17.08.2018 
Stille Kurspflege der Konzerne

Der unschöne, aber wahre Grund für stabile Aktienkurse

Von
Aktienhändler in New York: Unternehmen kaufen eigene Papiere im Rekordvolumen
AFP
Aktienhändler in New York: Unternehmen kaufen eigene Papiere im Rekordvolumen

Die Konjunktur vor der Wende, die Konzerne mit immer schlechteren Ausblicken - aber die Aktienkurse halten sich auf hohem Niveau. Ein Hauptgrund dafür dürfte rund um den Globus der gleiche sein.

Der Dax über 12.000 Punkten, der Dow Jones in den USA deutlich jenseits der 25.000 Punkte und der breitere US-Index S&P 500 wieder unterwegs in Richtung der 2900-Punkte-Marke: An der Börse geht es derzeit zwar turbulent zu, es sieht jedoch so aus, als hätten die Kurse insgesamt eine gewisse Stabilität, aufgrund derer sie größere Rückschläge seit Monaten abfedern können.

Doch Vorsicht. Anleger, die sich aufgrund solcher Beobachtungen auf die Stärke des Aktienmarktes verlassen, sitzen möglicherweise einer fatalen Täuschung auf. Denn die Gründe für das Ausbleiben breiterer Kursverluste sind womöglich nicht diejenigen, die Investoren sich dahinter erhoffen.

Tatsächlich läuft die Konjunktur gegenwärtig zwar noch rund und viele Unternehmen melden erfreuliche Geschäftsergebnisse. Entscheidend für die Börse ist jedoch der Blick in die Zukunft, und der fällt bei immer mehr Unternehmen zunehmend pessimistisch aus.

Mit dem Autobauer Daimler , dem Zulieferer Continental und dem Großkonzern Thyssenkrupp sind nur drei prominente Unternehmen genannt, die in jüngster Zeit ihre Prognosen zurückschrauben mussten. Die Liste ließe sich beinahe beliebig verlängern: Vor allem internationale Verwerfungen wie der Handelskonflikt zwischen den USA und Europa sowie China und die damit verbundenen Strafzölle sorgen dafür, dass immer mehr Unternehmenslenker mit Skepsis in die Zukunft blicken.

So stieg die Zahl der Umsatz- oder Gewinnwarnungen börsennotierter Unternehmen hierzulande im ersten Halbjahr dieses Jahres von 29 auf 42, wie auch das "Handelsblatt" berichtet. Demnach gab es in den ersten sechs Monaten 2018 mehr solche Warnungen von Konzernen als in anderen ersten Halbjahren seit 2011, als derartige Analysen begannen. Etwa jedes vierte der mehr als 300 Unternehmen im Prime Standard der deutschen Börse habe im ersten Halbjahr 2018 mindestens einmal seine eigene Prognose kassiert, so die Zeitung mit Verweis auf Angaben der Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young (EY).

Experten sehen die Konjunktur bereits auf ihrem Höhepunkt und sprechen von einer anstehenden Trendwende. Gründe für fallende Aktienkurse gäbe es also ausreichend. Doch weshalb hält sich die Börse dennoch vergleichsweise stabil?

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