09.04.2018 
Börsenprofi Carsten Klude erklärt

Darum geht es den Weltbörsen besser als es scheint

Von Carsten Klude
Börsianer in Japan
AFP
Börsianer in Japan

Nach einem guten Start in das Jahr 2018 und dem zwischenzeitlichen Erreichen neuer Höchststände beispielsweise im Dax, S&P 500 und Dow Jones befinden sich die Kurse seit Februar im Rückwärtsgang. Dies hat dazu geführt, dass die Wertentwicklung im ersten Quartal für viele Anleger ernüchternd ausfiel: Der Dax hat in den ersten drei Monaten dieses Jahres rund 6 Prozent an Wert verloren, womit er im internationalen Vergleich auf den hinteren Plätzen landet. Von den großen Aktienmärkten haben sich nur die Schweiz und Großbritannien noch schlechter entwickelt.

In den USA, wo die Malaise Anfang Februar begann, haben sich die Kurse (in US-Dollar gerechnet) dagegen besser gehalten: Während der Dow Jones und der S&P 500 das Quartal knapp im Minus beendeten, konnte die Technologiebörse Nasdaq sogar einen kleinen Wertzuwachs verbuchen. Etwas erfreulicher als in den Industrieländern verlief die Börsenentwicklung in den Schwellenländern. So lag der MSCI Emerging Markets Index Ende März in etwa auf demselben Niveau wie zu Beginn des Jahres, wobei die Börsen in Brasilien und Russland sogar ein ordentliches Plus verzeichnen konnten.

manager-magazin.de

Für die schwache Kursentwicklung der vergangenen Wochen gibt es mehrere Gründe. Zum einen nahmen aufgrund der guten globalen Konjunkturlage Anfang Februar die Sorgen vor einem kräftigeren Anstieg der Inflation zu. In den USA kam es im Januar zu einem stärker als erwarteten Lohnanstieg, der - so die Schlussfolgerung vieler Marktteilnehmer - die Notenbank auf den Plan rufen würde. Die Aussicht auf eine restriktivere Geldpolitik der Federal Reserve führte zu höheren Anleiherenditen und zwar nicht nur in den USA, sondern auch in vielen anderen Regionen.

Höhere Zinsen machen Anleihen im Vergleich zu Aktien relativ attraktiver, wenn man zum Beispiel die Rendite einer 10-jährigen US-Staatsanleihe (aktuell 2,8 Prozent) mit der Dividendenrendite des S&P 500 (2,1 Prozent) vergleicht. Zudem bedeuten steigende Zinsen, dass der Diskontierungsfaktor für zukünftige Gewinne, Dividenden oder Cash Flows zunimmt, so dass deren heutiger Wert bei unveränderten Rahmenbedingungen sinkt.

Steigen die Zinsen allerdings aufgrund einer besseren Konjunkturlage - und genau das ist derzeit der Fall - wird der höhere Abzinsungsfaktor durch eine bessere Profitabilität der Unternehmen ausgeglichen oder sogar überkompensiert. Zudem zeigt die Erfahrung, dass die relative Attraktivität von Anleihen gegenüber Aktien erst dann wirklich zunimmt, wenn die Notenbanken dazu übergehen, die Zinsen zu senken. Doch davon ist man noch weit entfernt.

Carsten Klude
  • Copyright:
    Carsten Klude ist Chefvolkswirt der Privatbank M. M. Warburg in Hamburg.

Wir gehen zwar davon aus, dass die Inflationsrate in den nächsten Monaten ansteigen wird, doch ist dies in erster Linie auf einen sogenannten Basiseffekt zurückzuführen. Da die Inflation im vergangenen Jahr wegen des gesunkenen Ölpreises bis in die Sommermonate ungewöhnlich gering ausgefallen ist, führt eine "normalere" Entwicklung in diesem Jahr dazu, dass es im Jahresvergleich zu einem optisch kräftig ausfallenden Preisanstieg kommt. Dies ist ein rein statistischer Effekt, zu dem es auch dann kommt, wenn die monatliche Veränderung der Inflation eigentlich unauffällig ist.

Dies wird dazu führen, dass die US-Inflationsrate bis in die Sommermonate deutlich ansteigt. Danach wird dieser Effekt allerdings auslaufen, und im Laufe des zweiten Halbjahres ist wieder mit einem Rückgang der Inflationsrate auf unter 2 Prozent zu rechnen. Nichtsdestotrotz könnten die Märkte aber zwischenzeitlich ähnlich wie zu Jahresbeginn von Inflationssorgen beeinflusst werden.

Zum anderen kamen in den vergangenen Wochen die Kurse von Technologieaktien stark unter Druck. Diese waren lange Zeit die Lieblinge der Anleger (insbesondere die sogenannten FAANG-Aktien Facebook , Amazon , Apple , Netflix und Google bzw. jetzt Alphabet ) und sorgten für den Großteil der außergewöhnlich guten Kursentwicklung der US-Aktienmärkte. Der aufgedeckte Datenskandal bei Facebook führte jedoch zu starken Kursverlusten dieses Wertes, weil befürchtet wird, dass das Unternehmen (und andere Wettbewerber) zukünftig stärker reguliert werden könnten.

1 | 3

Mehr zum Thema