13.04.2018  Turbulenzen an der Börse

Der Grund für den nächsten Kursrutsch ist schon gefunden

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Bär statt Bulle: Nach dem Rekordhoch im Januar rechnen viele Marktteilnehmer mittelfristig mit fallenden Kursen
DPA
Bär statt Bulle: Nach dem Rekordhoch im Januar rechnen viele Marktteilnehmer mittelfristig mit fallenden Kursen

2. Teil: Warnzeichen von der Konjunktur

Der amerikanische Hedgefonds Bridgewater Associates sorgt ebenfalls seit Wochen für Schlagzeilen, weil er Milliarden auf fallende Aktienkurse in Europa und Deutschland gesetzt hat. Zuletzt hat Bridgewater-Gründer und Chefanleger Ray Dalio seine Short-Positionen auf Dax-Werte allerdings ein signifikantes Stück zurückgefahren.

"Noch dominiert die Politik die Märkte - ökonomische Folgen rücken aber in den Fokus", sagt auch Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers. "Je länger sich die politischen Konflikte, allen voran in Sachen Handel, hinziehen, desto mehr trübt sich das bisher gute Konjunkturbild ein." Für die Börsen erwartet er daher vorerst maximal eine Seitwärtsbewegung.

Zudem befindet sich auch Didier Saint-Georges, Mitglied des Investment-Komitees beim französischen Finanzhaus Carmignac, auf einer Linie mit Bantleon-Fachmann Preißler und anderen Skeptikern. Saint-Georges schrieb zuletzt in einem Marktkommentar: "Keiner der jüngst veröffentlichten Frühindikatoren widersprechen derzeit unseren Erwartungen, wonach Anleger bald vom geringer als erwarteten Wirtschaftswachstum enttäuscht werden könnten."

Die Realwirtschaft verliere ihr Momentum, so Saint-Georges, und das könne durch den Handelskonflikt zwischen den USA und China noch verstärkt werden. Auch der Franzose verweist auf die mittlerweile eher zurückhaltende Geldpolitik der Notenbanken, die die Aktienmärkte destabilisiere und die Zinsstrukturkurve beeinträchtige.

Daneben spielt die Schwäche des US-Dollar nach Ansicht Saint-Georges eine Rolle. Den Aktien- und Anleihenmärkten in den Schwellenländern habe diese Wechselkursentwicklung zwar gutgetan, glaubt er. Für die europäischen Märkte ergäben sich jedoch "weniger Handlungsspielräume".

Will sagen: Je stärker im Umkehrschluss der Euro, desto trüber die Geschäftsaussichten der exportorientierten Unternehmen in der Euro-Zone. Weil die deutsche Wirtschaft traditionell stark von Ausfuhren in alle Welt abhängt, trifft sie dieser Zusammenhang besonders empfindlich.

Was bedeutet das alles nun aus Sicht der Anleger? Bei den Aussagen der Fachleute handelt es sich nüchtern betrachtet um nicht mehr als schlichte Prognosen, und diese sind speziell im wirtschaftlichen Umfeld stets mit Vorsicht zu genießen. Selbstverständlich kann die Entwicklung in der Realität jeder Zeit eine vollkommen andere Richtung einschlagen.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Allerdings haben insbesondere Investmenthäuser wie Bantleon bereits viel Erfahrung im Umgang mit Frühindikatoren und deren Einsatz im Investmentgeschäft. Die Warnungen einfach in den Wind zu schlagen, wäre aus Sicht von Anlegern also vermutlich die falsche Reaktion.

Sicher erscheint vielmehr: Wer sich aktuell in Bezug auf den Aktienmarkt eher vorsichtig positioniert, macht damit wohl kaum etwas falsch.

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