12.10.2017  Ende des Börsenbooms

Verkauft Aktien - langsam, aber sicher

Eine Meinungsmache von Daniel Stelter
Auf der Klippe: An der Börse droht nach 9 Jahren Party ein tiefer Fall. Der Boom ist in der Endphase, die Warnzeichen mehren sich
REUTERS
Auf der Klippe: An der Börse droht nach 9 Jahren Party ein tiefer Fall. Der Boom ist in der Endphase, die Warnzeichen mehren sich

3. Teil: Die falschen Preise für Immobilien und Aktien

Billige Zinsen rechtfertigen keine höhere Bewertung

Billige Zinsen werden als Hauptargument für die hohe Bewertung der Vermögenswerte herangezogen. Angesichts von Tiefstzinsen ist nach dieser Logik fast jeder Preis für Immobilien und Aktien gerechtfertigt. Diese Überlegung ist allerdings nicht in sich konsistent. Tiefe Zinsen können dauerhaft nur in einem Umfeld Bestand haben, in dem es geringes Wirtschaftswachstum gibt. Wer also bei der Bewertung von Vermögenswerten den Abzinsungssatz senkt, muss zwingend auch die Erwartungen für künftiges Ertragswachstum reduzieren.

Betrachtet man die Ursachen für den Rückgang des weltweiten Zinsniveaus in den letzten Jahrzehnten, so finden sich überwiegend fundamentale Gründe, namentlich die demografische Entwicklung. Da sich an diesen Faktoren in Zukunft wenig ändern dürfte, sie sich stattdessen sogar weiter verschärfen, ist mit geringen Wachstumsraten und Zinsen auch in Zukunft zu rechnen. Tiefe Zinsen müssen damit bei der Bewertung auch mit geringeren Ertragserwartungen verknüpft werden. Gut zu beobachten ist der Zusammenhang in Japan.

Zeitweise können die Notenbanken das Zinsniveau noch tiefer unter das natürlich richtige Niveau senken. Dauerhaft dürfte dies jedoch nicht gelingen, weshalb auch dieser Effekt nicht in die Bewertung von Vermögenswerten einfließen darf. Wer es dennoch berücksichtigt, kommt zu einem überhöhten Preis.

Gewinne der Unternehmen sind verzerrt

Hinzu kommt, dass auch die Gewinne der Unternehmen verzerrt sind:

Wir unterliegen damit einer doppelten Illusion. Die Gewinne sind nicht so hoch - weil nicht so nachhaltig - wie sie scheinen, und die Zinsen können nicht so tief bleiben, wie sie sind, ohne das Gewinnwachstum zu beeinträchtigen.

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