05.02.2018  Flash Crash an der Wall Street

US-Börsen im freien Fall - Dow Jones verliert 1100 Punkte

Börse in New York: Der Dow Jones bricht ein
AFP
Börse in New York: Der Dow Jones bricht ein

Die Kursverluste an den Börsen weiten sich dramatisch aus. An der Wall Street kommt Verkaufspanik auf, der Dow Jones verliert mehr als 1100 Punkte - so viel wie noch nie zuvor an einem Tag. Anleger fürchten einen Crash.

An den Börsen geht die Angst vor einem Crash um: Der US-Leitindex Dow Jones weitete am Montag im späten Handel seine Verluste zeitweise auf mehr als 1500 Punkte (8 Prozent) aus. Auch Nasdaq und S&P 500 gingen in den freien Fall über.

Zuletzt sackte der Dow inmitten einer allgemeinen Verkaufspanik unter die Marke von 24.000 Zählern. Seine seit Jahresbeginn eingefahrenen Gewinne gab er damit komplett wieder ab.

Der Dow Jones ging schließlich mit einem Verlust von 4,7 Prozent bei 24.345 Zählern aus dem Handel - damit hat er allein am Montag 1175 Punkte eingebüßt. Es ist der nach Punkten höchste Tagesverlust in der Geschichte des Dow Jones. Auch der Nasdaq Composite tauchte um knapp 4 Prozent ab.

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Was sich zunächst wie eine gesunde, überfällige Korrektur anfühlte, weitet sich inzwischen zu einem steilen Kursrutsch aus. Bereits am Freitag hatte der Dow seinen schärfsten Tagesverlust seit Mai 2016 erlitten, auf Wochenbasis war es sogar das größte Minus seit zwei Jahren. Doch diese Verluste hat er nun am Montag binnen eines Handelstages noch einmal stark ausgeweitet.

Dax droht ein Sturzflug - Computermodelle verstärken Abwärtstrend

In den vergangenen Monaten war der Dow Jones wie an einer Schnur gezogen von einer Rekordmarke zur nächsten geeilt. Binnen eines Jahres hat der Index mehr als 20 Prozent zugelegt. Nun haben es Anleger eilig, ihre verbleibenden Gewinne zu sichern, und ziehen die Reißleine. Da viele institutionelle Anleger mit computergestützten Programmen arbeiten, verstärkte dies die Verkaufsbewegung. "Alle wollen nur noch raus und ihr Geld in Sicherheit bringen", sagte ein Händler in New York.

Dem Dax steht am Dienstag ein rabenschwarzer Handelstag bevor. Der deutsche Leitindex Dax hatte am Montag bereits im Xetra-Handel weiter nachgegeben und war unter die Marke von 12.700 Punkten getaucht. Seit Donnerstag hat der deutsche Leitindex bereits rund 600 Punkte verloren.

Am Dienstag dürfte der Dax auf Grund des Einbruchs in den USA um weitere 300 Punkte nachgeben und unter die Marke von 12.400 Zählern fallen. Der Verlust binnen sechs Handelstagen würde sich dann auf rund 1000 Punkte (8 Prozent) im Dax belaufen.

Value at Risk: Automatisierter Handel beschleunigt Kurssturz

Neben der Sorge vor stark steigenden Zinsen stand Experten zufolge auch die Entwicklung bei US-Staatsanleihen im Fokus. Auch der automatisierte Handel wurde für den Kurssturz am Montag mitverantwortlich gemacht, weil er bei Überschreiten bestimmter Verlustgrößen (Value at Risk Modelle) weitere Verkäufe auslöst.

Viele Börsianer halten es für möglich, dass die US-Notenbank Fed die derzeit bei 1,25 bis 1,5 Prozent liegenden Leitzinsen in diesem Jahr vier Mal erhöhen könnte statt drei Mal wie bislang signalisiert. Denn in den USA brummt die Wirtschaft, am Arbeitsmarkt läuft es rund, und die Löhne stiegen im Januar so stark an wie seit Mitte 2009 nicht mehr. In der Nacht auf Montag war zudem die Rendite der zehnjährigen Papiere auf den höchsten Stand seit Januar 2014 gestiegen. Doch dies allein reicht als Erklärung für den Kurssturz nicht aus.

Der Investment-Stratege Jeffrey Kleintop von dem Geldhaus Charles Schwab erklärte dagegen, er habe "nichts Fundamentales" gesehen, was als Auslöser hätte herhalten können. "Es wurde nicht durch ein Makro-Ereignis ausgelöst", sagte er. "Eher scheint es der Computer-getriebene Handel gewesen zu sein, der das Ungleichgewicht ausgelöst hat." Dem stimmte Larry Milstein, Chefhändler beim Broker R.W. Pressprich zu: "Es war wahrscheinlich irgendeine 'Black Box', Algo-Verkäufe von Aktien und -Käufe von Staatsanleihen."

Wells Fargo verliert knapp 10 Prozent

Bei den Einzelwerten stand Wells Fargo mit einem Kursverlust von 9,2 Prozent im Fokus. Zahlreiche Analysten stuften die Aktie der Bank herunter oder senkten ihre Kursziele, nachdem die Fed dem von Skandalen geplagten Institut am Freitag weiteres Wachstum verboten hatte.

An der New York Stock Exchange wechselten etwa 1,3 Milliarden Aktien den Besitzer. 315 Werte legten zu, 2721 gaben nach und 66 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von fast 3,1 Milliarden Aktien 383 Werte im Plus, 2650 im Minus und 121 unverändert.

Die zehnjährigen Staatsanleihen stiegen um 1-08/32 auf 96-5/32 Dollar und rentierten mit 2,7 Prozent. Die 30-jährigen Bonds stiegen um 1-27/32 auf 95-07/32 Dollar. Sie hatten eine Rendite von fast drei Prozent.

sien-Börsen rutschen weiter ab

Der massive Kurseinbruch riss auch die asiatische Leitbörse in Tokio in den Keller. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte sackte in den ersten 15 Handelsminuten um 914,28 Punkten oder 4,03 Prozent ab. Der breit gefasste Topix verlor 73,81 Punkte oder 4,05 Prozent beim Stand von 1749,93 Punkten.

Doch bis auf weiteres regiert die Angst an der Börse. In Asien haben die Börsen am Montag auf den Freitag-Kursrutsch an der Wall Street reagiert. Der Dow Jones hatte am Freitag 666 Punkte verloren - in Punkten ist das der vierthöchste Verlust in der Geschichte des Dow Jones. Auch in Japan und China warfen Anleger aus Furcht vor steigenden Zinsen am Montag Aktien aus ihren Depots.

Bitcoin stürzt weiter ab

Auch bei den Kryptowährungen setzte sich der Abverkauf fort. Die Krypto-Leitwährung Bitcoin gab am Montag um weitere 12 Prozent nach und fiel deutlich unter die Marke von 8000 US-Dollar. Seit dem Jahreswechsel hat Bitcoin mehr als 50 Prozent an Wert verloren, und auch andere Digitalwährungen wir Ripple oder Ether stehen seit Tagen unter einem erheblichen Verkaufsdruck.

Zwar gab es in den vergangenen Monaten auch immer wieder Nachrichten, die dem Bitcoin Auftrieb verliehen, wie etwa die Entscheidung einiger Terminbörsen in den USA vom Spätherbst 2017, Future-Kontrakte auf die Digitalwährung ins Programm zu nehmen und sie damit ein Stück weiter in Richtung des etablierten Finanzmarktes zu rücken. Doch insgesamt zeigt der Bitcoin-Kurs inzwischen auch unter charttechnischen Gesichtspunkten einen klaren Abwärtstrend.

la/dpa/Reuters

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