20.06.2017  Harter Kampf im Einzelhandel

Amazon nicht am Ziel - wer bietet mehr für Whole Foods?

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Lebensmittel bei Amazon: Der Online-Händler breitet sich immer weiter aus
Amazon
Lebensmittel bei Amazon: Der Online-Händler breitet sich immer weiter aus

Eigentlich schien die Sache klar: Der Online-Riese Amazon will den amerikanischen Lebensmitteleinzelhändler Whole Foods übernehmen - und dieser Wunsch stößt offenbar auf Gegenliebe. Gleich mit dem Übernahmeangebot gab Amazon bekannt, Whole-Foods- Vorstandschef und Mitgründer John Mackey werde auch nach dem Deal im Amt bleiben, und auch die Zentrale der Firma in Austin bleibe bestehen.

Mackey seinerseits sieht dem Zusammenschluss offenbar ebenfalls mit großer Vorfreude entgegen. Laut "Financial Times" beschrieb er das Zusammentreffen von Amazon und Whole Foods gegenüber Mitarbeitern als "Liebe auf den ersten Blick".

Alles bereits in trockenen Tüchern also? Nicht, wenn es nach den Investoren und Analysten an der Wall Street geht. Dort wird bereits kräftig darüber spekuliert, dass noch mindestens ein weiterer Bieter für das Lebensmittelunternehmen auftauchen könnte. Das sorgte am Montag für reges Interesse an den Aktien von Whole Foods, so dass die Papiere um 1,3 Prozent auf einen Kurs von 43,22 Dollar stiegen.

Zur Orientierung: Amazon bietet lediglich 42 Dollar je Whole-Foods-Aktie, was dem Deal ein Volumen von insgesamt 13,7 Milliarden Dollar verschafft. Auch das stellt gegenüber den letzten Kursen von gut 33 Dollar bereits einen ordentlichen Aufschlag dar.

Investoren setzen auf Wettbieten um Whole Foods

Der Anstieg des Whole-Foods-Kurses auf mehr als 43 Dollar ist allerdings durch die Amazon-Offerte allein nicht zu erklären. Entsprechend klingen die Kommentare der Analysten: Sie wäre nicht überrascht, wenn weitere Unternehmen auftauchen würden und Angebote für Whole Foods abgäben, schrieb Karen Short von Barclays einem Bericht von CNN zufolge. Ihr Kursziel für Whole Foods setzte sie gleichzeitig hinauf auf 48 Dollar - etwa 15 Prozent mehr als die Offerte von Amazon.

Short schrieb laut CNN, dass eigentlich alle Einzelhandelsunternehmen, die unter der immer stärkeren Konkurrenz von Amazon zu leiden hätten, über ein eigenes Angebot für Whole Foods nachdenken könnten, allein schon, weil sie einfach zu viel zu verlieren hätten. Als Bieter kämen demnach beispielsweise der weltgrößte Einzelhändler Wal-Mart oder die US-Supermarktkette Kroger in Frage.

Ähnlich sieht es Rupesh Parikh, Analyst bei Oppenheimer. Auch er hob sein Kursziel für Whole Foods auf 45 Dollar an. Große Einzelhandelsunternehmen dürften einiges in Bewegung setzen, um Amazon daran zu hindern, noch mächtiger zu werden, so seine Vermutung. Schließlich sei Whole Foods durch die Amazon-Offerte gemessen an den Aussichten des Lebensmittelunternehmens eher noch zurückhaltend bewertet.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Der Aufwärtstrend der Whole-Foods-Aktie sei robust, sagte vor dem Hintergrund Portfoliomanager Dennis Davitt dem US-Wirtschaftssender CNBC. Im Markt sei zudem zu hören, dass die Entwicklung noch weitergehen dürfte. Der Grund: Laut Davitt gibt es zurzeit Investoren, die nicht unwesentliche Beträge in Optionsscheine auf die Whole-Foods-Aktie stecken. Und zwar in solche Optionen, die wertlos wären, sollte die Firma auf dem gegenwärtigen Preisniveau übernommen werden.

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