21.04.2017  Börsenprofi Carsten Mumm erklärt - alles zum Thema Eurokurs

Währungskrieg 3.0 - kann es überhaupt Gewinner geben?

Von Carsten Mumm
REUTERS

4. Teil: Ein technischer Blick auf den Kursverlauf Euro zu US-Dollar

An den Finanzmärkten zeigt sich der US-Dollar seit Wochen unentschlossen, das liegt wohl eher an den bevorstehenden Wahlen in Europa, als an den Verbalattacken aus Übersee. Im März lag der Euro jeweils zu Beginn und am Ende des Monats bei rund 1,06 US-Dollar. Zwischenzeitlich konnte die europäische Einheitswährung bis auf 1,09 US-Dollar aufwerten.

Vieles hatte zunächst allerdings für einen stärkeren US-Dollar gesprochen. Die Fed erhöhte letzten Monat erwartungsgemäß die Leitzinsen um 25 Basispunkte auf 0,75 bis 1,00 Prozent. Die Aussicht auf weitere Zinserhöhungen in diesem Jahr wurde seitens den US Notenbankern mehrmals wiederholt. Die nur vorübergehende Stärke des Euro lässt sich durch die widersprüchlichen Aussagen führender Entscheidungsträger erklären. Der Chef der österreichischen Zentralbank ließ verlautbaren, dass die Leitzinsen durchaus auch vor Beendigung des Anleihekaufprogramms (QE) angehoben werden könnten. Umgehend wurde dies von Vertretern der EZB entkräftet. Diese bezogen sich dabei auf den Einlagenzins. Der kurze Euro-Höhenflug war somit wieder gestoppt.

Für eine nachhaltige Trendumkehr bedarf es ohnehin auch weiterhin nachhaltiger Notierungen oberhalb von 1,15 US-Dollar. Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) könnte durch die aktuellen Inflations- und Arbeitsmarktdaten mittelfristig beeinflusst werden. Der Fokus gilt kurzfristig nun den 1,08. Auf diesem Niveau verläuft aktuell die 200-Tage-Linie.

Zudem bildete sich zuletzt eine "Inverse Schulter-Kopf-Schulter-Formation" aus. Beim nachhaltigen Durchbruch der 1,08 (Nackenlinie) hätte dies Notierungen um die 1,13 US-Dollar zur Folge. Allerdings wäre selbst dann der primäre Abwärtstrend noch bis 1,15 US-Dollar intakt. Das Obere Bollinger-Band verläuft ebenfalls bei rund 1,08 US-Dollar. Die "dreifache Deckelung" von charttechnischem Widerstand, 200-Tage-Linie sowie Oberem Bollinger-Band wiegt schwer. Ein Anlaufen der 1,08 ist daher kurzfristig möglich. Dieses technische "Top" bleibt aber sehr massiv und das Währungspaar somit weiterhin im Niemandsland.

Resümierend glauben wir, dass Währungsveränderungen nur temporäre Vorteile für einzelne Ökonomien schaffen können, langfristig zählt das stabile Verhältnis von etablierten Import/Export-Beziehungen, um die Entscheider der Wirtschaft zu Investitionen anzureizen. Denn Wachstum generiert sich aus Vertrauen in die Zukunft und nicht auf verbale Eskapaden neuer Regierungen und deren unüberlegte Dekrete.

Donald Trump könnte also mit seinem Vorgehen allen Beteiligten eher einen Bärendienst erweisen. Der offensichtliche Grad an Ignoranz gegenüber Europa fußt wohl auch auf dem Irrglauben, einzelne Staaten könnten mit ihren politischen Maßnahmen auf den Euro-Wechselkurs Einfluss nehmen. Eine Nachschulung in Ökonomie könnte an dieser Stelle für die US-Administration durchaus Sinn machen, um mehr internationale Kompetenz zu erlangen.

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