11.09.2017  Börsenprofi Carsten Klude erklärt

Darum dürfte der Dax nach der Bundestagswahl steigen

Von Carsten Klude
Deutscher Bundestag
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2. Teil: Was die Parteien den Autobauern versprechen

Ein weitaus differenziertes Bild ergibt sich in Bezug auf die deutsche Automobilbranche. Während Union, Sozialdemokraten und Grüne tendenziell die Förderung der E-Mobilität weiter ausbauen wollen, fordern die Freien Demokraten einen Abbau wirtschaftlicher Subventionierung. Sie fordern insbesondere die Abschaffung der Kaufprämie für Elektroautos. Eine verbindliche Zulassungsquote, wie von den Grünen gefordert, gilt bislang als unwahrscheinlich. Die Art der zukünftigen Förderung hängt primär von der Regierungskoalition ab. Von der Kaufprämie werden vor allem Anbieter begünstigt, die bereits in Serienfertigung den Markt bedienen. Von Infrastruktur- oder Entwicklungsförderung profitieren hingegen alle Automobilhersteller gleichermaßen. Hier muss sich also erst noch zeigen, wer in welcher Form von der Förderung profitiert.

Gute Konjunktur pusht Unternehmensgewinne und Dax

Wir rechnen bei einem Wahlsieg der CDU mit einer positiven Reaktion des deutschen Aktienmarkts. Dieses Verhaltensmuster konnte man bereits bei den drei vorangegangenen Merkel-Wahlsiegen in den Jahren 2005, 2009 und 2013 beobachten. Der Dax stieg in den folgenden zehn Wochen jeweils um durchschnittlich 6 Prozent an. Im Unterschied dazu fiel die Reaktion der Marktteilnehmer nach den Wahlsiegen der SPD in den Jahren 1998 und 2002 zunächst sehr negativ aus, und es kam zu zwischenzeitlichen Kursverlusten von bis zu 15 Prozent. Diese wurden allerdings vergleichsweise schnell wieder aufgeholt.

Von daher scheint es so zu sein, dass der Aktienmarkt generell von der nachlassenden Unsicherheit nach den Bundestagswahlen profitiert. Von einer deutlich positiveren Reaktion am deutschen Aktienmarkt gehen wir bei einer Regierungsbeteiligung der FDP aus. Sowohl die unternehmensfreundliche Wirtschaftspolitik der FDP als auch die noch stärkere geplante Entlastung bei den Steuern sollten der deutschen Wirtschaft starken Rückenwind verleihen. Auch längerfristig sehen wir bei einem Wahlsieg Merkels mehr Potenzial für die Aktienmärkte als im unwahrscheinlichen Fall eines Regierungswechsels und einer zukünftigen Regierung unter Führung der SPD.

Kursgewinne nach der Wahl möglich

Aufgrund der anhaltend positiven Wachstumsperspektiven stehen die Chancen gut, dass die deutschen Unternehmen ihre bereits erreichten Rekordgewinne über das Jahr 2017 hinaus weiter steigern können. Da wir zudem davon ausgehen, dass das positive Konjunkturszenario für Europa und die Weltwirtschaft insgesamt weiter anhält, rechnen wir mit einer positiven Aktienmarktentwicklung in den kommenden Monaten und neuen Jahreshöchstständen im Dax. Auch die Aufwertung des Euro sollte sich hierfür nicht als dauerhaftes Hindernis erweisen.

Bei der ganzen Diskussion und Aufregung um den EUR/USD-Wechselkurs sollte nicht vergessen werden, dass die Euro-Stärke bislang erst zwei Monate anhält. Im Jahresdurchschnitt 2017 beträgt der Wechselkurs bisher 1,1068 im Vergleich zu 1,1064 im Jahr 2016. Bleibt der Wechselkurs für den Rest des Jahres auf dem gegenwärtigen Niveau, läge der Durchschnittskurs bei knapp 1,14, dies entspräche einer Aufwertung auf Jahressicht von weniger als 3 Prozent.

Schaut man sich den Wechselkurs seit 1980 an, so lag dieser im Durchschnitt bei rund 1,20. Alles in allem sind das aus unserer Sicht genügend Gründe, die Unternehmensgewinne und den Aktienmarkt nicht abzuschreiben. Solange die Konjunkturdaten bzw. die Frühindikatoren signalisieren, dass sich der Aufschwung fortsetzt, sollte der Aktienmarkt mit dem stärkeren Euro umgehen können - wie in der Vergangenheit auch (beispielsweise 2003/ 2004/ 2005, damals wertete der Euro von 0,86 auf 1,36 auf).

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