28.08.2018 
Schweizer Investmentfirma GAM

Starmanager weg - Investoren ziehen Milliarden aus Fonds ab

Von
Tim Haywood
youtube/Bloomberg
Tim Haywood

Der Schweizer Vermögensverwalter GAM macht zurzeit durch, was schon andere Unternehmen in der Branche zuvor erleben mussten: Nach dem Abgang eines prominenten Portfolio-Managers ziehen Investoren im großen Stil Gelder ab. Das war beispielsweise auch bei der Allianz-Tochter Pimco so, als 2014 der Pimco-Mitgründer und seinerzeitige Star-Renten-Investor ("Bond-King") Bill Gross unter ziemlichem Getöse das Unternehmen verließ. Es war auch bei Jeffrey Gundlach so, der 2010 nach 24 Jahren vom US-Investmenthaus TCW gefeuert wurde.

Gundlach, ein ehemaliger Rock-Schlagzeuger, dem eine ziemliche Brillanz auf dem Gebiet der Mathematik nachgesagt wird, hatte bei TCW zuletzt rund 70 Milliarden der insgesamt etwa 110 Milliarden seinerzeit von dem Unternehmen verwalteten Dollar unter seiner Obhut gehabt. Nachdem er am Tag seiner Entlassung von zwei Anwälten der Firma buchstäblich bis auf den Gehweg vor dem TCW-Gebäude in Los Angeles begleitet worden war, zogen Investoren Berichten zufolge mindestens 25 Milliarden Dollar aus den Fonds des Hauses ab.

So ähnlich ergeht es nun also auch GAM, wenn auch offenbar noch in vergleichsweise überschaubarerem Ausmaß. Das Schweizer Unternehmen, das eigenen Angaben zufolge mit insgesamt 900 Mitarbeitern in 14 Ländern zusammen rund 163,8 Milliarden Schweizer Franken (etwa 143 Milliarden Euro) verwaltet, setzte Ende Juli überraschend Tim Haywood vor die Tür.

Haywood war 2009 zu GAM gekommen, als das Unternehmen - selbst einst im Besitz von UBS und später von Julius Bär - die frühere Julius-Bär-Tochter Augustus Asset Managers übernahm, deren Chef Haywood gewesen war. Bei GAM agierte er zuletzt als Investmentdirektor und verantwortlicher Geschäftsleiter für den Bereich der "Absolute-Return-Bond-Strategie mit uneingeschränktem Anlageansatz" ("ARBF"), wie es in Mitteilungen des Hauses heißt.

Demnach war Haywood allein in diesem Bereich verantwortlich für ein Anlagevolumen von elf Milliarden Schweizer Franken (9,6 Milliarden Euro). Hinzu kommen nach Angaben des Unternehmens 2,9 Milliarden Franken, die in sogenannten Handelsfinanzierungsfonds stecken, sowie 653 Millionen Franken in weiteren Anleihen-Portfolios, für die Haywood jeweils ebenfalls mitverantwortlich war.

Doch das ist nun Vergangenheit. Am 31. Juli teilte GAM mit, der Portfolio-Manager sei "aufgrund einer internen Untersuchung" suspendiert worden. Wie das Unternehmen inzwischen konkretisiert hat, soll Haywood möglicherweise bei einigen Investitionen die übliche Sicherheitsüberprüfung ("Due Diligence") vernachlässigt oder nicht ausreichend nachgewiesen haben. Zudem habe Haywood möglicherweise gegen die Unterschriftenrichtlinie des Unternehmens verstoßen, indem er bestimmte Verträge, bei denen zwei Unterschriften erforderlich waren, alleine unterzeichnet hat.

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