07.12.2017  Kryptowährung geht steil - und stürzt

Bitcoin stürzt um 2000 Dollar binnen weniger Minuten

Bitcoin-Blase: Der Kurs der Kryptowährung stieg am Donnerstag zeitweise über die Marke von 16.000 Dollar - dann nahmen Investoren Geld vom Tisch
AFP
Bitcoin-Blase: Der Kurs der Kryptowährung stieg am Donnerstag zeitweise über die Marke von 16.000 Dollar - dann nahmen Investoren Geld vom Tisch

Die wilde Kryptogeld-Party geht weiter: Der Kurs des Bitcoin übersprang am Donnerstag gleich drei Tausender-Marken. Doch dann nahmen Bitcoin-Glücksritter Geld vom Tisch - die Schwankungen sind extrem.

Der Bitcoin knackt eine Rekordmarke nach der nächsten, die Kursschwankungen werden dabei immer extremer. Am Donnerstag knackte der Bitcoin-Kurs gleich drei 1000er-Marken hintereinander und stieg zeitweise über die Marke von 16.000 Dollar. Doch ebenso rasch ging es auch wieder nach unten: Am Donnerstag Abend fiel der Kurs der Kryptowährung binnen weniger Minuten um rund 2000 Dollar.

Die Schwankungen und das Tempo des Kursanstiegs stellt auch erfahrene Daytrader auf eine Nervenprobe - und wird für Privatanleger zu einem unkalkulierbaren Glücksspiel. Das zeigt der Kursverlauf der vergangenen zwei Handelstage. Der Kurs des Bitcoin war erst in der Nacht zum Mittwoch erstmals über die Marke von 12.000 US-Dollar gestiegen. Am Mittwoch Abend knackte der Bitcoin-Kurs bereits die nächste Tausender-Marke und kletterte über 13.000 Dollar.

In der Nacht zu Donnerstag (MEZ) katapultierten Spekulanten die Kryptowährung dann noch höher: Am Donnerstagmorgen wurde eine Einheit der Digitalwährung über 14.000 US-Dollar gehandelt.

Am Donnerstag Mittag notierte der Bitcoin bereits über 15.000 US-Dollar und hat damit binnen 36 Stunden insgesamt 4 Tausender-Marken geknackt. Am Donnerstag Nachmittag kletterte der Bitcoin auf einigen Handelsplattformen bereits über die Marke von 16.000 US-Dollar. Der Kurszuwachs in den vergangenen 36 Stunden betrug zeitweise mehr als 4000 US-Dollar.

Doch am Donnerstag Abend setzten dann die ersten stärkeren Gewinnmitnahmen ein. Nach einem Anstieg von rund 4000 Dollar binnen 36 Stunden nahmen die ersten Spekulanten Geld vom Tisch - und ließen den Kurs der Digitalwährung wieder binnen weniger Minuten unter die Marke von 15.000 US-Dollar fallen.

"Ein klassischer, blinder Kaufrausch", kommentierte ein Händler. "Jeder will dabei sein, niemand achtet mehr auf Risiken."

4000 Dollar Kurszuwachs in 36 Stunden

Bitcoin-Wahn und Kaufpanik lassen sich auch an der Geschwindigkeit des Kursanstiegs ablesen: Um von 12.000 auf 13.000 Dollar zu springen, hatte der Bitcoin-Kurs rund 17 Stunden gebraucht. Für den Sprung von 13.000 auf 14.000 Dollar benötigte die Digitalwährung nur noch 3 Stunden. Und nur wenige Stunden später kletterte die Digitalwährung bereits über die Marken von 15.000 und 16.000 US-Dollar.

Als Grund für den jüngsten Kurssprung gilt die baldige Einführung von Terminkontrakten auf Bitcoins - und statt Gewinne mitzunehmen, springen immer mehr Investoren ungeachtet der Risiken auf den springenden Zug.

Mit der Einführung von Terminkontrakten stößt die Digitalwährung in das traditionelle Finanzgeschäft vor. In der Branche ist das umstritten. Der Interessenverband "Futures Industry Association" kritisiert, die Regulierer hätten zu schnell und ohne intensive Diskussionen ihre Zustimmung erteilt.

Nur nichts verpassen: Warum "FOMO"-Investoren jetzt noch Bitcoin kaufen

Vergangenen Freitag hatte die US-Behörde CFTC grünes Licht für Bitcoin-Futures gegeben. Die US-Börse CBOE will Ende der Woche den ersten Bitcoin-Future in den Handel bringen, eine Woche später will die Chicago Mercantile Exchange (CME) folgen. Auch bei der japanischen Tokyo Financial Exchange wird über die Einführung eines Bitcoin-Futures nachgedacht.

Versuch der Angleichung an andere Anlageformen

Durch den Start der Terminkontrakte werden Bitcoins für institutionelle Investoren besser handelbar. Einerseits können diese sich gegen künftige Preisschwankungen absichern. Andererseits kann aber auch auf Kursentwicklungen spekuliert werden. Für Neil Wilson von ETX Capital stellt die Einführung von Terminkontrakten den Versuch dar, den Bitcoin anderen Anlageformen anzugleichen. Das dürfte nicht unbedingt im Sinne aller Bitcoin-Fans sein, denn viele von ihnen sehen in der Digitalwährung vor allem eine Alternative zu den klassischen Währungen.

Die Blase ihres Lebens: Eine Berliner WG im Goldrausch

Zu Jahresbeginn stand der Wert des Bitcoin noch bei 1000 Dollar. Seither ist er auf einer rasanten Rekordjagd, die sich in den vergangenen Monaten zunehmend beschleunigt hat und mit teils hohen Kursschwankungen einhergeht. Unter anderem Notenbanker warnen vor der Unberechenbarkeit der Digitalwährung. Zuletzt bezeichnete zudem der Chef des nordeuropäischen Bankkonzerns Nordea, Casper von Koskull, den Bitcoin als "absurde" Konstruktion, die jeder Logik widerspreche.

"Es herrscht die pure Gier"

"Der Run auf die Währung ist nur noch mit blanker Gier zu erklären. Jeder will mitzocken - die Absturzrisiken werden komplett ausgeblendet", sagte ein Händler. "Wer jetzt noch einsteigt, kann vielleicht binnen weniger Stunden noch 10 oder 20 Prozent mitnehmen", sagte der Händler. "Er riskiert aber auch, binnen weniger Stunden 30 bis 50 Prozent seines Einsatzes verlieren."

Erst Mitte Oktober hatte die Kryptowährung Bitcoin, die nach ihrer Entstehung im Jahr 2009 nur wenige Cent wert war, die Marke von 5000 Dollar übersprungen. Vergangene Woche erst kletterte der Bitcoin über die 10.000-Dollar-Marke - binnen zwei Monaten hat sich der Kurs des Bitcoin in etwa verdreifacht.

Ökonom Jean Tirole: "Wert kann binnen kürzester Zeit kollabieren"

Kritiker warnen seit Wochen vor einer Blase. Der Bitcoin selbst habe keinen ihm innewohnenden Wert, sagte etwa kürzlich der Wirtschaftsnobelpreisträger Jean Tirole. Deshalb könne der Wert "von einem Tag auf den anderen kollabieren".

Der Bitcoin war 2009 auch als Antwort auf die Finanzkrise erfunden worden, um eine von Staaten, Zentralbanken und anderen Finanzinstituten unabhängige Währung zu erschaffen. Die Kryptowährung basiert dabei auf dem Prinzip, dass Buchungen nicht von einer zentralen Stelle bestätigt werden müssen, sondern letztlich von allen am Bitcoin-System beteiligten Nutzern.

Neue "Münzen" werden durch komplexe Rechenoperationen unter Beteiligung zahlreicher Computer erschaffen. Ihre Zahl ist jedoch von vornherein auf 21 Millionen begrenzt. Mehr als drei Viertel davon wurden bereits geschaffen.

Die Wechselkurse von Digitalwährungen zu konventionellen Währungen schwanken stark. Auch der Bitcoin geriet in diesem Jahr wiederholt unter Druck - etwa in China, wo die Behörden auf eine strengere Regulierung dringen, um Kapitalflucht ins Ausland zu bekämpfen. Sie kritisieren zudem, Kryptowährungen würden zunehmend als "Werkzeug für kriminelle Aktivitäten" genutzt - darunter Geldwäsche, Drogenhandel und illegale Kapitalbeschaffung.

rei / la mit Nachrichtenagenturen

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