15.09.2017  Autoaktien als Investmentchance

Kanzlerin & Konzerne - die Top-Koalition für Börsianer

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Drahtseitakt: Kanzlerin Merkel mit den Volkswagen-Vorständen Herbert Diess (l.) und Matthias Müller auf der IAA in Frankfurt.
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Drahtseitakt: Kanzlerin Merkel mit den Volkswagen-Vorständen Herbert Diess (l.) und Matthias Müller auf der IAA in Frankfurt.

Der Dieselskandal und andere Probleme haben Autoaktien stark zugesetzt. Nun wagen viele Anleger den Einstieg - noch vor der Bundestagswahl.

Sell in may and go away - but remember to come back in september - der alten Börsenweisheit zufolge ist zurzeit ein guter Zeitpunkt zum Aktienkauf. Aber bei welchen Papieren zugreifen? Passend erscheinen vor allem Autoaktien: Die Papiere erreichten europaweit im Mai ein Jahreshoch, rutschten dann ab und legten im September bislang kräftig zu. Letzteres erscheint insbesondere angesichts des starken Euros ein wenig erstaunlich. Die positive Stimmung, die zuletzt von der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt verbreitet wurde, dürfte allerdings ihren Teil zu den jüngsten Kursgewinnen beigetragen haben.

Grundsätzlich ist das Autoinvestment derzeit indes nicht ohne. Diesel-Skandal, Kartellvorwürfe, technologischer Umbruch - die Branche hat schon seit längerem gleich an mehreren Fronten zu kämpfen. Entsprechend sind die Aktienkurse auf breiter Front unter Druck geraten. Im langfristigen Vergleich notieren viele Autoaktien inzwischen, gemessen etwa am Kurs-Buchwert-Verhältnis, auf ziemlich günstigem Niveau.

Auch deshalb liegt die Frage nahe: Ist dies womöglich ein guter Zeitpunkt zum Einstieg?

Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Wer sich jetzt mit dem möglichen langfristigen Kauf einer Aktie von Volkswagen , Daimler oder BMW beschäftigt, der muss für sich vor allem eine Grundsatzfrage beantworten: Werden die Hersteller die aktuell zum Großteil selbstverschuldet schwierige Zeit erfolgreich überstehen und auch in fünf, zehn oder 20 Jahren noch an der Weltspitze mitmischen? Oder erleben wir womöglich den Anfang vom Ende der deutschen Vorherrschaft in der globalen Autoindustrie, werden also ausländische Hersteller wie etwa der US-Elektroautobauer Tesla den Deutschen auf Dauer den Rang ablaufen?

Die Entwicklung an der Börse zeigt zwar, dass unter Investoren in Bezug auf die hiesige Autobranche eher der Pessimismus vorherrscht. Doch es gibt auch Gründe für Zuversicht. Viele Analysten beispielsweise halten die Aktien der großen Drei - VW, BMW und Daimler - auf dem niedrigen Preisniveau inzwischen für kaufenswert.

Vor allem Daimler steht bei den weitaus meisten Profi-Beobachtern auf der Empfehlungsliste. Max Warburton von der Investmentbank Bernstein etwa hält den Premiumhersteller neben Fiat , PSA Peugeot Citroën , Ford und General Motors für nicht weniger als einen "Turnaround des Jahrzehnts".

Goldman empfiehlt Daimler

Erst Anfang dieses Monats äußerte sich zudem Stefan Burgstaller von Goldman Sachs zu den Stuttgartern. Er sehe nach den Kursverlusten im laufenden Jahr die Einstiegschance nun gekommen, so der Analyst in einer vielbeachteten Beurteilung. Der Markt sei unter anderem wegen Diskussionen um den Dieselantrieb zu pessimistisch. Eine mögliche künftige Holding-Struktur könne den Wert des Daimler-Konzerns für die Aktionäre zudem klarer machen.

Mit seinem Loblied schickte Burgstaller die Daimler-Aktie sogleich um mehr als 3 Prozent ins Plus. Vom Kursziel von 81 Euro, das der Goldman-Mann für Daimler gesetzt hat, ist das Papier mit aktuell etwa 66 Euro allerdings nach wie vor weit entfernt.

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