04.09.2017  Börsenprofi Markus Zschaber erklärt

Warum sich ein Einstieg bei Adidas immer noch lohnt

Von Markus Zschaber
Fitness im Trend: Adidas hat langfristig weiter gute Wachstumschancen
Adidas
Fitness im Trend: Adidas hat langfristig weiter gute Wachstumschancen

Sport, Bewegung und Fitness begeistern seit Jahrhunderten die Menschheit und liegen heutzutage mehr im Trend als jemals zuvor. So konnte die Branche ihren Absatz 2016 deutlich steigern. Dabei profitiert die gesamte Branche, vom Hersteller von Fitnessgeräten, über Produzenten von Sportlernahrung bis hin zu den klassischen Sportartikelherstellern. Doch gibt es durchaus Unterschiede. Nicht alle Hersteller profitieren vom Fitnesstrend in gleicher Art und Weise.

Markus Zschaber

Während Marktführer Nike darum kämpfen muss, seine Position als Platzhirsch der Branche nicht zu verlieren, konnte der deutsche Konkurrent Adidas auch mit geschicktem Marketing in den letzten Monaten weiter dynamisch wachsen. So vermeldete das in Herzogenaurach ansässige Unternehmen bei der Bekanntgabe der Halbjahresergebnisse Ende Juli, dass der Umsatz im ersten Halbjahr 2017 um stattliche 19,7 Prozent auf 10,4 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum angestiegen ist. In Folge dessen erklomm die Adidas-Aktie ein neues Allzeithoch von 202,10 Euro Anfang August. Grund genug, sich das Unternehmen einmal im Detail anzuschauen und die Frage zu klären, ob sich ein Einstieg jetzt noch lohnen kann.

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Die Zahlen des ersten Halbjahres von Adidas kann man durchweg als sehr positiv bewerten. Vor allem da quasi alle wichtigen Ergebniskennzahlen sowohl über den Erwartungen des Marktes als auch über den selbst gesteckten Zielen von Adidas lagen. Bis 2020 plant Adidas einen jährlichen Umsatzanstieg von 10 bis 12 Prozent. Dementsprechend liegt das Ergebnis des ersten Halbjahres deutlich über den gesteckten Zielen, was die Anleger mit deutlichen Kursaufschlägen in den letzten Wochen honorierten und das Management dazu bewog, die Jahresprognose 2017 anzuheben. Die gestiegenen Umsätze konnte Adidas ebenfalls in Gewinn ummünzen. So legte das Betriebsergebnis im ersten Halbjahr um 20,2 Prozent auf 1,142 Milliarden Euro zu.

Das Wachstum wurde durch fast alle Regionen weltweit getragen. Nur in Russland sank der Umsatz währungsneutral um rund 10 Prozent. Ansonsten überzeugte Adidas auf allen relevanten Märkten. Vor allem in China und Nordamerika war das Wachstum mit 28 bzw. 32 Prozent besonders stark.

Die Gründe für die stark steigenden Absatzzahlen sind vielschichtig. Zunächst einmal steigen grundsätzlich die Konsumausgaben in den Industrie- und Schwellenländern. Des Weiteren führt der Modetrend "Athleisure" dazu, dass Menschen nicht nur beim Sport, sondern auch gerne in ihrer Freizeit funktionale Sportbekleidung tragen. Dadurch steigt natürlich auch der grundsätzliche Bedarf an Sportbekleidung. Dazu kommt eine im Allgemeinen steigende sportliche Aktivität der Menschen, welche mit einer gesundheitsbewussteren Lebensweise und mehr sportlicher Aktivität einhergeht. Auch die neuen, digitalen Vertriebskanäle über soziale Medien führen bei Absatz von Sportbekleidung zu positiven Effekten. Diese Effekte sollten vorerst anhalten.

Großes Potenzial steckt also zweifelsohne noch in der Aktie, aber Anleger sollten auch die derzeitigen Bewertungen nicht außer Acht lassen. Mit einem aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 28 sind die Bewertungen und die Wachstumsphantasien in der Aktie schon sehr hoch angesetzt und vieles wurde hier schon eingepreist. Nicht grundlos äußerte sich Kasper Rorsted, der Vorstandsvorsitzende von Adidas, vor einigen Tagen und warnte vor zu hohen Erwartungen an die nächsten Jahre. Das Wachstumstempo wie im ersten Halbjahr 2017 sei so nicht fortzusetzen.

Vor allem ein schwächelnder US-Dollar könnte zu Gegenwind führen. Adidas erzielt nur etwa 30 Prozent seiner Erlöse in Euro. Damit unterliegen die Erlöse von Adidas stark den unterschiedlichen Währungseinflüssen. Sollte sich der Trend eines stärker werdenden Euros fortsetzen, würde sich das direkt in den Ergebnissen von Adidas bemerkbar machen. Auch die hohen Bewertungen und damit verbunden die hohen Erwartungen an Adidas können dann in Enttäuschung umschlagen.

Dennoch, trotz der nicht von der Hand zu weisenden Risiken ist und bleibt Adidas eines der Unternehmen mit den höchsten Entwicklungsmöglichkeiten auf dem deutschen Aktienmarkt. Eine steigende Globalisierung, wachsender Wohlstand und der fortlaufende Trend einer gesünderen Lebensweise werden Adidas mittelfristig Rückenwind geben. Doch die Wachstumsdynamik könnte durchaus stärkeren Schwankungen unterliegen, dies sollte jedem Anleger schlichtweg bewusst sein. Ansonsten bin ich sehr positiv gestimmt für den deutschen Sportartikelhersteller. Für interessierte, nicht risikoscheue Anleger könnten Rücksetzer eine gute Gelegenheit zum Einstieg sein, auch wenn man hier einen gewissen Anlagehorizont definitiv mitbringen sollte.

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