06.03.2019 
Börse

Dax-Anleger haben vorerst genug

Dax-Anzeigetafel an der Frankfurter Börse: Die Stimmung unter Anlegern war am Aschermittwoch verhalten
DPA
Dax-Anzeigetafel an der Frankfurter Börse: Die Stimmung unter Anlegern war am Aschermittwoch verhalten

Die Marke von 11.600 Punkten hatte der Dax am Mittwoch zwischenzeitlich hinter sich gelassen, doch halten konnte er sie nicht. Nach fast 700 Punkten, der der Index in den vergangenen vier Wochen zugelegt hat, lassen sich die Anleger aber vorerst nicht weiter aus der Reserve locken.

Aschermittwochs-Ernüchterung am deutschen Aktienmarkt: Anleger hielten sich weiter zurück. Der Dax gab zu Börsenschluss um 0,28 Prozent auf 11.587,63 Punkte nach. Das Bild wurde etwas getrübt von Verlusten bei den im Dax gelisteten Aktien aus dem Autosektor. Ein wenig Unterstützung kam einen Tag vor dem Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank von der Hoffnung auf eine weiterhin förderliche Geldpolitik.

Der MDax zeigte sich am Nachmittag etwas besser als sein großer Indexbruder, zuletzt notierte der Index der mittelgroßen Werten mit 0,12 Prozent im Plus bei 24 753,52 Punkten. Verhalten positiv ging es auch an den übrigen Europabörsen zu: Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 legte 0,18 Prozent auf 3333,02 Punkte zu.

Aus charttechnischer Sicht dürfte dem Dax nach Einschätzung von Beobachtern langsam die Puste ausgehen, nachdem er sich seit Jahresbeginn auf das höchste Niveau seit November vorgearbeitet hat. Die Marktteilnehmer ließen sich derzeit nicht mehr aus der Reserve locken, schrieb Anlagestratege Christoph Geyer von der Commerzbank.

Die Rally der vergangenen beiden Monate habe auf der Hoffnung auf ein baldiges Ende des Zollstreits zwischen den USA und China basiert, sagte Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. Daher stelle sich die Frage, wie viel Luft nach oben noch vorhanden sei.

Die etwas schlechter als erwarteten Beschäftigtenzahlen der privaten US-Arbeitsagentur ADP bewegten die Kurse kaum. Außerdem warf die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag ihre Schatten voraus. "Die Notenbank zeigt sich aufgrund der schwächeren Konjunktur immer vorsichtiger und dürfte morgen weitere Langfristkredite für Geschäftsbanken in Aussicht stellen", prognostizierte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader.

Beim Thema Brexit rechneten Börsianer zunächst nicht mit positiven Nachrichten. Die Verhandlungen über eine Nachbesserung der Scheidungsvereinbarung Großbritanniens und der EU stecken der EU-Kommission zufolge fest. Ohne Zugeständnisse der EU sei die für kommende Woche geplante Abstimmung über den Brexit-Deal im britischen Parlament zu Scheitern verurteilt, warnte Commerzbank-Analystin Esther Reichelt. Zwar werde dann wohl der Brexit-Termin verschoben. Unklar sei aber, wie es danach weitergehe.

Hiobsbotschaften drücken Autowerte

Am Aktienmarkt standen vor allem Automobilwerte unter Verkaufsdruck. Laut "Handelsblatt" wollen die europäischen Wettbewerbshüter wegen illegaler Absprachen bei Dieselmotoren formelle Beschwerdemitteilungen an Audi , BMW , Daimler und Volkswagen verschicken. "Bis es zu Strafzahlungen kommen könnte, ist es noch ein langer Weg, aber dennoch drückt der Artikel erst einmal die Kurse", sagte ein Börsianer. Die Titel der Konzerne gaben bis zu 1,8 Prozent nach.


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Auf die Branchenstimmung schlug außerdem eine Gewinnwarnung von Schaeffler. Die für 2019 angepeilte operative Marge von acht bis neun Prozent impliziere einen Gewinn, der 17 Prozent unter der Markterwartung liege, rechneten die Analysten der UBS vor. Unabhängig davon muss sich Schaeffler aus dem deutschen Nebenwerte-Index MDax verabschieden. Die Aktien rutschten um bis zu 11,5 Prozent ab. Das ist der größte Kurssturz seit einem Jahr.

Geldwäsche-Verdacht gegen Crédit Agricole

Gleichzeitig zieht der Geldwäsche-Skandal im europäischen Bankensektor immer weitere Kreise. Der Zeitung "Les Echos" zufolge wird Indosuez, eine Tochter des französischen Credit Agricole in einem Bericht des internationalen Rechercheverbunds OCCRP erwähnt, das die Spur dubioser Gelder aus Russland und ehemaligen Sowjet-Republiken im Volumen von 470 Milliarden Dollar verfolgt. Credit Agricole betonte, Indosuez habe alle gesetzlichen Anforderungen zur Verhinderung von Geldwäsche erfüllt. Die Papiere der Bank verbilligten sich um 1,5 Prozent.

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