21.04.2017  Börsenprofi Carsten Mumm erklärt - alles zum Thema Eurokurs

Währungskrieg 3.0 - kann es überhaupt Gewinner geben?

Von Carsten Mumm
REUTERS

2. Teil: America First - Basisarbeit für einen starken Dollar

Das gegenwärtige Geldproduktionsmonopol haben die staatlichen Zentralbanken inne, sie gelten als unabhängig von der Politik und haben sich der Währungsstabilität verpflichtet. Läuft es in einer Volkswirtschaft einmal nicht so gut, weil zum Beispiel fiskalpolitische Rahmenparameter versagen, ist der Anreiz groß, mittels geldpolitischer Eingriffe die internationalen Wechselkurse nicht nur indirekt, sondern auch direkt zu beeinflussen. Ein veritables Beispiel dafür liefert die Europäische Zentralbank (EZB), die seit Ausbruch der Finanzkrise viele Maßnahmen der Geldvermehrung in Angriff genommen hat.

Letztes bekanntes Mittel ist der indirekte Ankauf von Staatsanleihen (Quantitative Easing) zu Gunsten der öffentlichen Refinanzierung und zu Lasten einer fortwährend steigenden Geldmenge. Das neu geschaffene Geld landet derzeit in den Kapital- und Kreditmärkten, ohne dass die private Kreditvergabe dabei nennenswerte Ausdehnungen erfährt. Die konsolidierte EZB-Notenbankbilanz erreichte so Ende 2016 einen Wert von 3,66 Billionen Euro, sie soll erst in 2018 allmählich wieder sinken.

Die USA sind es schon länger gewohnt, mit dem Dollar Politik zu betreiben und der frisch gewählte 45. Präsident gibt sich besonders Mühe, seinen zentralen Handelspartnern unlautere Währungsmanipulation zu unterstellen. Die wichtigsten unter ihnen sind Deutschland, Mexiko, China, Japan und Korea - vor der Schelte der Trump-Administration ist aber derzeit kaum ein Partner sicher.

Nach den Vorwürfen gegen Deutschland, die Euro-Währung zu eigenen Gunsten zu steuern, richtete sich der Affront gegen Nippon und wiederum China. Nach Trumps Auffassung würden beide Länder die global geltenden Spielregeln nach Gutdünken auslegen und ihre eigenen Währungen ständig abwerten. "Und wir sitzen hier wie eine Horde Dummköpfe", sagte Trump am Rande einer Veranstaltung der Pharmaindustrie Amerikas. Noch schneller als die prompte Verneinung aus Tokio war das Dementi der Bundeskanzlerin zu hören, die jegliche Spekulation über die Integrität sowohl der Bundesbank als auch der EZB entschieden zurückwies. An den Verunglimpfungen konnte dieses Dementi aber nicht mehr rütteln.

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Die auffällige Häufung und ungewöhnliche Schärfe der Beschimpfungen aus Washington schüren nun die Sorge, dass sich die USA nach zwei Jahrzehnten endgültig vom bisherigen Credo eines starken Dollar lossagen könnten. Einst beschied John Connally, US-Finanzminister unter Richard Nixon, den Rest der westlichen Welt: "Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem." Befürchtet wird diesmal, dass Trump womöglich sogar ganz bewusst einen Währungskrieg mit dem Rest der Welt anzetteln könnte. Damit offenbart sich, dass die protektionistischen Ziele seiner Administration ganz offensichtlich auch Währungsfragen beinhalten.

Ein finaler Schritt bis zur Abkehr vom bisherigen System freier Wechselkurse wäre dann auch nicht mehr allzu weit. Vorerst halten sich aber die Argumente für und wider den US-Dollar die Waage. Für den US-Dollar spricht, dass die amerikanische Wirtschaft sich in guter Verfassung befindet: Es herrscht quasi Vollbeschäftigung und die Unternehmensgewinne steigen kontinuierlich. Unter dem Strich wächst die Wirtschaft zwar noch eher moderat (BIP 2016 nur +1,6 Prozent) - aber immerhin besser als in Europa und die Inflation ist für die Notenbanker noch immer zu niedrig. Optimale Voraussetzungen für eine fortgesetzte Anhebung des US-Leitzinses und damit implizit einer weiteren Dollarstärkung.

Das überbordende Argument für eine starke US-Währung heißt aber "America first": Künftig sollen die Importe im Rahmen bleiben, d.h. man erzieht den US-Konsumenten zu "Buy American", somit kann das chronische Leistungsbilanzdefizit spürbar zurückgehen. Wenn die Industriepolitik eines Staates gänzlich aus dem Ruder läuft, sind sogar Eingriffe der Notenbanken möglich, doch nicht immer sind sie erfolgreich.

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