20.02.2018  Comeback der Minenaktien

Rohstoffkonzerne belohnen Anleger für jahrelange Geduld

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Eisenerzgewinnung in Australien: Minenkonzerne haben eine Krise hinter sich und machen wieder gute Geschäfte.
REUTERS / BHP Billiton
Eisenerzgewinnung in Australien: Minenkonzerne haben eine Krise hinter sich und machen wieder gute Geschäfte.

Jahrelang setzten sinkende Rohstoffpreise die großen Minenkonzerne weltweit unter Druck: Branchengrößen wie BHP Billiton oder Rio Tinto mussten ihre Kosten kürzen und ihre Aktivitäten teils erheblich einschränken. Leidtragende waren auch die Aktionäre der Konzerne, denn die Aktienkurse sanken und die Dividenden wurden branchenweit gekürzt.

Doch inzwischen hat sich das Bild wieder gedreht, und der Minenindustrie ist ein veritables Comeback gelungen: Seit zwei Jahren befinden sich die Aktien wieder im Aufwind. Allein die vier Branchengrößen BHP Billiton , Rio Tinto , Glencore und Anglo American konnten ihre Marktkapitalisierung während dieser Zeit um zusammen etwa 200 Milliarden Dollar steigern, hat das "Wall Street Journal" errechnet.

Die Aktionäre profitieren von der Wiederbelebung der Geschäfte zudem noch auf andere Weise, nämlich durch Gewinnausschüttungen und Aktienrückkäufe. Zeigen wird sich das Analysten zufolge zum Beispiel, wenn wichtige Player der Branche in den kommenden Tagen ihre Geschäftsergebnisse vorlegen. So konnten den Erwartungen zufolge sowohl Glencore als auch Anglo American und BHP ihre Gewinne zuletzt erheblich steigern. BHP werde vermutlich vier Milliarden Dollar an seine Aktionäre ausschütten, so das "WSJ" mit Verweis auf Analysten der Macquarie Group. Glencore wird wohl ebenfalls etwa 2,2 Milliarden Dollar ausschütten, glaubt die UBS.

Eine Dividendenerhöhung hat zudem auch Rio Tinto in diesem Jahr bereits bekannt gegeben. Konzernchef Jean-Sébastien Jacques will mit einer Ausschüttungsquote von rund 70 Prozent eine Dividende von insgesamt 5,2 Milliarden Dollar zahlen, wie er Anfang dieses Monats bekanntgab. Das Unternehmen hat seinen Gewinn im vergangenen Jahr beinahe verdoppelt und plant zudem einen Aktienrückkauf im Volumen von zusätzlich einer Milliarde Dollar. Insgesamt bedeutet das für die Aktionäre, dass sie für das vergangene Jahr vom Konzern 9,7 Milliarden Dollar erhalten könnten.

Batterienachfrage treibt Preise für Kobalt und Nickel

Haupttreiber der erfreulichen Geschäftsentwicklung der Branche sind wieder steigende Rohstoffpreise, die die Umsätze der Konzerne ankurbeln. Die in weiten Teilen der Welt florierende Wirtschaft hat die Nachfrage nach Rohstoffen angeregt, und so legte beispielsweise der Kupferpreis innerhalb eines Jahres um etwa 20 Prozent zu. Beim Gold betrug das Plus knapp 9 Prozent und bei der Kohle 12 Prozent.

Ebenfalls gut für die Geschäfte der Rohstoffkonzerne: Der schwächere Dollar. Die meisten Rohstoffe werden in US-Dollar abgerechnet - notiert die US-Währung im Vergleich zu anderen Währungen niedrig, so vergünstigt dies für viele Käufer gleichsam auch die Rohstoffe, und die Nachfrage steigt.

Hinzu kommen Sondereinflüsse wie beispielsweise die zunehmende Popularität der Elektromobilität, die den Preis für Kobalt innerhalb eines Jahres um mehr als das Doppelte in die Höhe getrieben hat. Im gleichen Zusammenhang verteuerte sich auch Nickel. Beide Materialien werden für den Bau der weit verbreiteten Lithium-Ionen-Batterien benötigt.

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Die Frage ist nun, wie die Minenindustrie auf die wieder auflebende Konjunktur der Branche reagiert. Bislang gingen die Firmen zum Großteil auf Nummer sicher, bauten also Schulden ab und belohnten ihre Anteilseigner für deren Geduld in den vergangenen Jahren, so das "WSJ". Gut möglich allerdings, dass die Konzerne bald wieder aktiver werden und stärker ins Risiko gehen. Das heißt: Die Unternehmen könnten wie im letzten Boom die Produktion ausbauen und neue Projekte anschieben. Das würde sie folgerichtig auch wieder anfälliger für Nachfrageschwankungen machen.

Noch laute das Motto in der Branche "Wert ist wichtiger als Volumen", zitiert das "WSJ" einen Branchenanalysten. "Die Frage ist nur, wie lange noch."

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