17.02.2017  Bankaktien im Fokus - verzerrter Wettbewerb

Warum Goldman Sachs Europas Banken alt aussehen lässt

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Wall Street in New York: Die US-Banken blicken in eine rosige Zukunft - anders als ihre europäische Konkurrenz
AP
Wall Street in New York: Die US-Banken blicken in eine rosige Zukunft - anders als ihre europäische Konkurrenz

2. Teil: Was heißt das für Aktionäre?

So viel zu den Aussichten. Doch heißt das auch, dass die Aktien US-amerikanischer Banken jenen europäischer Institute zurzeit vorzuziehen sind? Nicht unbedingt. Schließlich sind die Kurse von Goldman Sachs , JP Morgan und Co in den vergangenen Monaten bereits erheblich gestiegen. Viel von dem, was aus Investorensicht in nächster Zeit an Gutem auf die Banken zukommt, ist also in den Aktienpreisen bereits enthalten.

Die Initialzündung erfolgte Anfang November, als der Wahlsieg Trumps an der US-Börse eine breite Euphorie auslöste. Seither ging es auch mit den Papieren von US-Banken aufwärts. Insgesamt, so rechnet die US-Website Quartz.com vor, stieg der Börsenwert der sechs führenden US-Banken seit der US-Wahl um zusammen 280 Milliarden Dollar. Die Aktien von Goldman Sachs sowie JP Morgan etwa erreichten gerade in diesen Tagen neue Allzeithochs.

Die Papiere europäischer Banken dagegen - inklusive Deutscher Bank und Commerzbank - konnten seit der US-Wahl zwar ebenfalls zulegen. Die Gegenüberstellung ergibt jedoch einen klaren Etappensieger: Während der europäische Stoxx-Bankenindex in den vergangenen zwölf Monaten um etwa 25 Prozent stieg, betrug das Plus amerikanischer Bankaktien gemessen am 24 Werte umfassenden KBW-Index im gleichen Zeitraum fast 60 Prozent.

Entscheidend: Welche Aktien sind am günstigsten?

Die Aktienkurse allein geben allerdings nur wenig Auskunft darüber, ob die Papiere günstig oder teuer, ob sie also eher ein Kauf oder ein Verkauf sind. Zu dem Zweck hilft ein Blick auf Bewertungskennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) oder das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV).

Eine Übersicht, die kürzlich von der "FAZ" veröffentlicht wurde, zeigt: Das Bild ist recht klar. US-Banken wie JP Morgan oder Wells Fargo stechen vor allem mit einem hohen KBV heraus, erscheinen also gemessen an dieser Kennzahl bereits recht teuer. Europäische Banken dagegen verfügen zum Großteil über vergleichsweise niedrige KBV-Zahlen.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Ähnlich sieht es zudem beim KGV aus: Auch dort liegen die Werte der amerikanischen Institute im Schnitt über jenen der europäischen Wettbewerber. Einzige Ausnahme: Die Commerzbank, deren KGV mit 17,3 jenes der gesamten Konkurrenz deutlich übersteigt.

Was also tun? Auch Kian Abouhossein, Bankenanalyst bei JP Morgan, sieht künftig bessere Chancen bei US-Banken, will aber auch die europäischen Institute nicht komplett abschreiben. Der Experte rät vor allem davon ab, in Institute mit geringer Profitabilität und knapper Eigenkapitalausstattung zu investieren. Als Beispiele dafür nennt er: ausgerechnet die Deutsche Bank sowie die Commerzbank.

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