18.05.2017  Nervosität an der Börse

Dax schließt erneut im Minus

Finanzminister Steve Mnuchin: Der Ex-Goldman-Sachs Banker hält 3 Prozent Wachstum für möglich
AP
Finanzminister Steve Mnuchin: Der Ex-Goldman-Sachs Banker hält 3 Prozent Wachstum für möglich

Der Dow Jones startet nach seinem Kursrutsch einen zaghaften Erholungsversuch. US-Finanzminister Steve Mnuchin verspricht im US-Senat Erleichterungen für Banken. Dax-Anleger brauchen starke Nerven.

Anleger in Lauerstellung: Obwohl sich der US-Dollar am Donnerstag bei 1,11 Euro stabilisert hat, bleibt die Nervosität an der Wall Street hoch. Der US-Leitindex Dow Jones legte im frühen Handel um 0,3 Prozent zu, während der Nasdaq Composite trotz des Kurseinbruchs bei Cisco um 0,5 Prozent zulegen konnte. Im US-Senat versucht derweil US-Finanzminister Steven Mnuchin, die von Trump versprochenen Steuererleichterungen zu präzisieren und Anleger zu beruhigen. Ein Wachstum der US-Wirtschaft um 3 Prozent sei möglich, wenn die geplanten Deregulierungen und Steuererleichterungen umgesetzt würden, sagte Mnuchin.

Am Vortag hatte der Leitindex vor dem Hintergrund der jüngsten Trump-Affären bereits den größten Tagesverlust seit September erlitten. Viele Investoren halten sich nach dem gestrigen Kursrutsch zunächst zurück und wollen abwarten, ob der Kursverfall weitergeht.

Dax reduziert Verluste und schließt knapp unter 12.600 Zählern

Auch am deutschen Aktienmarkt bleiben Anleger nervös. Der Dax , der bereits am Mittwoch den größten Tagesverlust seit der Trump-Wahl erlitten hatte, notierte am Donnerstag zum Handelsschluss auf Xetra (17.30 Uhr) 0,3 Prozent schwächer bei 12.590 Punkten. Am Mittag war der Dax zeitweise schon unter die Marke von 12.500 Zählern gefallen. Zu den wenigen Kursgewinnern im Dax zählten Bayer und Fresenius Medical Care , die jeweils rund 1 Prozent gewannen.

Abkühlung an der Börse "überfällig"

Laut Ralf Zimmermann vom Bankhaus Lampe handelt es sich um eine "längst überfällige" Gegenbewegung in einem zuletzt heiß gelaufenen Marktumfeld. Festgemacht am marktbreiten Index S&P 500 , der sich zuletzt auf eine Rekordjagd begeben hatte, bezeichnete er die US-Börsen als "auffällig überbewertet".

Aktien von Cisco brechen ein, Wal-Mart legen zu

Bei den Einzelwerten stehen am Donnerstag nochmals die Ausläufer der Berichtssaison im Vordergrund. Am Vorabend schon konnte Cisco nicht überzeugen: Weil der US-Netzwerkspezialist vorerst nur mit mauen Geschäften rechnet, brachen die Papiere vorbörslich um mehr als 7 Prozent ein. Deutlich stärker als von Analysten erwartet, rechnet das Unternehmen im laufenden Quartal mit einem Schrumpfen des Umsatzes um 4 bis 6 Prozent.

Besser erging es vorbörslich den Wal-Mart Papieren mit fast 2 Prozent Plus. Der Handelsriese ist mit soliden Zuwächsen in das neue Geschäftsjahr gestartet. Ein um 1,4 Prozent gestiegener Umsatz führte unter dem Strich im ersten Geschäftsquartal zu einem unerwartet hohen Ergebnis von 1 Dollar je Aktie.

Dow Jones mit größtem Tagesverlust seit acht Monaten

Zuvor hatte der Dow Jones mit einem Verlust um 1,8 Prozent auf 20.606 Punkte den größten prozentualen Tagesverlust seit September vergangenen Jahres erlitten. Die Investoren reagierten verschreckt auf immer neue Vorwürfe gegen US-Präsident Donald Trump. Auch der Dollar kam zu anderen Währungen unter Druck. Im Gegenzug waren US-Staatsanleihen als sichere Anlagen gesucht. Der Dollar notiert zum Euro auf 6-Monats-Tief.

Der marktbreite S&P-500-Index büßte am Mittwoch 1,82 Prozent auf 2357,03 Punkte ein, nachdem er am Dienstag noch eine Bestmarke erreicht hatte. Für den konjunktursensiblen Technologiewerte-Index Nasdaq Composite ging es gar um 2,5 Prozent auf 5580 nach unten. Einem Insider zufolge soll Trump den inzwischen entlassenen FBI-Chef James Comey gedrängt haben, die Untersuchung der Verbindungen des ehemaligen Nationalen Sicherheitsberaters Michael Flynn zu Russland einzustellen. Anleger hätten große Hoffnungen auf Trumps Pläne zur Ankurbelung der Konjunktur gesetzt, sagte Analyst David Madden vom Online-Broker CMC Markets. "Der jüngste Skandal verzögert seine Pläne im günstigsten Fall und im schlimmsten Fall werden sie nicht umgesetzt."

Dollar wieder auf Niveau von November 2016

Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, fiel am Mittwoch um 0,6 Prozent auf 97,490 Punkte und lag damit wieder auf dem Niveau vor Trumps Wahl. "Der letzte Rest des 'Trump-Dollars' ist dahin", sagte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. Die Hoffnung auf einen US-Wirtschaftsboom und rasche Zinserhöhungen der Notenbank Fed hatte den Dollar-Index im Januar auf ein 14-Jahres-Hoch von 103,82 Zählern gehievt.

Die aktuelle Talfahrt des US-Währung ist nach Ansicht von Leuchtmann noch nicht zu Ende. "Wir können weder annehmen, dass die in täglicher Frequenz auftauchenden Skandalmeldungen abreißen, noch, dass der Twitter-Sturm des US-Präsidenten abebbt."

Auch Asiens Börsen unter Druck

Auch in Asien gerieten die wichtigsten Indizes unter Abgabedruck. In Tokio notierte der 225 Werte umfassende Nikkei 1,4 Prozent im Minus mit 19.530 Punkten. Das überraschend starke Wirtschaftswachstum in Japan im ersten Quartal rückte in den Hintergrund. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans verlor 0,4 Prozent.

Am Devisenmarkt in Fernost präsentierte sich der Dollar etwas erholt von seinen jüngsten Kursverlusten. Der Euro sank 0,1 Prozent auf 1,1152 Dollar. Zur japanischen Währung legte der Dollar um 0,3 Prozent zu auf 111,18 Yen. Der Schweizer Franken tendierte zum Euro mit 1,0924 und zum Dollar mit 0,9796.

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