12.10.2017  Ende des Börsenbooms

Verkauft Aktien - langsam, aber sicher

Eine Meinungsmache von Daniel Stelter
Auf der Klippe: An der Börse droht nach 9 Jahren Party ein tiefer Fall. Der Boom ist in der Endphase, die Warnzeichen mehren sich
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Auf der Klippe: An der Börse droht nach 9 Jahren Party ein tiefer Fall. Der Boom ist in der Endphase, die Warnzeichen mehren sich

5. Teil: Turbo-Effekt für die Teufelsspirale

Spekulation auf Kredit

Nicht nur die Unternehmen haben mehr Schulden als je zuvor. Auch die Investoren haben immer mehr auf Kredit spekuliert. Die Wertpapierkredite ("Margin Debt") befinden sich ebenfalls auf einem Rekordstand.

Nichts verdeutlicht mehr die Folgen der Politik billigen Geldes: Unternehmen, die mit Financial Engineering statt echter Verbesserung die Aktienkurse treiben und Investoren, die diese Aktien mit immer mehr Krediten nachfragen. Fallen die Kurse, dreht der Effekt sich um. Was nach oben funktioniert, beschleunigt den Weg nach unten.

Die Nachricht ist klar: Sollten die Märkte - aus welchem Grund auch immer - ins Rutschen geraten, haben wir mehr als einen Turbolader für die Beschleunigung nach unten.

Krise nicht vorbei

Da ist es schon fast müßig daran zu erinnern, dass die eigentlichen Probleme, die zur Finanzkrise geführt haben, nicht bereinigt sind. Selbst Wolfgang Schäuble hat in seinem Abschiedsinterview mit der Financial Times auf diese Risiken hingewiesen, wobei die Frage mehr als berechtigt ist, weshalb er selber nicht mehr getan hat, eine Wiederholung der Krise zu verhindern. Die Schulden sind weltweit deutlich höher - absolut und auch relativ zum BIP - als 2007. Die Eurozone ist weit davon entfernt saniert zu sein und die Erholung, die wir jetzt feiern, ist nur die Folge einer noch aggressiveren Politik, die uns bereits die Krise von 2009 beschert hat. Eine Krise, ausgelöst durch zu viele Schulden, mit noch mehr Schulden zu bekämpfen wirkt wie der nächste Drink. Kurzfristig fühlt man sich besser, der Brummschädel wird aber noch größer.

Garantiertes Risiko, wenig Upside

Am 9. Oktober 2007 erreichte die US-Börse einen Höchststand, bevor sie im Zuge der Finanzkrise deutlich verlor. Dennoch haben Investoren, die zum damaligen Zeitpunkt eingestiegen sind, bis heute ihr Geld mehr als verdoppelt. Ist es also egal, wie teuer die Börse heute ist? Nein, das ist es nicht. Die letzten zehn Jahre sind eine Ausnahme von der Regel, dass der entscheidende Faktor für die künftige Rendite einer Investition am Aktienmarkt die Bewertung zum Kaufzeitpunkt ist.

Für alle anderen Zehnjahreszeiträume lässt sich klar feststellen, dass auf heutigem Bewertungsniveau - wenn überhaupt - nur eine schwach positive Rendite in den kommenden zehn Jahren zu erwarten ist. Rekordgewinnquoten mit Rekordbewertungen sind nun mal schwer zu toppen.

Daran ändert auch die derzeitige Gewinndynamik nichts. Zwar gehen alle Analysten von einer hervorragenden Gewinnsaison - namentlich an der Wall Street aus - doch dürfte das eher ein letztes "Hurra" sein. Weitere zehn Jahre mit steigenden Bewertungen und Gewinnmargen (zulasten der Lohnquote) würden jeder historischen Erfahrung widersprechen.

Selbst ohne Einbruch sind in einer Welt, in der die meisten Assets hoch bewertet sind, nur noch magere Renditen möglich. Was die berechtigte Frage aufwirft: Soll man angesichts der beschränkten Chancen und des deutlichen Risikos überhaupt auf diesem Niveau noch mitspielen oder doch lieber Chips vom Tisch nehmen und die Cashquote erhöhen? Die Opportunitätskosten sind gering.

Das letzte Mal, als US-Aktien in der Summe der Indikatoren so hoch bewertet war, war im Jahre 1997. Wer damals ausstieg, erkannte die Fehlbewertung zwar richtig, verpasste jedoch weitere zweieinhalb Jahre Aufschwung mit 60 Prozent Kursgewinn. Dass es innerhalb von 20 Jahren zweimal zu einer historischen Blase kommt, ist unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. Darauf setzen würde ich nicht.

Daniel Stelter ist Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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