03.12.2018 
Kooperation mit Alipay und WeChat Pay

Warum Wirecard-Anleger auf Alibaba achten sollten

Ein Gastkommentar von Georg Thilenius
Schokolade mit dem Smartphone via Alipay bezahlen
REUTERS
Schokolade mit dem Smartphone via Alipay bezahlen

Mit Hilfe von Wirecard können Händler jetzt auch in Deutschland chinesische Dienste für mobiles Zahlen anbieten. Alipay und WeChat Pay sind die größten Player. Chinesische Touristen gelten hierzulande als höchst ausgabenfreudig. Das macht Investments in Wirecard und chinesische Mobile-Payment-Anbieter interessant - erst recht nach den zuletzt kräftige Kursverlusten.

Die Stuttgarter Autoindustrie hat sich durch Innovation und Qualität seit 130 Jahren Weltruhm erobert, unserer Meinung nach völlig zu Recht. Jetzt kommt eine völlig andere Art von Innovation von außen nach Stuttgart, die jedenfalls großes wirtschaftliches Potential hat und für Anleger interessant ist.

Zur Person
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    Georg Thilenius ist geschäftsführender Gesellschafter der bankunabhängigen Vermögensverwal-tungsgesellschaft Dr. Thilenius Management GmbH in Stuttgart. Das Unternehmen unterliegt der BaFin.

Dax-Neuling Wirecard ist eine Partnerschaft mit den chinesischen mobilen Zahlungsplattformen Alipay und WeChat Pay eingegangen. Dadurch akzeptieren 50 Geschäfte in Stuttgart, erstmalig in Deutschland - also Restaurants, Einzelhändler, Museen und viele andere - Zahlung durch Alipay und WeChat Pay. Diesen 50 Geschäften dürften noch viele weitere folgen. Gleichzeitig können Touristen die Attraktionen von Stuttgart und andere interessante Punkte durch die Apps von Alipay und WeChat Pay finden.

Diese beiden Zahlungsdienste sind die populärsten chinesischen Zahlungsmethoden. Dadurch können die Nutzer der Dienste jetzt mit ihren bevorzugten mobilen Methoden, also auch mit dem Smartphone, bezahlen. Dabei handelt es sich um eine Art Pilotprojekt, das sich zunächst an die vielen chinesischen Touristen in Deutschland wendet. Stuttgart ist die erste Stadt in Deutschland, die dem Netzwerk China Pay City beigetreten ist.

Selbstverständlich finden Touristen über Alipay und WeChat alles über Restaurants, Hotels, Museen und viel mehr natürlich mit einem Profil in ihrer Heimatsprache Mandarin. Das Essen und die Einkäufe werden dann mit der Smartphone-App bezahlt. Wirecard übernimmt die Abwicklung der Zahlungen und hilft auch beim Marketing - wie bei Sonderangeboten.

Experten messen wachsender Zahl von Touristen aus China viel Potential zu

Dies ist noch kein riesiges Geschäft: Im Jahr 2017 waren Chinesen die viertgrößte ausländische Besuchergruppe in Stuttgart mit 65.000 Übernachtungen. Die Zahlen für Deutschland sehen dann schon ganz anders aus: Chinesische Touristen und Geschäftsleute haben im Jahr 2017 immerhin in Deutschland 2,9 Millionen Übernachtungen gezählt. Wer die Entwicklung Chinas und das Potential der chinesischen Touristen- und Geschäftsreisen zutreffend einschätzt, sieht, dass hier ein gewaltiges Potential liegt.


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Für Anleger bietet sich hier eine interessante Zukunftsperspektive in Ergänzung zur Stuttgarter Autoindustrie. Alipay und WeChat Pay gehören zu den großen chinesischen Internetkonzernen Alibaba und Tencent.

Die Aktien von Alibaba werden auch in den USA gehandelt und erfüllen deshalb sämtliche dortigen hohen Transparenzpflichten. Daher ist Alibaba für Investoren die interessantere Aktie. Alibaba betreibt in China ein ähnliches Geschäft wie Amazon in USA, also Internethandel. Alibaba tritt dabei allerdings nicht als Verkäufer auf, sondern stellt nur seine Plattform anderen Verkäufern zur Verfügung. Außerdem werden in großem Umfang Finanzdienstleistungen erbracht.

Der Umsatz von Alibaba ist in den vergangenen fünf Jahren in US Dollar gerechnet jährlich um 48 Prozent gestiegen. Der Gewinn pro Aktie ist im gleichen Zeitraum um 47 Prozent pro Jahr gestiegen. Dieses Jahr wird ein um 44 Prozent gestiegener Gewinn je Aktie erwartet, im kommenden Jahr sollen es 30 Prozent sein. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für den erwarteten Gewinn der nächsten 12 Monate beträgt derzeit 23. Dies ist bedingt durch die Korrektur der vergangenen Monate, die vom Höchststand an insgesamt mehr als 30 Prozent Kursverlust gebracht hat. Ein Teil dieser Korrektur ist inzwischen wieder aufgeholt.

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Wer das große Potential des chinesischen Marktes, die jetzt erfolgte Expansion in Finanzdienstleistungen sogar bis nach Stuttgart, als langfristige Chance sieht, kann nach unserer Meinung Alibaba auf dem jetzigen Niveau angesichts der Wachstumsraten kaufen. Der Weg Chinas zurück zu früherer wirtschaftlicher Größe ist allerdings steinig und Rückschläge sind zu erwarten. Wer einen Zeithorizont von 3 bis 5 Jahren mitbringt und vor zwischenzeitlichen Korrekturen von 30 Prozent wie zuletzt geschehen nicht zurückschreckt, sollte hier nach unserer Meinung ein lohnendes Investment finden.

"Auch für Wirecard sieht die operative Zukunft günstig aus"

Wirecard wiederum hat in den vergangenen fünf Jahren den Gewinn pro Aktie um durchschnittlich 29 Prozent jährlich gesteigert und sich durch ungefähr proportionale Kurssteigerungen einen Platz im Dax erobert. Auch für Wirecard sieht die operative Zukunft nach unserer Meinung auf Jahre hinaus günstig aus.

Die Korrektur des Aktienkurses in den vergangenen Wochen um mehr als 30 Prozent hat das KGV für den erwarteten Gewinn des Jahres 2019 auf 33 sinken lassen. Dies ist immer noch ein optisch hoher Wert, sollte aber angesichts des auch in Zukunft nach unserer Meinung anhaltenden Wachstums eine gute langfristige Einstiegschance bieten. Ähnlich wie bei Alibaba sollten nach unserer Meinung ein Zeithorizont von mindestens 3 Jahren und zwischenzeitliche Korrekturen um 20 bis 30 Prozent einkalkuliert werden.

Der Autor ist geschäftsführender Gesellschafter der Stuttgarter Vermögensverwaltungsgesellschaft Dr. Thilenius Management GmbH. Das Unternehmen unterliegt der Bafin.

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