08.08.2017  Börse

Dollar-Erholung und Dow-Rekord schieben Dax an

Deutschlands Exporte sind im Juni im Vergleich zum Vormonat deutlich gesunken. Da am Nachmittag jedoch der US-Leitindex Dow ein neues Rekordhoch markiert und auch der Dollar gegenüber dem Euro zulegt, dreht der Dax im späten Handel in die Gewinnzone.

Späte Erholung: Der Dax ist am Dienstag Nachmittag im späten Handel ins Plus gedreht. Anlass für die Kursgewinne waren die Gewinne an der Wall Street sowie die Erholung des Dollar gegenüber dem Euro. Zuletzt notierte der Dax knapp im Plus und pendelte um die Marke von 12.300 Zählern, nachdem er zuvor bereits unter die Marke von 12.200 Punkten getaucht war.

Auch MDax und TecDax erholten sich - ebenso wie der EuroStoxx. Für eine Schwächung des Euro sorgten unter anderem schwache Konjunkturdaten: Aus Deutschland und China kamen enttäuschende Daten zum Außenhandel, nachdem bereits am Montag ein Rückgang von Deutschlands Industrieproduktion Volkswirte überrascht hatte.

Euro gibt zum Dollar etwas nach

Der Kurs des Euro ist am Dienstag daraufhin im späten Handel gegenüber dem Dollar zurückgefallen. Bis zum Mittag kletterte die Gemeinschaftswährung noch auf 1,1816 US-Dollar, fiel dann aber wieder deutlich zurück. Der Erholungsversuch des US-Dollar stützte auch den deutschen Leitindex Dax, da Waren außerhalb Europas durch einen schwächeren Euro günstiger werden.

Deutsche Post auf Rekordhoch

Im Dax schauen die Anleger auf die Deutsche Post , die dank des Booms im Paket- und Expressgeschäft im zweiten Quartal auf Wachstumskurs geblieben ist. Nach den jüngsten Quartalszahlen kletterten die Titel mit 34,78 Euro auf ein Rekordhoch. Zuletzt standen sie an der Dax-Spitze mit einem Plus von 1,4 Prozent etwas darunter.

MDax: Uniper legt deutlich zu

Zudem standen aus dem MDax die Quartalsbilanzen von Uniper, Jungheinrich, Alstria Office und Rational im Blick. Der Versorger Uniper will seinen Aktionären mehr Dividende zahlen. Die Aktien gewannen als bester Index-Wert knapp 3 Prozent und erreichten zuvor mit 18,95 Euro ebenfalls einen Höchststand. Der Gabelstapler-Hersteller Jungheinrich erhöhte die Prognose für 2017; die Aktien drehten allerdings ins Minus und standen 0,83 Prozent tiefer.

Auch der Immobilienkonzern Alstria hob die Prognose etwas an, der Kurs gab jedoch um rund 2 Prozent nach. Auch für die Titel des Großküchengeräte-Herstellers Rational ging es um fast 2 Prozent abwärts.

Apple schiebt Dow Jones auf Rekordhoch - den zehnten Tag in Folge

An der Wall Street kletterte der Dow Jones mit einem Plus von 0,2 Prozent über die Marke von 22.100 Punkten und markierte damit den zehnten Tag in Folge ein Rekordhoch. Stärkster Wert im Dow war Apple : Die Aktie notiert ebenfalls auf Rekordniveau.

"Der Euro bleibt das Zünglein an der Waage bei der entscheidenden Frage, ob der Dax seine Korrektur bilderbuchmäßig bei 12.100 Punkten beendet hat, oder ob in den kommenden Tagen doch noch einmal die runde Marke von 12.000 Punkten einem Test unterzogen wird", sagte Jochen Stanzl von CMC Markets.

Wachstum auch in Schwellenländern

"Konjunkturdaten deuten auf ein synchrones Wachstum sowohl in den Industrie- als auch in den Schwellenländern hin", sagte Brian Coulton, Chefvolkswirt der Rating-Agentur Fitch. Die deutschen Exporte gingen im Juni allerdings so stark zurück wie seit zwei Jahren nicht mehr. "Kein Wunder, der hohe Wechselkurs verteuert deutsche Waren im Ausland", sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. "Viele Unternehmen können dem Anstieg des Euro nur mit niedrigeren Verkaufspreisen oder aber mit rückläufigen Umsätzen begegnen. Beides führt zu niedrigeren Gewinnen."

Euro um 12 Prozent über Niveau zu Jahresbeginn

Die Gemeinschaftswährung verbilligte sich zwar am Dienstag um etwa einen guten halben US-Cent auf 1,1739 Dollar. Damit notierte sie aber immer noch rund zwölf Prozent über dem Niveau vom Jahresbeginn. Einen Auslöser für die aktuellen Kursverluste konnten Börsianer nicht nennen, sie tippten auf Gewinnmitnahmen.

Unterdessen verlaufe die Bilanzsaison erfreulich, sagte Analyst Ken Odeluga vom Brokerhaus City Index. Es gebe zwar negative Ausreißer, aber insgesamt fielen die Geschäftszahlen überdurchschnittlich aus. Reuters-Daten zufolge haben bislang 60 Prozent der europäischen Unternehmen die Markterwartungen ge- oder sogar übertroffen.

Mode-Aktien Ralph Lauren und Michael Kors im Aufwind

An der Wall Street legten Ralph Lauren gut neun Prozent zu. Der Umsatz des Modekonzerns ging zwar um 13 Prozent zurück, dank geringerer Rabatte kehrte die Firma aber in die Gewinnzone zurück.

Konkurrent Michael Kors hob sogar seine Ziele an, nachdem Umsatz- und Gewinnschwund im abgelaufenen Quartal geringer ausfielen als befürchtet. Die Aktien schossen daraufhin mehr als 20 Prozent in die Höhe.

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US-Bank Citigroup senkt Kursziel für Deutsche Bank drastisch

Eine trübe Analysteneinschätzung hat die Aktien der Deutschen Bank am Dienstag belastet. Mit einem Verlust von 0,4 Prozent auf 15,405 Punkten gehörten die Papiere des heimischen Branchenprimus zu den drei schwächsten Werten im Dax . Die US-Bank Citigroup hat das Kursziel für die Deutsche Bank nach den Ergebnissen des zweiten Quartals von 12,00 auf 9,50 Euro gesenkt und rät weiterhin zum Verkauf.

Das Kursziel liegt nur unweit des Rekordtiefs der Deutschen-Bank-Aktie aus dem Herbst vergangenen Jahres. Damals hatte eine drohende Multi-Milliarden-Dollar-Strafe aus den USA den Kurs abstürzen lassen, Kunden verschreckt und sogar Spekulationen über Staatshilfe geschürt. Am Ende kam die Bank mit einem Vergleich glimpflich davon.

Beobachten sollten Anleger auch die seit dem Börsengang im Juni durchwachsen gelaufenen Aktien von Delivery Hero . Gut sechs Wochen nach dem Börsengang der Papiere des Essens-Lieferdienstes starteten einige Analysten das Papiere mit Kaufempfehlungen - so Goldman Sachs, Berenberg und Jefferies.

Ölpreise leicht gesunken

Die Ölpreise sind leicht gesunken. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Oktober 52,16 US-Dollar. Das waren 21 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) mit Lieferung im September fiel um 17 Cent auf 49,22 Dollar.

Am Ölmarkt liegt der Fokus weiter auf einem zweitägigen Treffen von Vertretern der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) und von anderen wichtigen Förderländern. Bei den Treffen, das bereits am Vortag begonnen hatte, geht es vor allem um die Frage, warum einige Förderstaaten eine gemeinsam beschlossene Produktionskürzung nicht einhalten. Der Markt warte auf eine Bestätigung, dass die an der Kürzung beteiligten Staaten an ihren Zusagen festhalten, sagte ein Analyst.

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mg/dpa-afx

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