbegründet sind."

Von Reuters befragte Experten gehen davon aus, dass die Verbraucherpreise im Januar in den USA um 0,3 Prozent im Vergleich zum Dezember gestiegen sind. Die Furcht vor möglicherweise schneller steigenden Zinsen hatte die Börsen zuletzt schwer belastet.

Aurubis-Zahlen enttäuschen die Anleger

Die Anteilscheine von Aurubis gingen im MDax mit 8 Prozent in die Knie. Der Kupferhersteller hatte im ersten Geschäftsquartal zwar von höheren Kupferpreisen und gestiegenen Raffinierlöhnen für Altkupfer profitiert. Börsianer sahen die Resultate aber als unter den Erwartungen liegend an und sprachen von Gewinnmitnahmen. Aktien von Metro schlugen sich mit einem Gewinn von 0,6 Prozent deutlich besser. Der Handelskonzern hatte im Weihnachtsquartal seinen Gewinn gesteigert und die Markterwartungen etwas übertroffen. Analyst Thilo Kleibauer von Warburg Research sprach daraufhin von soliden Resultaten, die aber letztlich "ohne große Überraschungen" geblieben seien.

Beim Internetportalbetreiber Scout24 konnten sich die Anleger über ein Kursplus von knapp 1 Prozent freuen, womit die Aktien zu den besseren im Nebenwerte-Index SDax zählten. Das Unternehmen hatte zum Jahresende dank steigender Makler- und Händlerzahlen operativ überraschend gut verdient.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von 0,53 Prozent am Montag auf 0,50 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,15 Prozent auf 138,90 Punkte. Der Bund-Future legte um 0,23 Prozent auf 158,07 Punkte zu./tih/he

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