12.10.2018 
Börsendebüt erfolgreich verlaufen

Knorr-Bremse trotzt bei IPO den Börsenturbulenzen

Bremsenproduktion bei Knorr-Bremse
Knorr-Bremse
Bremsenproduktion bei Knorr-Bremse

Aufatmen bei Knorr-Bremse: Trotz der vorübergehenden Talfahrt an den Aktienmärkten hat das Münchner Traditionsunternehmen einen erfolgreichen Einstand an der Frankfurter Börse gegeben. Der erste Kurs lag mit 80,10 Euro knapp über dem Ausgabepreis, dann stiegen die Aktien um mehr als zwei Prozent bis auf 81,71 Euro.

Auf dem Parkett stand zunächst ein Mann im Mittelpunkt, der als Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats offiziell gar keinen Einfluss mehr auf Knorr-Bremse hat: Der 77-jährige Heinz Hermann Thiele läutete die Börsenglocke als erster - erst dann übernahm sie Vorstandschef Klaus Deller. Thiele und seine Tochter nehmen mit dem Börsengang 3,9 Milliarden Euro ein. "Als Mehrheitsaktionär werde ich weiterhin Kontinuität und Stabilität gewährleisten", versprach er.

Das Unternehmen und die begleitenden Investmentbanker hatten um den Erfolg des Börsengangs gebangt, weil sich die Märkte in den vergangenen Tagen wacklig zeigten und in ganz Europa mehrere Börsenkandidaten das Handtuch warfen. Die Aktien des Online-Möbelhändlers Westwing gingen nach dem Börsendebüt am Dienstag in die Knie und lagen am Freitag neun Prozent unter dem Ausgabepreis.

Sicherheitshalber hatte Knorr-Bremse die Zeichnungsfrist um einen Tag verkürzt und die Bücher noch rechtzeitig geschlossen, ehe die Börsen in die Knie gingen. "Man kann mit dem Börsengang sehr zufrieden sein, gerade angesichts der Schwankungen an den Märkten in den vergangenen Tagen", sagte Patrick Frowein von der Deutschen Bank zu Reuters. "Die großen institutionellen Anleger haben verstanden, dass sie sich hier ein Stück 'Made in Germany' ins Depot legen konnten." Die Emission sei mehrfach überzeichnet gewesen, sagte Frowein. Privatanlegern wurden weniger als ein Prozent der Aktien zugeteilt.

Vorstandschef erhält Millionenbonus

Vorstandschef Deller und seine Kollegen hatten sich laut dem Börsenprospekt verpflichtet, Aktien für 3,15 Millionen Euro zu zeichnen. "Mit der erfolgreichen Notierung sind wir noch besser positioniert, um wichtige Zukunftsthemen zu besetzen", erklärte Deller. Er hat - abhängig von der weiteren Kursentwicklung - nun Anspruch auf einen Bonus von bis zu 1,6 Millionen Euro. Frisches Geld kommt bei Knorr-Bremse allerdings nicht in die Kasse, der Erlös geht vollständig an die Familie Thiele.

Heinz Hermann Thiele, laut "Manager Magazin" der siebtreichste Deutsche, will mit dem Börsengang sein Vermächtnis sichern. Er war 1986 bei dem damals angeschlagenen Unternehmen eingestiegen und hatte es zum Weltmarktführer bei Zug- und Lkw-Bremsen gemacht. Als Geschenk überreichte Thiele Börsen-Chef Theo Weimer eine Scheibenbremse, die nun Platz auf dessen Schreibtisch finden soll.

Knorr-Bremse ist der zweitgrößte Börsengang des Jahres in Deutschland. Mehr hatte mit 4,2 Milliarden Euro nur die Siemens-Medizintechnik-Tochter Healthineers erlöst. Mit bisher 13 Börsenneulingen im streng regulierten Prime Standard und einem Emissionsvolumen von rund 11,3 Milliarden Euro zeichnet sich das beste Jahr für Börsengänge in Deutschland seit dem Boom am Neuen Markt ab. Am Freitag machte die Deutsche Familienversicherung (DFV) ihre Börsenpläne für den November öffentlich.

wed/dpa/Reuters

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