28.03.2018 
Turbulenzen an der Börse

Warten auf steigende Kurse - tatsächlich bis August?

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Aktienhändler in Frankfurt
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Aktienhändler in Frankfurt

Auch am heutigen Mittwoch brauchen Anleger am Aktienmarkt wieder gute Nerven: Nachdem am Vortag in den USA vor allem Werte aus der Tech-Branche geradezu eingebrochen sind, notiert auch der deutsche Leitindex Dax einmal mehr tief in den roten Zahlen. Es ist inzwischen ein beinahe gewohntes Bild, denn seit Wochen kennt die Kursentwicklung an der Börse vor allem eine Richtung: abwärts.

Die Frage, die sich die meisten Investoren stellen dürften, lautet: Wie lange wird das noch so weitergehen? Wann endet endlich diese Korrektur? Immer vorausgesetzt, es handelt sich tatsächlich um eine solche, und nicht um den Beginn einer veritablen Baisse-Phase, die für längere Zeit fallende Kurse mit sich bringen würde.

Wie lange also noch? Eine mögliche Antwort auf diese Frage lautet: bis August. Zu dem Schluss führt jedenfalls eine Analyse, die der Finanzinformationsdienst Bloomberg präsentiert. Demnach gab es allein im aktuellen Bullenmarkt, der zumindest an der US-Börse ja bereits neun Jahre währt, zuvor bereits fünf ähnliche Korrekturphasen wie die gegenwärtige. Im Schnitt dauerte es dabei etwa sieben Monate oder 200 Tage, bis die Aktienkurse wieder auf ihren Aufwärtstrend einschwenkten. Vorausgesetzt, der aktuelle Fall verläuft ähnlich, dann wäre die Schwächephase also ungefähr im August 2018 ausgestanden.

Aber sind diese Turbulenzen tatsächlich mit früheren vergleichbar? Ist nicht alles viel schlimmer? Bloomberg macht auch darauf aufmerksam, dass so mancher Anleger gegenwärtig wieder ein gängiges psychologisches Phänomen erleben dürfte. So würden aktuelle Ereignisse in der Regel dramatischer wahrgenommen, als solche, die bereits in der Vergangenheit liegen. Dabei handele es sich aber um eine verzerrte Wahrnehmung: Die Unruhen, die der Aktienmarkt momentan durchlaufe, seien keineswegs außergewöhnlich im Vergleich zu früheren.


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"Verglichen damit, wie Märkte sein sollten, und wie sie sich im Laufe meiner Karriere verhalten haben, handelt es sich beim aktuellen Ausverkauf keineswegs um ein außergewöhnliches Event", zitiert Bloomberg den Chef-Anlagestrategen einer Investmentfirma. Historisch betrachtet handele es sich vielmehr lediglich um einen "Pieps".

Vieles spricht dafür, dass zurzeit am Aktienmarkt tatsächlich vorherige Übertreibungen wieder ausgeglichen werden. Ein Beispiel dafür ist der jüngste Kursrutsch bei den US-Tech-Aktien vom Dienstag dieser Woche, der auch hierzulande die Kurse erneut unter Druck setzt.

In den USA verlor der Tech-Index Nasdaq Composite am Dienstag bis Handelsschluss etwa 3 Prozent. Die Papiere von Facebook etwa notierten erneut mit 5 Prozent im Minus. Der Social-Media-Konzern kämpft weiter mit den Folgen des Datenskandals und hat offenbar auch in der Gunst der Investoren einiges wieder gutzumachen.


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Auch die Aktie des E-Autobauers Tesla fiel am Dienstag um etwa 8 Prozent. Zum allgemeinen Marktdruck kam für das Unternehmen belastend hinzu, dass US-Behörden einen tödlichen Unfall mit einem Tesla-Auto unter die Lupe nehmen.

Aktien von Intel und Apple verloren jeweils rund 2,5 Prozent, Papiere von Microsoft brachen um 4,6 Prozent ein.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Angesichts der Verluste sollten Anleger allerdings nicht außer acht lassen, welch enorme Kursgewinne insbesondere die großen US-Teck-Konzerne in den vergangenen Jahren verzeichnet haben. Laut Bloomberg übertraf die Kursperformance der Tech-Größen den Markt allein seit 2016 um das Dreifache.

Wer sich also die langfristigen Kurscharts von Facebook, Tesla, Alphabet und Co anschaut, wird erkennen: Verglichen damit fallen die aktuellen Verluste bislang kaum ins Gewicht.

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