04.08.2017  Börsenrekorde in USA - Europas Anleger haben nichts davon

Wenn der Dollar die Rendite frisst

Von
Händler an der Wall Street: Von den Kursgewinnen der US-Aktien kommt zurzeit in Europa nicht viel an
Getty Images
Händler an der Wall Street: Von den Kursgewinnen der US-Aktien kommt zurzeit in Europa nicht viel an

An der Wall Street eilen die Aktienkurse von Rekord zu Rekord - doch hiesige Anleger haben nichts davon. Der schwache Dollar macht die Kursgewinne wieder zunichte - und das ist kein Einzelfall.

An der Börse gibt es momentan zwei Welten: Während in Europa die Aktienkurse seit einigen Wochen abrutschen, klettern sie insbesondere in den USA von Rekordhoch zu Rekordhoch.

Ein Vergleich der beiden wichtigsten Blue-Chip-Indizes macht das deutlich: Der deutsche Leitindex Dax hat seit seinem Höchststand von mehr als 12.950 Punkten im Juni dieses Jahres rund 6 Prozent an Wert verloren. Der amerikanische Dow Jones dagegen legte im gleichen Zeitraum um mehr als 2 Prozent zu und notiert seit wenigen Tagen erstmals in seiner Geschichte oberhalb der 22.000-Punkte-Marke.

Ähnlich sieht das Bild aus, wenn die Zeitachse verlängert wird: Seit Jahresanfang verzeichnet der Dow Jones inzwischen einen Wertzuwachs von rund 12 Prozent. Beim breiteren US-Index S&P 500 sind es immerhin rund 9 Prozent und beim Index der Technologiebörse Nasdaq sogar 14 Prozent. Der Dax dagegen kommt angesichts der jüngsten Schwächephase nur noch auf eine 2017er Performance von vergleichsweise mageren 6 Prozent.

Jetzt in US-Aktien investieren? Vorsicht ist geboten

Ist die Wall Street also für hiesige Anleger zurzeit das attraktivere Spielfeld? Nicht so voreilig.

Wer die Frage richtig beantworten will, muss noch einen weiteren Faktor berücksichtigen: nämlich den Wechselkurs zwischen Euro und Dollar. Der Dollar hatte bekanntlich nach dem Wahlsieg Donald Trumps weltweit zu einem Höhenflug angesetzt. Dieser endete allerdings wenige Monate später, ziemlich genau zum Jahreswechsel, bereits wieder - und kehrte sich um.

Folge: Seit Anfang 2017 hat der Euro gegenüber dem Dollar in der Spitze um mehr als 13 Prozent zugelegt. Nachdem am Freitag starke Arbeitsmarktdaten aus den USA den Dollar-Kurs beflügelt haben, beträgt das Plus auf Sicht der abgelaufenen sieben Monate in diesem Jahr immerhin noch gut 12 Prozent.

Beobachtern zufolge war die bisherige Dollar-Schwäche im laufenden Jahr einer der Gründe dafür, dass die Aktienkurse an der Wall Street zuletzt so stark gestiegen sind. Denn ein schwacher Dollar verbessert die Geschäftsaussichten US-amerikanischer Firmen auf den Weltmärkten, weil deren Produkte und Dienstleistungen in anderen Ländern dadurch günstiger werden.

Entsprechend ließ die Reaktion der Börse auf den Dollar-Sprung am Freitag nicht lange auf sich warten: Der gleichzeitig eingeknickte Euro ließ wiederum den Dax um mehr als ein Prozent in die Höhe schnellen.

Was US-Aktien an Wert gewinnen, macht der starke Euro wieder zunichte

Aus Sicht hiesiger Investoren ist jedoch ein anderer Aspekt der Wechselkurs-Entwicklung ebenfalls wichtig: Die Schwäche des Dollars führt dazu, dass europäische Anleger, sofern sie an der US-Börse investiert haben, von den Kursgewinnen dort in ihren Depots deutlich weniger mitbekommen.

Kurz gesagt: Was die US-Aktien an Wert gewinnen, macht der Dollar durch seinen Tiefflug wieder zunichte. Angenommen, ein Anleger in Deutschland hätte zu Jahresbeginn US-Aktien im Wert von 5000 Euro gekauft, die seitdem an der Wall Street um 13 Prozent zugelegt haben. Der Depotwert des Anlegers wäre auch jetzt noch - trotz des Kursanstiegs - bei 5000 Euro, da die Kursgewinne komplett von den Kursverlusten des US-Dollar zum Euro aufgefressen wurden.

Auch Gold-Anleger in Europa leiden unter schwachem Dollar

Das ist ein Phänomen, das sich auch anderswo beobachten lässt. Der Goldpreis etwa ist seit Jahresbeginn um etwa 10 Prozent gestiegen. Freude also bei Goldbesitzern, könnte man meinen - aber nicht in der Euro-Zone. Weil der Goldpreis in Dollar notiert wird, muss auch in diesem Fall die Wechselkursverschiebung eingerechnet werden. Sie führt dazu, dass hiesige Gold-Fans seit Jahresanfang sogar ein kleines Minus verzeichnen.

Oder die Börse in London: Der dortige Standardindex FTSE 100 stieg in den vergangenen zwölf Monaten um etwa 11 Prozent, während das britische Pfund unter anhaltendem "Brexit"-Druck um etwa 7 Prozent weiter abwertete. Die Kursgewinne für Anleger aus dem Ausland fielen dadurch merklich geringer aus.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Die Beispiele zeigen, mit welchen Unwägbarkeiten Investoren zusätzlich klarkommen müssen, wenn sie nicht nur in der Euro-Zone, sondern weltweit anlegen. Der Wunsch, das Risiko im Depot so weit wie möglich zu verringern, kann zwar eine solche breite Streuung sinnvoll erscheinen lassen. Mit den Wechselkursen zwischen verschiedenen Währungen kommt dann jedoch auch ein Faktor ins Spiel, der sowohl zusätzliche Chancen als auch Risiken mit sich bringt. Das müssen international agierende Investoren einkalkulieren.

Nachrichtenticker

Leser-Empfehlungen