21.04.2017  Börse

Zurückhaltung vor Frankreichs Schicksalswahl

Am letzten Handelstag vor den Präsidentschaftswahlen in Frankreich hat die Nervosität an den Börsen zugenommen. Der Dax hält sich knapp im Plus.

Gestützt auf solide Firmenbilanzen arbeiteten sich Dax und EuroStoxx50 bis zum Freitagnachmittag zwar jeweils um 0,3 Prozent auf 12.074 und 3450 Punkte nach oben. Der Aktienindex der französischen Börse CAC40 lag allerdings leicht im Minus. Im Dax waren vor allem die Aktien von Deutscher Bank und BMW gefragt, die jeweils um rund 1,5 Prozent zulegten.

Am Devisenmarkt fiel der Euro um 0,2 Prozent auf ein Drei-Tagestief von 1,0689 Dollar. Zulegen konnten der Schweizer Franken und Gold, die in unsicheren Zeiten gefragt sind.

Für Verunsicherung sorgte der offenbar islamistisch motivierte Anschlag auf dem Pariser Boulevard Champs-Elysees. "Da die vier aussichtsreichsten Präsidentschaftskandidaten in Umfragen relativ nahe beieinander liegen, sind die jüngsten Ereignisse in dem ohnehin von vielen überraschenden Wendungen bestimmten Wahlkampf von gewisser Brisanz", sagte Anleihe-Spezialist Constantin Pyhel von der DZ Bank. Die französische Polizei verschärfte am Freitag nochmals die Sicherheitsmaßnahmen für die Wahl.

Enges Rennen der vier Kandidaten

Glaubt man den jüngsten Umfragen, liefern sich die vier Kandidaten, Emmanuel Macron, Marine Le Pen, Francois Fillon und Jean-Luc Melenchon ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Sie liegen nur wenige Prozentpunkte voneinander entfernt, wobei der parteiunabhängige Kandidat Macron zusammen mit der rechtsextremen Le Pen die besten Chancen auf die Stichwahl am 7. Mai hat. Jedoch haben der unerwartete Sieg von Donald Trump bei den Präsidentschafts-Wahlen in den USA und das Votum der Briten für den EU-Ausstieg gezeigt, dass Umfrageinstitute irren können.

Anleger fürchten Durchmarsch von Le Pen und Melenchon

Das für die Börsen ungünstigste Szenario wäre, wenn sich in der ersten Wahlrunde Le Pen und ihr linksaußengerichteter Rivale Melenchon durchsetzen, die beide für einen Anti-EU-Kurs stehen. Die Märkte würden ein solches Ergebnis am Sonntag mit Verkäufen von französische Staatsanleihen, dem Euro und Risikopapieren aller Art quittieren, sagte LBBW-Volkswirt Uwe Burkert.

An der Wall Street zeichnete sich am Freitagnachmittag ein verhaltener Handelsauftakt ab. Anleger warteten gespannt, ob Trump endlich die sehnlichst erwartete Steuerreform anpackt. Laut einem Insider im Weißen Haus wird er am Freitag per Dekret Finanzminister Steven Mnuchin anweisen, die Steuerlast der Amerikaner zu verringern.

BMW, Deutsche Bank und Software AG gefragt

Die Festnahme des mutmaßlichen Attentäters auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund stand ebenfalls im Fokus der Anleger. Laut Bundesanwaltschaft wollte der Mann mit dem Anschlag den Kurs der BVB-Aktien beeinflussen und von einem Kurssturz profitieren. Die Papiere stiegen am Freitag um 3,5 Prozent.

Gefragt waren mit einem Plus von 1,5 Prozent die Papiere der Deutschen Bank Bank. Das Geldhaus muss für Manipulationen auf dem billionenschweren Devisenmarkt deutlich weniger Strafe zahlen als befürchtet. Gemeinsam mit den Papieren des Autobauers BMW , die zuletzt 1,6 Prozent in Folge robuster Quartalszahlen zulegten, gehörten die Aktien der Deutschen Bank zum Spitzenduo im Dax.

Im Technologieindex TecDax ragten die Titel des SAP-Rivalen Software AG mit einem Plus von 8,7 Prozent heraus. Der IT-Konzern übertraf mit Gewinn und Umsatz im Quartal die Erwartungen.

Gewinnsprung bei Philips

Anleger an der Börse in Amsterdam deckten sich mit Philips Lightning ein. Der Kurs des weltgrößten Leuchtmittelherstellers stieg nach einem Gewinnsprung im Quartal um fünf Prozent auf ein Rekordhoch von 28,35 Euro.

Dagegen rutschten Danone in Paris nach enttäuschenden Quartalszahlen um 2,5 Prozent auf ein Sechs-Wochen-Tief von 62,12 Euro. Analysten von Morgan Stanley bezeichneten den Umsatzanstieg von 0,7 Prozent im Auftaktquartal als "schwach".

Euro gibt nach

Der Euro-Kurs hat am Freitag wieder nachgegeben, nachdem die Gemeinschaftswährung in den vergangenen Tagen bis über die Marke von 1,077 US-Dollar gestiegen war. Händler verwiesen auf die steigende Unsicherheit vor den Wahlen in Frankreich.

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