07.07.2017  G20 und Börse

Warum Kapitalismus-Kritik immer mehr Anhänger findet

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In Hamburg prallen zurzeit nicht nur Polizei und Demonstranten aufeinander, sondern auch Meinungen über das Weltwirtschaftssystem
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In Hamburg prallen zurzeit nicht nur Polizei und Demonstranten aufeinander, sondern auch Meinungen über das Weltwirtschaftssystem

Verbessert der Kapitalismus die Welt? Die Zweifel wachsen, ob unser Wirtschaftssystem wirklich den Wohlstand für alle fördert. Während gewalttätige Chaoten verurteilt werden müssen, verdienen diejenigen, die friedlich gegen Kapitalismus demonstrieren, durchaus Gehör.

G20-Gipfel in Hamburg - da prallen nicht nur auf den Straßen der Hansestadt Welten aufeinander, wo sich schon seit Anfang der Woche Polizei und Demonstranten unversöhnlich gegenüberstehen. Auf der einen Seite die Befürworter des Kapitalismus, und auf der anderen dessen Gegner - so lässt sich, stark vereinfacht, die Gemengelage aus ökonomischer Sicht beschreiben.

Aber wer hat recht? Es hilft zunächst ein Blick auf die Grundzüge der Argumentation.

Die Freunde des Kapitalismus sagen: Versehen mit den richtigen Regeln und Rahmenbedingungen kann dieses Wirtschaftssystem zu mehr materiellem Wohlstand für alle führen. Und davon profitieren angeblich insbesondere auch jene, die selbst am wenigsten zu eigener wirtschaftlicher Leistung imstande sind.

Dagegen halten die Kapitalismus-Gegner (ebenfalls stark vereinfacht): Dieses System basiert auf Egoismus und der Maximierung des persönlichen Nutzens. Das hat zur Folge, dass einige wenige Privilegierte die große Mehrheit der Bevölkerung ausbeuten, um sich selbst immer weiter zu bereichern. Weil dabei der materielle Profit so sehr im Zentrum des Strebens steht, kommen zudem die eigentlich wichtigeren Ziele der Gesellschaft wie die Verbesserung des Gemeinwohls oder der Schutz des Lebensraums Umwelt allzu häufig zu kurz.

Wohlstand ist ungleich verteilt - und die Erde wird ausgebeutet

Soweit die Theorie, in der, wie es scheint, beide Seiten einen Punkt machen. Doch wie sieht es in der Praxis aus? Tatsächlich hat sich in den vergangenen Jahrzehnten die Lebenssituation vieler Menschen verbessert, und ein Grund dafür war zweifellos das Wirtschaften auf größtenteils kapitalistischen Grundlagen, inklusive voranschreitender Globalisierung. Doch das ist nur die halbe Wahrheit.

Denn der genaue Blick zeigt die Schattenseiten dieser Entwicklung. Viele Probleme in der Welt - auch wirtschaftliche - sind nicht nur noch immer ungelöst, sie scheinen sich zum Teil vielmehr sogar zu verschärfen. Ein Beispiel ist die materielle Ungleichverteilung in der Weltbevölkerung, ein anderes der voranschreitende Klimawandel.

Der Grund für diese Missstände: Der Kapitalismus hat tatsächlich, wie von seinen Kritikern betont, einige grundlegende Charakterzüge, die für sein dauerhaftes Bestehen unabdingbar scheinen. Diese Merkmale jedoch tragen bestenfalls zum Erfolg einzelner Individuen in dem System bei. Dem Allgemeinwohl dagegen sind sie alles andere als zuträglich - eher schaden sie ihm.

Die wohl wichtigsten Schwächen lassen sich auch an der Börse, der Herzkammer des kapitalistischen Systems, gut beobachten.

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